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Almbauern haben gesundes Vieh

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Dicht besetzt waren die Reihen im »Brennerbräu« bei der Senner- und Sennerinnenversammlung der Bezirksbauernschaft Berchtesgaden. (Fotos: Horn)
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Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger leitete die Versammlung.

Bischofswiesen – Von einigen Positivmeldungen war die Senner- und Sennerinnenversammlung der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden geprägt, die gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein organisiert worden war. Dicht besetzt waren die Plätze im Saal des Bischofswieser »Brenner Bräu«, und ein Nachmittag mit geballten Informationen rund um das Almwesen prägte die Zusammenkunft.


Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger freute sich über die zahlreich erschienenen Almbauern und Sennleute sowie über die vielen Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft sowie von Ämtern und Behörden. Die vernahmen dann auch, dass der Kassenbestand ein wenig geschmolzen ist, deshalb soll künftig beim Almbauernjahrtag der Eintritt auf 8 Euro angehoben werden.

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Rolf Oehler vom Landwirtschaftsamt Traunstein informierte die Anwesenden über wichtige anstehende Termine. Zunächst ging es um den Sachkundenachweis beim Pflanzenschutz. »Die Frist zur Beantragung des Ausweises endet am 26. Mai 2015. Wer diesen Termin überschreitet, muss eine neue Sachkundeprüfung ablegen«, erinnerte Oehler. Am 26. März findet in Traunstein ein Informationsabend zu den Studienmöglichkeiten an der Akademie für Alm- und Landwirtschaft statt. Oehler machte deutlich, dass es für Investivförderungen nötig ist, einen Teil des Bildungsprogramms absolviert zu haben. Detaillierte Auskünfte dazu erteilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein.

Almfachberater Hans Gruber erklärte, dass es Änderungen bei den »De-minimis«-Förderungen gibt. Diese sind in die Bereiche Agrarprodukte, Gewerbe und Fischerei unterteilt. Förderungen für das Schwenden von Almflächen fallen unter »Agrarprodukte«, Förderungen aus der Gasölverbilligung unter »Gewerbe«. Wer Förderungen aus mehreren verschiedenen Sparten in Anspruch nimmt, muss beim Antrag auch den Nachweis erbringen, wie viel Förderung er aus einer anderen Sparte erhalten hat. »Wer also Beihilfen für das Schwenden bekommt, muss auch den Nachweis aus der Gasölverbilligung mit dazulegen«, führte Gruber aus.

Die Förderkonditionen für Maschinen im Berggebiet haben sich nicht geändert. Voraussetzung ist allerdings eine mindestens dreijährige Bewirtschaftung. Für Neueinsteiger sind zwei Kurse aus dem Bildungsprogramm Landwirtschaft (BiLa) nötig. »Mein Rat: Junge Leute sollen diese Kurse möglichst früh machen«, empfahl der Almfachberater. Die Obergrenze liegt bei 100 000 Euro. Um Gelder aus dem Stallbauförderprogramm erhalten zu können, sind mindestens drei BiLa-Kurse nötig. Die Basisförderung liegt bei 20 Prozent und kann bei der Erfüllung bestimmter Auflagen auf 40 Prozent steigen. »Investive Maßnahmen sind derzeit sehr lukrativ«, machte Gruber Mut zur Investition. Die Behirtungsprämie gibt es nur noch für ständige Behirtung, dafür aber eine Prämie für Raufutterfresser. »Neu ist, dass auch mehrere Bauern Unterstützung für einen Hirten beantragen können, wenn er bei mehreren beschäftigt ist«, ergänzte Gruber.

Derzeit werden für das »FFH-Natura 2000«-Programm Managementpläne erstellt. Auf der Homepage des Landwirtschaftsamtes können die eingetragenen Flächen eingesehen werden. »Wenn man nicht mit dem Eintrag einverstanden ist, dann kann man Widerspruch einlegen«, empfahl Gruber den Anwesenden eine individuelle Prüfung.

Dr. Fritz Gruber vom Veterinäramt konnte die erfreuliche Meldung weitergeben, dass es im Landkreis Berchtesgadener Land keine Probleme mit Tierkrankheiten und -seuchen gibt. Nach dem Almabtrieb waren rund 1 000 Rinder auf Tuberkulose untersucht worden, alle Tiere waren ohne Befund. In diesem Zusammenhang dankte Gruber den Bauern für die unproblematische Zusammenarbeit. Dr. Gruber prognostizierte, dass eine weitere Untersuchung mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr angeordnet werden wird. Allerdings müssen laktierende Tiere, also Kühe, weiterhin auf Tbc untersucht werden, wenn sie in Österreich auf Almen kommen.

Neu ist auch die Empfehlung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, auf Rauschbranduntersuchungen zu verzichten. Wissenschaftlichen Studien zufolge wird die Krankheit durch Bakterien im Boden hervorgerufen. Die Krankheit ist seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten. »Man weiß nicht, ob sich der Boden inzwischen gereinigt hat oder die Impfung hilft«, so Dr. Gruber. Es ist jedem Bauern freigestellt ob er impfen lassen will oder nicht. Es stellt auch kein Problem dar, wenn auf einer Alm Tiere von verschiedenen Bauern sind, ob geimpft oder nicht geimpft. »Im Alpenweideviehverkehr, also wenn Tiere beispielsweise auf die Kallbrunn Alm kommen, dann ist die Impfung nötig. Auf den Halleiner Almen nicht, denn die sind keine Rauschbrandalmen«, ergänzte der Veterinär. Die freiwilligen Impfungen müssen vom Tierhalter selbst bezahlt werden.

Leider ist in benachbarten Landkreisen wieder die Herpeserkrankung »IBR« aufgetreten. In den Landkreisen Traunstein, Altötting und Mühldorf wurden Fälle bekannt. Durch Viehhandel mit Tirol wurde die Kankheit in Bayern wieder akut. mh

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