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Anwohner fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt

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Nach den Plänen der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG soll etwa hier das Saalachkraftwerk entstehen. In der Bürgerschaft ist das Projekt stark umstritten. (Foto: Bauregger)

Schneizlreuth – Bei einer Informationsveranstaltung stellten die beiden Geschäftsführer und Gesellschafter der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG, Ingenieur Josef Reschen aus Salzburg und Johann Abfalter aus Grabenstätt, ihr Kraftwerksprojekt im Gasthaus Schneizlreuth den Gemeinderäten und Bürgern von Schneizlreuth vor.


Nach der Diskussion, die von Bürgermeister Wolfgang Simon moderiert wurde, steht fest, dass die Bürger in Schneizlreuth nicht gewillt sind, den noch unregulierten Gebirgsfluss und das Naturschutz-Kleinod Saalach zu opfern und für den Erhalt auch kämpfen wollen. Die Gemeinde Schneizlreuth sieht derzeit in erster Linie ihren Tiefbrunnen für die gemeindliche Wasserversorgung am Haiderhof in Gefahr.

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Geplant ist, einen Teil des Wassers der Saalach über eine Wehranlage bei Flusskilometer 33,8 in Unken (Land Salzburg) in einen 6,3 Kilometer langen Triebwasserkanal auszuleiten und zwei Turbinen im Krafthaus, das in der Nähe von Unterjettenberg in Schneizlreuth bei Flusskilometer 26,8 entstehen würde, zuzuführen. Vor dem Krafthaus wäre es notwendig, zusätzlich im Untergrund ein sogenanntes Wasserschloss zu bauen, in das Stoßwellen abgeleitet werden könnten, falls die Turbinen spontan außer Betrieb genommen werden.

Wie Reschen informierte, ist die Planung schon relativ weit fortgeschritten. Außerdem lägen bereits unterschiedlichste Gutachten, etwa zum Restwasserspiegel auf der 7,3 Kilometer langen Restwasserstrecke im ursprünglichen Wasserlauf zwischen Ausleitung und Kraftwerk, der Ökologie und Morphologie vor.

Zu den Bedenken des Bürgermeisters Wolfgang Simon bezüglich des Tiefbrunnens trug der Diplomingenieur das Ergebnis eines Gutachtens vor. Dies besagt, dass der Tiefbrunnen vermutlich von einem Grundwasserbegleitstrom der Saalach gespeist und »nach menschlichem Ermessen« von der geplanten WKW-Anlage nicht negativ beeinflusst würde. Simon entgegnete, dass die Gemeinde dieses Gutachten an einen Geologen zur Prüfung weitergeleitet habe und zur weiteren Klärung in Kürze eine Tiefbohrung am Brunnen gemacht werde.

Die Frage nach dem geplanten Baubeginn konnte der Vortragende nicht genau beantworten. Die Pläne sollen im Herbst zur Genehmigung eingereicht werden. Dann müssten verschiedene behördliche Genehmigungen und Verfahren in Bayern und dem Land Salzburg abgewickelt, die Pläne öffentlich ausgelegt, Einsprüche abgehandelt und eventuell auch rechtliche Klärungen herbeigeführt werden. Nach einer eventuell erfolgten Genehmigung bedürfe es dann noch einer Vorbereitungsphase. Als reine Bauzeit seien zweieinhalb Jahre veranschlagt.

Die grundsätzliche Frage, warum dieses Kraftwerk überhaupt und gerade hier, trotz enormer Eingriffe in die Natur und Gefahren für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde, notwendig sei, begründete der Geschäftsführer mit einer nachhaltigen, klimaschonenden Energieversorgung, fehlenden Zuleitungen zu den Windkraftanlagen im Norden Deutschlands, der Abschaltung von Atommeilern und langfristig auch von Kohlekraftwerken und einem erwarteten, drastisch ansteigenden Bedarf an elektrischer Energie.

Heftige Kritik kam auch von verschiedenen Grundstücksbesitzern, die sich nicht wirklich informiert fühlen und jetzt erst von der fast fertigen Planung erfahren, die bereits 2012 begonnen worden war. Thema war auch der Gesteinsabbau für den Triebwasserkanal, zu dem auch wertvoller Dolomit gehört. Reschen erklärte hierzu, dass für die Zwischenlagerung des Abraums eine Deponie beantragt werden müsse. Zudem könnte etwa der Dolomit zur Weiterverarbeitung an die Firma Schöndorfer geliefert werden, da diese dafür autorisiert sei.

Massiv wurde von Versammlungsteilnehmern hier kritisiert, dass es zum Abtransport des Gesteins über Jahre zu einer erheblichen Mehrbelastung der Gemeindebevölkerung durch Staub, Baulärm und den Lastwagentransport käme. Hier wurde massiver Widerstand seitens der Bevölkerung angekündigt und die Gemeinde aufgefordert, einen eindeutigen Beschluss gegen die Kraftwerkspläne zu fassen.

Ein Vertreter des Landesfischereiverbands Salzburg plädierte dafür, die letzten freifließenden Strecken der Saalach zum Wohl der darin lebenden Fauna nicht zu zerstören. Mit der Definition, dass die schönste Strecke der Saalach zwischen Lofer und dem Unkener Schwimmbad liege und dieser Bereich einen höheren landschaftsästhetischen Wert habe, als die dann entstehende Restwasserstrecke hier, hatte Reschen die ohnehin angespannte Stimmung bereits zu Beginn unnötig angeheizt. Dieser Auslegung widersprachen mehrere Redner massivst, da hier nicht nur wertvolle Natur, sondern ein wertvolles Naherholungsgebiet für Einheimische, Gäste, Wanderer, Freizeit- und Wassersportler zerstört würde.

Der Geschäftsführer sagte, dass für die geschätzten Baukosten von 56 Millionen Euro eine Mischfinanzierung aus Eigenkapital, Bankdarlehen und Hybridkapital vorgesehen sei und es jetzt schon viele interessierte Investoren gebe.

Bürgermeister Simon stellte abschließend die Position der Gemeinde dar. Demnach sei die Verwaltung etwa vor rund drei Jahren durch den vorherigen Betreiber informiert worden. Das Ansinnen der jetzigen Betreiber, dass die Gemeinde die Grundstücke für die Zufahrt erwerbe, sei nicht durchführbar, da dies ein rein privatrechtlicher Akt sei. Dies gelte auch für die Baustellenzufahrt. Vorrangig gehe es für die Gemeinde vorerst um den Schutz der Trinkwasserquelle. Die Stimmung fasste abschließend ein Versammlungsteilnehmer zusammen. Er forderte dazu auf, den Naturschutz für das Kleinod Saalach und die enorme Bedeutung als Naherholungsgebiet nicht einer möglichen Kapitalrendite unterzuordnen. wb