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Die Bischofswieserin Marita Schauerte macht Wachstücher selbst – Zum Einwickeln, Abdecken und Mitnehmen

Altes Hemd und Bienenwachs statt Plastikfolie

Schritt 1: Ein altes Hemd mit einer Zickzack-Schere zerschneiden. (Fotos: privat)
Schritt 4: Trocknen lassen. Fertig ist der ökologische Ersatz für Plastikfolie.
Schritt 3: Immer, wenn schon eine Wachspfütze da ist, ein Tuch mit einer Zange kurz tränken.
»Ich habe 14 unterschiedlich große Tücher herausbekommen«, so Marita Schauerte.
Schritt 5: Verwenden. Mit den Tüchern lassen sich Dinge gut abdecken, einwickeln und mitnehmen.
Schritt 2: Ein Wachsstück, 200 Gramm, bei 100 Grad Celsius im Ofen schmelzen.

Bischofswiesen – Wer eine Alternative zur Plastik- oder Alufolie sucht, der ist mit Wachstüchern gut beraten. Diese sind abwaschbar, wiederverwendbar und leicht selbst zu machen. Die Bischofswieserin Marita Schauerte hat es ausprobiert.


Der Grundgedanke hinter den Wachstüchern ist das Vermeiden von Plastikmüll – darum hat sich Marita Schauerte auch die Mühe gemacht, diese selbst zu machen. »Ich bin in der Facebookgruppe ›Berchtesgaden gegen Plastikmüll‹«, erzählt sie dem »Berchtesgadener Anzeiger«. In diesem Forum hatte jemand die Idee mit den Wachstüchern anstelle von Plastikmüll veröffentlicht. Dadurch neugierig geworden, suchte die Bischofswieserin im Internet und fand jede Menge Anleitungen. »Es gibt auch einen Video-Beitrag über eine Firma, die die Tücher verkauft«, so Schauerte.

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So inspiriert schnappte sie sich ein altes Baumwollhemd ihres Mannes und schnitt es mit einer Zickzack-Schere in 14 unterschiedlich große Tücher. »Die kleineren verwende ich gerne für Butterbrote«, erwähnt sie an dieser Stelle. Dann kaufte die gebürtige Kölnerin in Bischofswiesen bei einem Imker ein Stück Bienenwachs, 200 Gramm. »Man kann auch Carnaubawachs verwenden, aber Bienenwachs ist da schon ökologischer«, so Schauerte. Oft gibt es auch Wachs-Pellets zu kaufen, mit denen funktioniere es auch.

Im nächsten Schritt benötigt man eine hohe Form für den Ofen – Marita Schauerte hat eine »Saftpfanne« verwendet – und lässt dann bei 100 Grad Celsius und Umluft das Wachs langsam schmelzen. »Bei 150 Grad fängt es schon an, zu qualmen«, gibt die Bischofswieserin zu bedenken. Bienenwachs schmelze schon bei 80 Grad, fügt sie hinzu. Um die Tücher zu tränken, hielt sie diese mit einer Küchenzange in die entstehende Wachspfütze. »Ich habe festgestellt, je kürzer man die Tücher eintaucht, umso besser«, lautet ihr Tipp. Das Ganze macht »tierischen Dreck«, wie sie lachend hinzufügt, darum sollte man seine Küche mit Zeitungspapier auslegen. Fertig getrocknet halten die Tücher »hundert Jahre«, wie Marita Schauerte sagt. Sollten sie brüchig werden, einfach kurz auf Backpapier legen, das Wachs im Ofen weich werden lassen und schon sind sie wie neu. Damit kann man nicht nur das Pausenbrot einwickeln: »Ich decke Schüsseln und Gläser damit ab, sogar Zwiebeln, oder auch eine halbe Ananas.« Das Tuch nimmt offenbar keinen Geruch an, ist laut der Bischofswieserin hygienisch einwandfrei und lässt sich einfach abwischen, mit Spülmittel und Wasser. »Ich find's total klasse«, so Marita Schauerte. Nur in die Waschmaschine würde sie die Tücher nicht stecken. »Da hätte ich Angst, dass das Wachs die Maschine verstopft.«

Sonst macht Schauerte nicht viel selbst. »Ich habe keine Zeit«, lacht sie. Die Künstlerin erkennt zwar keinen Trend zum Selbermachen, stellt aber ein Umdenken in der Bevölkerung fest, was das Thema Plastikmüll vermeiden betrifft: »Es kommt langsam, dass sich die Menschen mehr und mehr damit beschäftigen.« Seit 22 Jahren lebt die Kölnerin im Talkessel und versucht zum Beispiel, beim Lebensmittelkauf weitgehend auf Plastik zu verzichten. »In einer Großstadt wie Köln ist es aber natürlich einfacher, plastikfrei einzukaufen, weil es da zum Beispiel schon verpackungsfreie Läden gibt.« Annabelle Voss