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»Anzeiger«-Reporter verfolgt Handtaschenräuber

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Kurz nachdem Christian Wechslinger diese Aufnahme gemacht hatte, ergriffen der Handtaschenräuber und seine Komplizin schlagartig die Flucht.

Berchtesgaden – Dem couragierten Einsatz von »Anzeiger«-Reporter Christian Wechslinger ist es zu verdanken, dass die Berchtesgadener Polizei gestern in Berchtesgaden einen Handtaschenräuber und seine Komplizin festnehmen konnte. Der Journalist hatte die Tat vor dem Hotel »Edelweiß« direkt mitbekommen, die Verfolgung aufgenommen, die Täter sogar fotografiert und die Beamten auf die richtige Spur geführt. Nun ermittelt die Kripo gegen den 27-jährigen Deutschen und seine 19-jährige slowakische Begleiterin.


Eigentlich wollte Christian Wechslinger an diesem Vormittag im »Anzeiger«-Archiv für seine Serie »Sportschätze« recherchieren. Doch ein Sportinterview auf der Terrasse des Hotels »Edelweiß« an der Maximilianstraße zog sich unerwartet in die Länge. Es war etwa 10 Uhr, als der Reporter an der nur 15 Meter entfernten Bushaltestelle eine Frau laut rufen hörte: »Meine Handtasche, meine Handtasche.« Ein kräftiger Mann hatte einer 71-jährigen Berchtesgadenerin die Tasche entrissen und flüchtete in Richtung Fischerbichl.

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Christian Wechslinger zögerte keine Sekunde und nahm die Verfolgung auf. In etwa 15 Metern Abstand heftete er sich an die Fersen des Flüchtenden. »Ich wollte zunächst nicht, dass er etwas merkt«, erzählt Wechslinger. Im Sunklergässchen meldete sich der Sportreporter – mittlerweile leicht außer Atem – in der »Anzeiger«-Redaktion und bat darum, schnell die Polizei zu verständigen. Die Kollegen handelten sofort, gaben in mehreren Telefonaten die Informationen Wechslingers an die Beamten weiter. Auch die Polizei reagierte prompt, schickte sofort mehrere Streifenwagen los und forderte sogar Verstärkung aus Bad Reichenhall an.

Wechslinger hatte hinter dem Räuber mittlerweile wieder den Weg bergauf in Richtung Alter Friedhof eingeschlagen. Dort dachte er zunächst, den Mann verloren zu haben. Doch zusammen mit Hans Wurm, der sich mittlerweile an der Verfolgung beteiligt hatte, erkannte er den Mann schließlich an der Aussegnungshalle. Eine Komplizin, erst 19 Jahre jung, hatte den 27-Jährigen dort mit neuem Gewand und einem Rucksack erwartet. Neu eingekleidet, hatte Wechslinger ihn zunächst übersehen. Die geraubte Handtasche war freilich schnell im Rucksack verstaut worden.

Als das Duo sich dann auf einer Bank an der Sonnenpromenade niederließ, beratschlagten Christian Wechslinger und Hans Wurm, was zu tun sei. Sie zeigten Courage und sprachen die beiden einfach auf den Raub an – in der Hoffnung, dass die Polizei bald auftauchen würde. Sogar ein gestochen scharfes Foto von den beiden gelang dem »Anzeiger«-Reporter noch. Nach kurzer Diskussion aber sprangen die Ertappten schlagartig auf und stürzten Hals über Kopf in Richtung Kinderspielplatz den Hang hinunter. Zwei Minuten später war die Polizei an Ort und Stelle.

Im Glauben, dass das Duo in Richtung Bahnhof gelaufen sei, machte sich die Polizeistreife mit den beiden Verfolgern auf den Weg dorthin. Ein weiterer hinzugezogener Beamter durchsuchte sogar einen zur Abfahrt bereitstehenden Zug. Mittlerweile dürften rund vier Streifenwagen im Einsatz gewesen sein, um die nähere Umgebung abzusuchen. Einer Besatzung liefen die Gesuchten dann direkt vor dem Hotel »Bavaria« im Sunklergäßchen über den Weg. Im Rucksack der beiden befand sich immer noch die Handtasche. Zwar fehlten aus der Geldbörse der 71-jährigen Eigentümerin 300 Euro. Das Geld konnte bei der Vernehmung auf der Polizeiwache aber bei den Festgenommenen sichergestellt und der Besitzerin zurückgegeben werden. Im Rucksack der beiden entdeckten die Beamten auch ein Klappmesser, wie Christian Wechslinger mit eigenen Augen beobachten konnte. Jetzt ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in dem Fall.

Für ihren couragierten Einsatz bekamen Christian Wechslinger und Hans Wurm höchstes Lob. »Das war schon eine tolle Sache. Wir bedanken uns ausdrücklich bei den beiden für ihr Engagement«, sagte Inspektionsleiter Andreas Heynig. Ulli Kastner