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Anruf in der Krise

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Roman Lenzhofer vom Sozialpsychiatrischen Dienst Berchtesgadener Land erzählt im Interview von seiner Tätigkeit. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Der Krisendienst Psychiatrie ist erfolgreich in der Region 18 gestartet. Seit Anfang Februar sind die Krisenhelfer bereits 15-mal ausgerückt. Roman Lenzhofer vom Sozialpsychiatrischen Dienst Berchtesgadener Landspricht im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« über Zuständigkeiten, Situationen, in denen Hilfe benötigt wurde, und die Tatsache, dass bereits viele Krisen am Telefon entschärft werden können.


Herr Lenzhofer, Sie sind Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Berchtesgadener Land. Seit Kurzem ist Ihre Einrichtung auch zuständig, wenn Hilfsbedürftige den Krisendienst Psychiatrie in Anspruch nehmen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

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Roman Lenzhofer: Unser Träger, die gemeinnützige GmbH des Projektevereins, ist Gründungsmitglied des Münchner Krisendienstes und hat zehn Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. Die Versorgung der ländlichen Regionen mit einem Krisendienst war uns schon immer ein Anliegen. Deshalb stand es außer Frage, dass wir den Bezirk Oberbayern als Kostenträger bestmöglich bei der Umsetzung unterstützen würden.

Welche Voraussetzungen musste Ihr Dienst erfüllen, um als Partner für den Krisendienst Psychiatrie geeignet zu sein?

Lenzhofer: Voraussetzung für die Zusammenarbeit im Berchtesgadener Land ist, dass wir Träger des Sozialpsychiatrischen Dienstes sind. Durch den Krisendienst wurde eine Reihe von neuen Anforderungen an uns gestellt. Es musste etwa sichergestellt sein, dass immer zwei Fachkräfte mit spezieller Schulung innerhalb einer Stunde vor Ort sein können. Von 9 bis 16 Uhr übernehmen dies die Mitarbeiter unseres Dienstes. Von 16 bis 21 Uhr und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen wird dies von einem Bereitschaftsteam sichergestellt. Auch dieses Team besteht aus geschulten Fachkräften.

Was passiert, wenn Sie verständigt werden?

Lenzhofer: Wählt man als Hilfesuchender die Telefonnummer 0180/6553000, gelangt man in die Leitstelle. Diese ist 365 Tage im Jahr erreichbar. Dort erhält man eine telefonische Beratung. Sollte die Situation am Telefon nicht ausreichend entschärft werden können, werden die Ausrückteams informiert. Diese bieten dann innerhalb einer Stunde ein Gespräch an. Das Gespräch kann in den Räumen des Sozialpsychiatrischen Dienstes stattfinden oder aber auch bei den Betroffenen zu Hause. Alternativ dazu kann man sich direkt an unseren Dienst wenden, vor allem Menschen, die schon Kontakt mit uns hatten, nutzen diese Möglichkeit. Der Krisendienst steht allen Menschen ab 16 Jahren offen. Nicht nur Betroffene selber, sondern auch Angehörige, Ärzte, Einrichtungen und Fachstellen können sich an uns wenden.

Welche Situationen gab es bereits?

Lenzhofer: Ein Vater rief in der Leitstelle an, seine Tochter lebt im Berchtesgadener Land. Sie hat gerade ihre Ausbildung verloren und der Partner hat mit ihr Schluss gemacht. Sie hat Selbstmordgedanken und hat sich auch selbst verletzt. Von den Verletzungen hatte sie dem Vater Bilder geschickt. Die Leitstelle informierte das Ausrückteam und bat den Vater, die Tochter darüber zu verständigen, dass Krisenhelfer in der nächsten Stunde eintreffen würden. Die Tochter wirkte apathisch und zu allem unentschlossen. Sie konnte nicht versprechen, dass sie sich bis zum nächsten Tag nichts antut. Die Krisenhelfer informierten sie über die Möglichkeit eines stationären Aufenthalts in der Klinik. Die Tochter willigte ein, sich stationär in die Klinik zu begeben. Ein Krankentransport wurde organisiert. Die Krisenhelfer blieben bis zum Eintreffen des Rettungswagens bei der Tochter und packten mit ihr eine Tasche für den Krankenhausaufenthalt.

Gab es seit Start des Krisendienstes bereits Einsätze in Ihrem Zuständigkeitsgebiet?

Lenzhofer: Ja, die gab es. In der Region 18 sind die Krisenhelfer etwa 15-mal ausgerückt, sechsmal kamen Hilfesuchende in die Räume des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Auch unser Dienst war schon im Einsatz. Anrufe in der Leitstelle gab es weit mehr, nicht jeder Anruf führt ja zu einem Kriseneinsatz. Oft kann schon am Telefon eine Krise entschärft werden. Kilian Pfeiffer