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Am liebsten Familien

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Standen den Auer Bürgern hinsichtlich der Unterbringung von Flüchtlingen im Pfarrheim Rede und Antwort (v.l.) Thomas Issel vom Landratsamt, Pfarrgemeinderat Wolfgang Geistlinger, Diakon Michael König, Kirchenpflegerin Anneliese Kurz, Diakon Johann Schmidt von der Caritas und Pfarrer Thomas Frauenlob. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der Pfarrsaal war voll, als sich am Freitagabend an die 60 Oberauer mit Vertretern der Kirche, des Pfarrgemeinderates, der Caritas und des Landratsamtes getroffen haben. Das Thema der Veranstaltung: Bis zu 15 Asylbewerber sollen im verwaisten Pfarrheim untergebracht werden. Diakon Michael König wollte die Auer nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern sich den Sorgen und Nöten der Einheimischen in einer offenen Aussprache stellen.


Die anwesenden Auer bekundeten ihre humanitäre Hilfsbereitschaft, mahnten jedoch auch Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen an. So würden die Auer im Pfarrheim Familien willkommen heißen, nicht aber Männergruppierungen. Ferner wurde in aller Deutlichkeit die Sicherheitskomponente auch in feuerpolizeilicher Hinsicht für die schon recht alte Liegenschaft angesprochen.

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Diakon Michael König klärte die Versammlung zunächst darüber auf, dass die Diözese die Liegenschaft der ehemaligen Pfarrerwohnung erst in einigen Jahren renovieren werde. Bis dahin würden die Räumlichkeiten leer stehen und man sei bereit die Wohnräume für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen. Geplant sei, je drei Familien mit bis zu fünf Personen aufzunehmen.

Pfarrer Thomas Frauenlob klärte darüber auf, dass die Pfarreien wegen der Flüchtlingssituation dazu aufgefordert seien, Menschen aufzunehmen. Dabei würden Möglichkeiten der Vermietung durch das Landratsamt geprüft. Frauenlob sprach auch von einem öffentlichen Druck, solche Liegenschaften wie in der Oberau nicht leer stehen zu lassen. Dabei seien die Verfahren in den verschiedenen Landkreisen unterschiedlich, berichtete der Berchtesgadener Pfarrer. Aus steuerrechtlichen Gründen sei es auch nicht in Ordnung, nichts für die Wohnungen zu verlangen. Der Schnitt der Mietpreise liege aber um die 30 Prozent unter dem normalen Preis, informierte der Pfarrer. Gleichwohl gab der Geistliche zu verstehen, dass die Kirche kein Immobilienmakler sei, gab aber zu bedenken, dass die kalte Jahreszeit bevorstehe und die Flüchtlinge ordentlich untergebracht werden müssten.

Schule in der Nähe

Thomas Issel vom Ausländerressort des Landratsamtes sprach von etwa 800 000 Flüchtlingen deutschlandweit und dass der Landkreis nach einem Schlüssel 1 043 Asylsuchende unterzubringen habe. Dabei machte Issel deutlich, dass man Asylbewerber nicht in Turnhallen zusammenpferchen könne, denn diese Menschen hätten auch einen sozialen Anspruch. Beim Asylproblem spiele es auch eine Rolle, ob sich die Menschen selbst verpflegen oder verpflegt würden. Ein ganz wichtiger Aspekt sei auch die Glaubensrichtung der einzelnen Flüchtlinge, bemerkte Issel. Beim Objekt Pfarrheim sei gut, dass eine Schule in der Nähe sei und um den Pfarrhof Spielmöglichkeiten gegeben seien.

Zwischenfragen nach Problemen mit Flüchtlingen zerstreute Issel: »Wir haben derzeit etwa 900 Flüchtlinge im Landkreis und mit ganz wenigen davon gibt es Probleme«. Während Issel für die Wohnungsbelange und das Suchen geeigneter Objekte verantwortlich zeichnet, sprach Diakon Johann Schmidt von der Caritas aus der Praxis. Er betreut in Bad Reichenhall sieben Unterkünfte und versteht die Sorgen der Bewohner. Probleme gebe es nur innerhalb der Wohngemeinschaften.

Diakon Schmidt zerstreute jedoch auch die Ängste vor den Flüchtlingsmännern, die er insgesamt als anständig bezeichnet. Er machte jedoch auch deutlich, dass eine Integration der Flüchtlinge nicht von der Caritas organisiert werden könne, sondern dies eine Sache der Nachbarschaft sei.

Angesprochen wurden auch die möglichen Probleme mit der Berchtesgadener Tradition des Kramperllaufs oder des Schießens der Weihnachtsschützen. Hier sei viel Aufklärungsarbeit nötig. Monsignore Frauenlob sprach von eigenen guten Erfahrungen mit einem Moslem in seinem Pfarrheim. »Es muss die Bereitschaft bestehen, aufeinander zuzugehen.«

Gewisse Ängste

Einige Versammlungsteilnehmer betonten, dass auch Einheimische Wohnraum suchten. Des Weiteren wurde durch die Aussagen der Bürger deutlich, dass gewisse Ängste vor Asylanten bestehen. Ein Vater gab zu bedenken, dass seine kleinen Kinder in der dunklen Jahreszeit an der geplanten Asylantenunterkunft vorbei gehen müssten. Und er dabei kein gutes Gefühl habe.

Dritter Bürgermeister Josef Wenig hielt die ländliche Gemeinde Au ohne eine entsprechende Infrastruktur als bedenklichen Standort für Einzelgruppierungen von Asylanten.

Josef Prex von der Kirchenverwaltung sprach in aller Deutlichkeit die Problematik hinsichtlich der Sicherheit eines so alten Gebäudes an. Diakon Michael König rundete die Diskussion schließlich damit ab, dass man in der Au durchaus mit der Aufnahme von Familien leben könne, nicht jedoch mit einer Gruppe von Männern. Dies müsse bei einer möglichen Vermietung an das Landratsamt unbedingt berücksichtigt werden. Christian Wechslinger