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Asylbewerber bestritt Messerangriff

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Justizia
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Foto: Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Mit einem Brotmesser soll der etwa 39-jährige Asylbewerber aus Uganda auf seinen 35-jährigen Mitbewohner aus Nigeria losgegangen sein. Warum es an diesem 24. Juli 2017 zu einem Streit in dem Teisendorfer Asylbewerberheim gekommen war, wurde am Laufener Amtsgericht nicht klar. Das Gericht war aber überzeugt von einer versuchten gefährlichen Körperverletzung und einer Bedrohung durch den Angeklagten. Strafrichter Martin Forster entschied auf eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten.


»Gott ist mein Zeuge«

»Mein Mandant gesteht«, sagte Rechtsanwalt und Pflichtverteidiger Jürgen Tegtmeyer gleich zu Beginn, »weitere Angaben können wir uns sparen.« Doch da machte der Mann aus Uganda nicht mit. »Ich kann niemand verletzen, ich bin doch kein Tier. Gott ist mein Zeuge«, rief er. Drei Zeugen am irdischen Gericht belasteten allerdings den Mann, der weder sein exaktes Alter noch seinen bisherigen Werdegang angeben konnte. Aggressiv und laut sei der Angeklagte an diesem Abend gewesen, berichtete der Nigerianer. Nach einem kurzen Disput soll der Mann aus Uganda mit einem langen Brotmesser aufgetaucht und mit den Rufen »I kill you« auf den Mitbewohner losgegangen sein. Zurückgehalten hatte den betrunkenen Angreifer ein 23-jähriger Nigerianer, der sich bei der Aktion selbst an der Hand verletzte. Das Angriffsopfer verständigte daraufhin das Landratsamt, das wiederum die Freilassinger Polizei an den Tatort schickte. Die fuhr mit drei Streifenwagen nach Teisendorf, nahm den Angreifer in Gewahrsam und stellte die Tatwaffe sicher.

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Für eine krankhafte seelische Störung bei dem Angeklagten sah Dr. Josef Eberl keinen Anhaltspunkt. Den Alkoholpegel von etwa 2,7 Promille zur Tatzeit mochte der Sachverständige aufgrund des ärztlichen Berichts nicht als schweren Rausch werten. Dass die Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit vermindert war, davon wollte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aber ausgehen.

Martin Forster wunderte sich darüber, dass die Staatsanwaltschaft eine weitere »zeitnahe« Tat wegbeschränkt, das Verfahren also eingestellt hatte. Der Angeklagte hatte dabei in Teisendorf auf offener Straße vor einem jungen Mädchen onaniert. Ob man nicht ein solches Verhalten als Hinweis auf eine kranke und abnormale Persönlichkeit sehen müsse, fragte der Richter den Gutachter, zumal der Angeklagte dazu ausgesagt habe: »Der Satan ist in mich gefahren.« Dr. Eberl mochte das jedoch eher mit dem kulturellen und religiösen Hintergrund des Mannes erklären.

Dreimal war der Asylbewerber aus Uganda in Deutschland schon verurteilt worden, zweimal wegen Erschleichung von Leistungen. In dieser Verhandlung entging der Angeklagte nur knapp einer Ordnungsstrafe, weil er mehrfach ungefragt die Zeugen unterbrach und dazwischenrief.

Staatsanwältin Mona Peiß sah den angeklagten Sachverhalt durch die Zeugen bestätigt und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Anders inzwischen die Sicht von Jürgen Tegtmeyer, der ja vorab ein Geständnis angekündigt hatte. Der Verteidiger bestritt zwar nicht das von den Zeugen geschilderte erhobene Küchenmesser, von einer Stichbewegung mochte er aber noch nicht ausgehen. Was bleibe sei die Bedrohung, die jedoch mit der verbüßten U-Haft von exakt sechs Monaten abgegolten sein müsse.

Der Richter entschied auf 14 Monate, weil er anders als der Anwalt die Schwelle zum »jetzt geht’s los« bereits überschritten sah, und daher die versuchte Körperverletzung verwirklicht. Forster überlegte, was wohl passiert wäre, hätte der junge Nigerianer nicht eingegriffen. Eine Bewährung sei in diesem Fall nicht zu begründen, und eine zu geringe Strafe könnte dazu führen, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen des Onanierens wieder aufnehme.

Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig

Jürgen Tegtmeyer riet seinem Mandanten, das Urteil anzunehmen, denn die bisher verbüßte U-Haft werde angerechnet. Bei guter Führung käme eine Entlassung nach verbüßter Zwei-Drittel-Strafe in Betracht, sodass der Ugander voraussichtlich nurmehr wenige Monate abzusitzen habe. Die Zeit bis zu einer Berufungsverhandlung könnte unter Umständen länger dauern. Das Urteil wurde im Gerichtssaal rechtskräftig. höf