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Anrührender Abschied vom »Soldatenvater

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Schönau am Königssee - Mit einem Staatsakt ist der ehemalige Bundesverkehrs- und Verteidigungsminister Georg Leber am Dienstag auf dem Schönauer Bergfriedhof mit militärischen Ehren beigesetzt worden (wir berichteten). Leber war am 21. August im Alter von 91 Jahren gestorben.


Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, blickte während des Requiems zurück auf das Leben des gelernten Maurers mit kaufmännischer Ausbildung, der es als Politiker weit gebracht hat. Unter anderem erwiesen dem Sozialdemokraten Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel, SPD-Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck die letzte Ehre.

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Das Aufgebot für die Beisetzung war groß. Das Berliner Wachbataillon der Bundeswehr sorgte für das große Ehrengeleit mit Truppenfahne und Totenwache, die abwechselnd von zwölf hochrangigen Offizieren aus Heer, Luftwaffe und Marine, gehalten wurde. Den musikalischen Rahmen bildete das Heeresmusikkorps 10 aus Ulm.

Während die Nationalhymne gespielt wurde, wurde der Sarg zu Grabe getragen. Die Träger zahlreicher Blumenkränze, darunter einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel, führten den Trauerzug an. Ein »Mann des Friedens« sei Georg Leber gewesen, sagte Kardinal Lehmann zuvor in kleinem Kreis in der Kirche in Unterstein. Leber war überzeugter Katholik. Lehmann würdigte den ehemaligen Verteidigungsminister als »Person der Beispielhaftigkeit« - im Privaten und in der Politik.

In Bundeswehrkreisen gilt Leber noch immer als einer der beliebtesten Verteidigungsminister. Viele Rückschläge musste der gebürtige Hesse, der die letzten Jahre seines Lebens in Schönau am Königssee lebte, einstecken. »Er musste sich von seinen beiden Ehefrauen Erna-Maria und Katja verabschieden und auch sein Sohn Manfred verstarb«, so Kardinal Lehmann. Ein leidenschaftlicher Mensch sei Leber gewesen, aber auch ein streitbarer.

Leber, der unter Parteikollegen und Freunden »Schorsch« genannt wurde, war von 1957 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestags. Er hatte von 1966 bis 1978 mehrere Ministerposten in den Kabinetten unter den Kanzlern Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt inne. In die Geschichtsbücher ging Leber als Verteidigungsminister ein. Das Amt brachte ihm die Bezeichnung des »Soldatenvaters« ein.

Sein Verhältnis zur Bundeswehr galt immerzu als mustergültig. »Georg Leber wagte sich als erster Verteidigungsminister in eine Universität«, betonte de Maizière bei der Trauerfeier. Ein Eklat folgte: »Leber wurde als Kriegshetzer beschimpft. Deshalb wurde der Vortrag wurde gestrichen und der Sozialdemokrat suchte stattdessen das Gespräch mit den Studenten«, so de Maizière. In Lebers Amtszeit leisteten zum ersten Mal Frauen Wehrdienst, als Sanitäter. Er sorgte für die Modernisierung der Bundeswehrausrüstung, optimierte die Soldatenausbildung und gründete Bundeswehruniversitäten.

Verteidigungsminister de Maizière bezeichnete den Tod Lebers als großen Verlust für die Bundeswehr. Leber sei eine herausragende Persönlichkeit unter den Gründervätern der Bundesrepublik gewesen.

Einen klugen, bodenständigen Mann und einen Menschenfischer nannte Sigmar Gabriel den »Demokraten aus Überzeugung«. Georg Leber sei Katholik, Gewerkschafter und Sozialdemokrat in einer Person gewesen, sagte der SPD-Chef. Als Gewerkschafter wollte Leber die Lebensbedingungen des Einzelnen verbessern. »Er gehört zu denen, für die der Begriff der Freiheit der Grund ist, sich zu engagieren«, so Gabriel.

Klaus Wiesehügel, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), würdigte Georg Leber als »prominentestes Mitglied« und »visionären Tarifpolitiker«, als »herausragenden Vorsitzenden«, dem es gelungen war, bei einem Gewerkschaftertag den damaligen US-Präsidenten zu einem Gastbesuch zu bewegen. Trotz all seines Engagements und vieler Erfolge in seiner politischen Karriere habe Leber nie den Halt verloren. »Er bleibt immer einer von uns«. kp