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»Arbeit mit der Natur und für die Natur – Begeisterung eint«

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Gute Stimmung beim Jubiläum: Nationalpark-Chef Roland Baier mit seinen Vorgängern Hubert Zierl und Michael Vogel sowie Umweltminister Marcel Huber. (Foto: Vietze)

Berchtesgaden – Der Nationalpark Berchtesgaden feierte am Mittwochabend sein 40-jähriges Bestehen im »Haus der Berge«. Bayerns Umweltminister Marcel Huber und seine Kollegin, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hielten die Festreden. Besonders die Zusammenarbeit des Nationalparks mit verschiedenen Partnern lobte Huber. Zu diesem Anlass wurde ein weiteres Abkommen unterzeichnet.


Nationalparkleiter Roland Baier konnte in seiner Begrüßung nicht oft genug betonen, wie wichtig der Nationalpark Berchtesgaden sei. »Die ersten Jahrzehnte bestanden aus Aufbau, Orientierung und Integration eines Nutzungsschutzgebiets«, blickte Baier zurück. Das Zulassen natürlicher Dynamik sei ein Schlüssel zum Erfolg. Außerdem habe der Nationalpark eine unverzichtbare Lern-Note.

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In einer Videobotschaft sprach Ministerpräsident Markus Söder seine Glückwünsche aus. Für Söder habe der Nationalpark Berchtesgaden ökologisch und kulturell einen hohen Stellenwert.

Der bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Marcel Huber, lobte ebenfalls diese Leistung. »Wir feiern die Pioniertat zum Erhalt des Nationalparks«, so Huber. 1978 wurde der erste und einzige Alpennationalpark Deutschlands gegründet. In erster Linie sei es die Errungenschaft der Menschen. Sie seien ihrem Herzen gefolgt. Vor diesen Leuten ziehe Huber seinen Hut.

Laut Huber sei das größte Risiko die Selbstverständlichkeit. Man müsse über große Würfe nachdenken. Mit der Gründung des Nationalparks haben die Mitbegründer einen großen Wurf gemacht. Bis heute sei das ein vorbildhaftes Beispiel.

Zudem müsse man die Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen. »Wir müssen die Natur für Menschen nahbar machen. Jedem sollte sie offen stehen«, sagte Huber. Das kollektive Bewusstsein sei in Berchtesgaden gelungen. Eine Umfrage zeigte, dass 91 Prozent der Bevölkerung hinter ihrem Nationalpark steht. Gerade wegen bestehender Herausforderungen wie Klimawandel und Artenschwund müsse man nicht nur der Vernunft, sondern auch dem Herzen folgen.

Michaela Kaniber sprach von einer einzigartigen Leistung. »Auf großer Fläche findet eine natürliche Entwicklung statt«, sagte sie. Naturnahes Schützen und Nutzen machten den Nationalpark so besonders. Zudem gebe es bezüglich Umwelt und Landwirtschaft einen gemeinsamen Gedanken. Der Erhalt ihrer Heimat sei ein wichtiges Anliegen.

»Natur Natur sein lassen«

Vor allem das Motto »Natur Natur sein lassen« zeuge von Feinsinn. Es finde ein sehr guter Wissensaustausch statt. Projekte würden unternommen, um den Schutzwald zu sichern, die Biodiversität zu fördern oder Arten zu schützen. Kaniber zeigte sich begeistert von der Kooperationsbereitschaft. Der Nationalpark habe eine enge Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten. Zudem seien Almbauern eine weitere Stütze für den Erhalt des Nationalparks. »Die Begeisterung eint«, so Kaniber.

In einer Interviewrunde sprachen Landrat Georg Grabner, Marktbürgermeister Franz Rasp, Alparc-Direktor Guido Plassmann und Europarc-Vorstand Guido Puhlmann von harter Arbeit und starken Zusammenhalt des Nationalparks. Grabner, der sich damals für den Nationalpark eingesetzt hatte, berichtete von einem spannenden Kreistagsbeschluss von 1977. »Damals hieß es: Wer Ja sagt zum Alpennationalpark, lässt sich auf ein Experiment ein«, so der Landrat. Das Experiment sei geglückt und mittlerweile ein Leuchtturm für das Berchtesgadener Land.

»Der Nationalpark wurde durch harte Arbeit verbessert. Man erarbeitete sich Akzeptanz über die Jahre«, betonte Franz Rasp. Für Plassmann ist der Nationalpark ein Aushängeschild, wenn es um Vernetzung geht. Durch die alpine Zusammenarbeit wachse der Nationalpark zusammen. Das werde sehr geschätzt. Puhlmann konnte sich Plassmanns Meinung nur anschließen.

Anschließend ehrte Marcel Huber die ehemaligen Nationalparkleiter Hubert Zierl und Michael Vogel. Zierl habe von 1978 bis 2001 Überzeugungsarbeit geleistet und unzählige Projekte ins Leben gerufen. Er sei für Naturschutz, Forschung und Bildung eingetreten. Vogel hingegen etablierte das »Haus der Berge«. Es sei mittlerweile ein Tourismus-Magnet. »Vogel bewies Ausdauer, unumstößlichen Humor und diplomatisches Geschick«, so Huber. Ohne Zierl und Vogel wäre der Nationalpark Berchtesgaden nie zu einer Weltmarke aufgestiegen.

Viele Hürden zum Erfolg

In einer weiteren Interviewrunde sprachen die Referenten über die Vergangenheit, Gegenwart sowie die Zukunft des Nationalparks. Christoph Himmighoffen, Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Bergwelt, erklärte die Geburtsstunde des Nationalparks. »Um 1900 wurde der Verein zum Schutze und Pflege der Alpenpflanzen gegründet«, so Himmighoffen. Man habe dabei das Innenministerium stark bekämpft. 1910 entstand der erste Pflanzenschonbezirk am Königssee.

Richard Mergner, Vorsitzender des Bundes Naturschutz, ergänzte Himmighofens historische Fakten. »Norddeutsche Investoren planten, als eine Art Kriegsverherrlichung in die Falkensteiner Wand am Königssee einen Assyrischen Löwen meißeln zu lassen«, erzählte Mergner. Das Projekt wurde jedoch verhindert.

Der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, Rudolf Erlacher, setzte die Entwicklungsgeschichte fort. »Ab den 1950er Jahren wollten Bergbahn-Investoren eine Seilbahn auf den Watzmann bauen. Sie missachteten das Naturschutzgebiet«, so Erlacher. Aktivisten konnten aber dieses Vorhaben unterbinden. BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel berichtete vom aktuellen Massentourismus.

Laut Roland Baier befände sich der Nationalpark in einer neuen Phase. »Wir müssen neue Aspekte vertiefen und die Lebensqualität steigern«, so Baier. Aus diesem Anlass plant der Nationalpark mit der Technischen Universität München die Brückenprofessur »Ökosystemdynamik in Gebirgsregionen«. »Wissenschaftliche Exzellenz und exzellenter Wissenschaftsraum führen zu Top-Ergebnissen«, so Huber.

Der Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann, sah viel Potenzial in diesem Projekt. »Die TU München möchte durch wissenschaftliche Technik bedrohte Arten erhalten, Erkenntnisse für Gebirgsgebiete gewinnen und diese Erkenntnisse für weitere Alpengebiete nutzbar machen«, so Herrmann. Zudem werde die Akzeptanz sehr groß sein. Huber und Herrmann unterzeichneten abschließend den Kooperationsvertrag für eine Brückenprofessur. Patrick Vietze