weather-image
14°

»Als ob eine U-Bahn durch den Keller fährt«

3.9
3.9
Bildtext einblenden
So hat die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik das Erdbeben am Dienstagabend gemessen. Die Zeitangabe 20:54:15 Uhr ist die »Koordinierte Weltzeit«, was 21:54:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit entspricht. (Screenshot: Anzeiger)

Ramsau – Vibrierende Häuser, wackelnde Möbel und klappernde Fensterläden sorgten am Dienstagabend um 21.54 Uhr für einige Schrecksekunden in den Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels. Das Erdbeben der Stärke 2.7 mit seinem Epizentrum nahe Ramsau dauerte nur zwei bis drei Sekunden, dann war alles vorbei. Passiert ist nach ersten Erkenntnissen der Polizeiinspektion Berchtesgaden nichts. Zeugen meldeten nur einzelne herabgestürzte Gegenstände sowie von den Wänden gefallene Bilder.


Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hatte für das Erdbeben zunächst eine Stärke von 3.0 angegeben und war von einer Tiefe des Epizentrums in Ramsau von sechs Kilometern ausgegangen. Am Mittwochvormittag korrigierte dann der Bayerische Erdbebendienst die Angaben und reduzierte die Stärke auf 2.7. Dafür lag der Herd des Bebens aber in nur einem Kilometer Tiefe. In Ramsau waren bereits vor einer Woche zwei kleine, nicht spürbare Erdbeben der Stärken 1.7 und 1.9 gemessen worden.

Anzeige

Dagegen waren die Erschütterungen am Dienstagabend in allen fünf Gemeinden des südlichen Berchtesgadener Landes gleichermaßen zu spüren. Außerhalb des Berchtesgadener Talkessels machte sich das Beben lediglich im Bundesland Salzburg östlich von Lofer bemerkbar. Aus Bad Reichenhall beispielsweise gingen keine Meldungen ein. »Ich habe nichts wahrgenommen«, sagte Berchtesgadens Polizeichef Günther Adolph, der in der Kreisstadt wohnt, dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Bei der Berchtesgadener Polizei wurden bis gestern keine Schäden gemeldet. »Allerdings gab es am Dienstagabend bei uns Anrufe einiger besorgter Bürger, die wissen wollten, was los war«, sagte Adolph.

Das Erdbeben vom Dienstag war das stärkste in Bayern seit dem 24. April 2012, als ein Beben der Stärke 3.2 Bad Reichenhall erschüttert hatte. Deutschlandweit war es in diesem Jahr das drittstärkste Erdbeben. Da der Herd des Erdbebens vermutlich in nur einem Kilometer Tiefe lag, wären leichte Gebäudeschäden durchaus möglich gewesen.

Nach Angaben der ZAMG hatte es am Dienstagmorgen um 5.12 Uhr bereits ein kleines Vorbeben der Magnitude 1.4 gegeben, das nicht spürbar war. Ebenfalls nichts mitbekommen hat die Bevölkerung ein leichtes Nachbeben am Mittwochmorgen um 6.54 Uhr.

Wie die Bevölkerung in den fünf Talkesselgemeinden das kurze Erdbeben erlebt hat, war schon wenige Minuten nach den Erschütterungen im Internetforum von »Juskis Erdbebennews« nachzulesen. »Juskis Erdbebennews« ist eine Nachrichtenseite, die über aktuelle Erdbeben weltweit und deren Auswirkungen berichtet. Die Seite wird ausschließlich von unabhängigen Privatpersonen betrieben.

Ein Bürger aus Schönau am Königssee veröffentlichte folgenden Kommentar: »21.57 Uhr: Starkes Rumpeln und Vibrieren, Dauer etwa vier Sekunden. Als ob eine U-Bahn durch den Keller fährt.« Ebenfalls aus Schönau am Königssee ging folgende Meldung ein: »Kurz vor 22 Uhr. Lautes Grollen und kurzes Wackeln der Wände und Fußböden. Dauer etwa ein bis zwei Sekunden.«

Ein »starkes, kurzes, lautes Beben und Rumpeln« hatte ein Anwohner am Marktplatz in Berchtesgaden vernommen. »Schäden kann ich jetzt keine feststellen«, postete er. Ein Marktschellenberger, der nach eigenen Angaben ein 500 Jahre altes Haus mit Holzdecke bewohnt, schreib: »Plötzlich starkes Schwingen/Rütteln des gesamten Bodens in unserer Wohnung. Schäden habe ich keine festgestellt.« Ebenfalls aus Marktschellenberg ging folgender Kommentar ein: »Sehr deutliches Zittern des Hauses. Geschirr in den Schränken vibrierte.«

Offensichtlich ein Urlaubsgast aus Bischofswiesen schrieb: »Es hat sich angefühlt, als ob eine U-Bahn unter unserer Ferienwohnung durchfährt.« Auch in Schönau am Königssee postete ein Urlauber: »Die Wände haben deutlich spürbar gewackelt. Wir wohnen in einer Ferienwohnung im zweiten Stock. Haben uns sehr erschrocken.«

Aus Ramsau, wo das Epizentrum lag, ging folgender Beitrag ein: »Keine Schäden, zumindest offensichtlich. Haus hat gewackelt und geruckelt, etwa zwei Sekunden Dauer. Geräusche vom Wackeln des Hauses, von den Fensterläden und Fenstern waren deutlich wahrnehmbar.« Ulli Kastner