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Hotel »Hochkalter« schließt wegen fehlender Brandschutzvorkehrungen – Bis zu 120 Asylbewerber möglich

Asylgesuch im Bergsteigerdorf

50 Zimmer, beste Lage: Die Regierung von Oberbayern hat großes Interesse am Ramsauer Hotel »Hochkalter«. Ein Nachbarschaftsstreit und der mögliche Absprung des Investors kommen ihr gerade gelegen. (Foto: Pfeiffer)

Ramsau – Auch, wenn Bürgermeister Herbert Gschoßmann während der Bürgerversammlung noch vorsichtig war mit seinen Aussagen: Hört man sich in der Ramsau um, dann wird schnell klar, dass das ehemalige Hotel »Hochkalter«, das an diesem Wochenende wegen fehlender Brandschutzvorkehrungen geschlossen werden musste, zur Unterkunft für Asylbewerber werden könnte. Die Regierung von Oberbayern hat nach Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« großes Interesse an dem ehemaligen Vorzeigehotel der kleinen Gemeinde. Gespräche mit dem Inhaber hat es bereits gegeben.


Es ist ein brisantes Thema – nicht nur für Bürgermeister Gschoßmann und seiner Gemeindeverwaltung, sondern auch innerhalb der Bevölkerung des 1 800-Seelen-Ortes. Bislang hat man mit dem Thema »Asylbewerber« wenig zu tun gehabt. Der Großteil der Asylsuchenden ist bislang auf die Nachbargemeinden Berchtesgaden, Schönau am Königssee und Bischofswiesen verteilt worden. Wohl auch, weil in der Ramsau geeignete Unterkünfte fehlten. Das könnte sich aber ändern. Das Alpen- und Wellnesshotel »Hochkalter«, direkt am Ramsauer Ortseingang gelegen, einen Steinwurf von der Tourist-Info entfernt, musste geschlossen werden. »Wegen fehlender Brandschutzvorkehrungen«, sagt Bürgermeister Gschoßmann. Seit rund einem Monat ist die Schließung in der Gemeinde bekannt, wie der Geschäftsleiter von Ramsau, Martin Willeitner, auf Nachfrage bestätigt. Geht es nach ihm – und vielen Ramsauern – soll das Hotel weiterhin Hotel bleiben. »Für den Ort ist das sehr wichtig«, sagt auch Gemeindechef Gschoßmann.

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Investor könnte abspringen

Fakt ist, dass der Brandschutz des Hauses erneuert werden müsste. Fakt ist aber auch, dass der jetzige Eigentümer das Objekt mit 50 Zimmern zu einer Wellness-Oase ausbauen lassen will. Einen geeigneten Investor gibt es bereits. Allerdings auch einen Nachbarn mit großen Einwänden gegen die Pläne des Hotelbetreibers. Aus Gemeindekreisen heißt es: »Es gibt einen Nachbarschaftskrieg.« Und solange dieser nicht beigelegt ist, stehen eventuelle Ausbaumaßnahmen in den Sternen. Es geht sogar so weit, dass der Investor in Aussicht stellt, seine Zusagen zurückzuziehen. Bedeutet: Eine Erweiterung zur Wellness-Oase, zum »Flaggschiff des Ortes«, wie es ein Lokalpolitiker kürzlich nannte, wäre gestorben.

Würde dieser Fall eintreten, stünden alle Türen offen für die Regierung von Oberbayern. Dort hat man großes Interesse am ehemaligen Hotel. Immerhin 4 000 Quadratmeter Nutzfläche. Entgegen der Aussage des Bürgermeisters, maximal 35 Personen dort aufzunehmen (Gschoßmann: »Das ist der rechnerische Zuteilungsschlüssel«), plant die Regierung in größeren Dimensionen. Geeignet ist das Haus wohl für bis zu 120 Personen. Bekannt ist auch, dass die Regierung von Oberbayern Objekte zu besonders guten Konditionen anmietet – auf lange Sicht. Für den Betreiber wäre das – zumindest finanziell gesehen – der Optimalfall. Gesicherte Einnahmen, mindestens zehn Jahre lang, der Brandschutz würde sowieso erneut werden.

Die Bürger sorgen sich

Auch, wenn sich die Nachricht in der Gemeinde wie ein Lauffeuer herumgesprochen hat, wurde während der Bürgerversammlung im Gasthaus »Oberwirt« viel getuschelt. »Das wäre der Untergang für die Gemeinde«, sagte ein aufgebrachter Bürger, der beim Ausgang des Saales stand, die Arme verschränkt. »Und das direkt am Ortseingang«, nörgelte er. Sein Nachbar pflichtete ihm bei. Natürlich ist es auch der große Wunsch der Gemeindeverwaltung, das Hotel weiterzuführen. Es ist eines der wenigen großen Häuser im Ort, die Schließung mitten im Zentrum kommt einer touristischen Katastrophe gleich. So deutlich möchte das natürlich keiner ausdrücken, hinter vorgehaltener Hand wird aber viel getuschelt.

Sensationelle Lage

Drei Objekte waren Bürgermeister Herbert Gschoßmann bislang als mögliche Asylbewerberunterkünfte angeboten worden. »Eines war zu abgelegen, bei einem war die Mietforderung zu hoch, beim dritten war es der Brandschutz.« Und beim Hotel »Hochkalter«? Da fehlt zwar auch der Brandschutz, allerdings ist die Lage, wenn es nach den Kriterien der Regierung von Oberbayern geht, sensationell. Mit den Planungen einer Wellness-Oase hat der Hotel-Betreiber bereits angekündigt, eine Hotelnutzung zu favorisieren. Dagegen spricht der »Nachbarschaftsstreit«, der ungeahnte Züge angenommen hat. Es geht dabei um Zufahrtswege.

Um eine mögliche Untersagung der Nutzung. Spätestens, wenn der Investor die Geduld verloren hat, ist auch das Hotelprojekt vom Tisch. Dann könnte die Regierung von Oberbayern zum Zug kommen. Kilian Pfeiffer