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Altes Rathaus soll erhalten bleiben

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Das alte Rathaus in Bischofswiesen soll erhalten bleiben. Darüber waren sich die Gemeinderäte von Bischofswiesen auf ihrer Dienstag-Sitzung ziemlich einig. Nun geht alles in Richtung Sanierung plus zusätzlichem Neubau. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Bischofswiesen – In jeder Hinsicht desolat und auch zu klein ist das Bischofswieser Rathaus. Dennoch wollen die Bischofswieser Gemeinderäte das schmucke Gebäude erhalten und einer Komplettsanierung unterziehen. Zusätzlich ist die Errichtung eines Neubaus geplant, der mit einem schmalen Verbindungstrakt an das alte Gebäude angebunden werden soll. Mit den Plänen, die die Architekten Wolfgang Schulze und Alexander Dinter am Dienstag präsentierten, waren die Gemeinderäte durchwegs einverstanden. Allerdings wird die Gemeinde für eine Realisierung rund 2 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen.


Dass beim Bischofswieser Rathaus dringender Handlungsbedarf besteht, bezweifelte spätestens nach den Erläuterungen von Geschäftsleiter Rupert Walch niemand mehr. Die derzeit bestehenden elf Büros sind teilweise doppelt besetzt, durchschnittlich stehen jedem der 17 Mitarbeiter rund sieben Quadratmeter inklusive Stauraum zur Verfügung. Mit seinen Treppen und Absätzen ist das Rathaus nicht behindertengerecht gestaltet, der Keller ist feucht, der Dachboden nicht beheizt. Verschiedene Räumlichkeiten sind derzeit in die benachbarte Schule ausgelagert.

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Fenster und Türen im Rathaus sind allesamt renovierungsbedürftig, die Heizungsanlage ist veraltet, die Wärmedämmung fehlt komplett, sämtliche elektrische Leitungen und Verkabelungen entsprechen nicht mehr dem aktuellen Standard. Auch die Anzahl der Parkplätze neben dem Gebäude ist nicht mehr ausreichend. Darüber hinaus gibt es Defizite beim Schall- und Brandschutz sowie bei den Fluchtwegen.

Den künftigen Raumbedarf hat man zur Planung an die Architekten weitergegeben. Wichtig ist, dass künftig alle Räume barrierefrei erreichbar sein müssen, außerdem wünscht man sich laut Geschäftsleiter Rupert Walch zwei Reservebüros mit Arbeitsplätzen. Weil sich nicht alle Räumlichkeiten im alten Rathaus unterbringen lassen werden, sei ein weiterer Neubau erforderlich, sagte Walch. Man habe sich deshalb überlegt, das neue Gebäude, das auf der Fläche in Richtung evangelische Kirche errichtet werden soll, mit einem Verbindungsbau an das alte Rathaus anzubinden. Dadurch wäre beispielsweise nur eine Aufzugsanlage erforderlich. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen laut Walch bei rund 2 Millionen Euro ohne Ausstattung.

Die Architekten Wolfgang Schulze und Alexander Dinter bezeichneten das alte Rathaus als »ortsbildprägendes Gebäude«, das man erhalten sollte und für dessen Sanierung es auch Fördermöglichkeiten gebe. Wegen der Brandschutzanforderungen müsse allerdings das gesamte Gebäude entkernt und eine neue Stahlbetondecke eingezogen werden. Der Haupteingang könne in dem künftigen Verbindungsbau zum Neubau angelegt werden. Schulze machte aber auch deutlich, dass man mit den vorgesehenen 2 Millionen Euro nicht das gesamte Raumprogramm abdecken könne. Eine Erweiterung des Neubaus in Richtung Westen sei aber möglich.

»Die Sanierung ist in etwa kostengleich zu einem Neubau«, erklärten die Architekten. Allerdings kämen bei einem Neubau des alten Rathauses noch der Abbruch des alten Gebäudes und die Kosten für die temporäre Unterbringung der Verwaltung beispielsweise in Containern hinzu. Somit wäre dann der Neubau doch teurer.

Für Hans Metzenleitner und seine SPD ist der Erhalt der alten Bausubstanz ein Muss. Das alte Rathaus sei ein zentraler Punkt im Ensemble Kirche, Altes Feuerwehrhaus und Schulflügel. Eine gute Lösung sei der leicht versteckt gehaltene Neubau hinter dem Rathaus. Laut Hans Metzenleitner sollte man sich aber Gedanken über die weitere Situierung der Touristinfo machen. Eine Einbeziehung ins Rathaus sollte man zumindest ernsthaft prüfen.

»Gut gelöst«, lautete auch das Statement von Giselher Cramer (CSU), der vorschlug, in einigen Monaten noch einmal drüber zu reden. Für Thomas Zern (CSU) ist eine Kernsanierung allerdings ein sehr großer Aufwand. Er brachte die Möglichkeit ins Spiel, erst den Neubau zu errichten, dann die Verwaltung umziehen zu lassen, schließlich das alte Gebäude abzureißen und im Originalstil wieder aufzubauen. Laut Architekten ist das zwar eine machbare Lösung, doch zweifelten sie daran, dass man das alte Rathaus tatsächlich im alten Format mit all seinen Nachteilen wieder aufbauen würde.

Auch andere Gemeinderäte wie Oliver Schmidt (CSU), Paul Grafwallner (UBB), Kaspar Stanggassinger und Thomas Resch (beide Freie Wähler) sprachen von einer guten Lösung, die die Architekten hier vorgelegt hatten. Resch plädierte allerdings dafür, die Touristinfo an der Hauptstraße zu belassen. Und für Brigitte Kurz (SPD), die auch von einem überzeugenden Konzept sprach, ist es wichtig, dass man erst die Projekte Feuerwehrhaus-Neubau und altes Feuerwehrhaus finanziell abwickle und sich dann dem Rathaus zuwende.

Die Fraktionen werden sich in den nächsten Monaten mit dem Projekt beschäftigten. Irgendwann wird die Angelegenheit dann wieder in den Gemeinderat kommen. Ulli Kastner