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Auf dem Triftplatz ist die Hölle los

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Viel Verkehr herrscht rund um den Triftplatz vor allem während der Sommermonate. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Wenn gar nichts mehr geht, ist der Triftplatz nicht weit. Das wissen nicht nur Einheimische, sondern auch jede Menge Urlaubsgäste.


Trotzdem ist der beliebte Einkaufs-Hot-Spot erste Wahl. Während der Urlaubszeit wird man auf eine Geduldsprobe gestellt. Mit Nerven aus Drahtseilen kommt man hier trotzdem ins Schwitzen. »Anzeiger«-Reporter Kilian Pfeiffer stürzte sich ins Getümmel.

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Der Vordermann weiß nicht wohin, der Hintermann wüsste es auch gern. Und dazwischen bin ich und würde auch am liebsten den Kreisverkehr am Bahnhof verlassen. Dass hier Stau ist, gehört mittlerweile zum Ortsbild. Es ist 17 Uhr, die Welt scheint vom Bürostuhl auf vier Räder umgestiegen zu sein. Und hier, am Knotenpunkt von Berchtesgaden, trifft sich alles. So, als gäbe es Weißwürste und Brezn umsonst.

Wer genau hinschaut, dem offenbart sich das Grauen aber recht schnell: Es gibt keine Weißwürste für lau, sondern einfach nur einen heftigen Parkplatzmangel. Jede Menge Nachfrager, aber kein Angebot. Die Folge: Verkehrsverstopfung par excellence, hin und wieder Hupkonzerte und wenig gut gelaunte Urlaubsgäste. Die besuchen gern den Königssee, den Tourismusmagneten Nummer eins. Dort parkt Gott und die Welt.

Der Triftplatz dürfte der Top-Urlaubsdestination gefühlt aber schön langsam den Rang ablaufen, wenn man sich den ganzen Verkehr mal ansieht. Die Fahrzeuge, die Stoßstange an Stoßstange in Schrittgeschwindigkeit auf dem Parkplatz einfahren, die Fahrer, die mit Argusaugen nach möglichen Parklücken spähen, um dann festzustellen, dass der Vordermann wieder mal etwas schneller war. Auch für die bedeutet der Triftplatz: Stress pur.

Michael Strewe ist 38 Jahre alt. Mit der Ehefrau und zwei Kindern hat er sich im Talkessel eine Ferienwohnung gemietet. Zum zweiten Mal ist er hier. Und von zu Hause viel Verkehr gewohnt. Beim Einkaufen möchte er aber seine Ruhe haben. Deshalb nerven ihn jetzt auch die Fragen des Reporters: Weil sein Einkaufwagen voll ist bis oben hin. Sein Audi ist noch ziemlich leer, der Platz begrenzt und überhaupt: Die Autoschlange hinter Michael ist furchterregend lang, der Stresspegel steigt. »Nicht schön«, sagt Michael, während er Brotaufstrich und Fertigpizza in seinen Wagen hebt. Die Kinder sind schon im Auto, quengeln ein wenig, seine Frau begutachtet Michael mit verschränkten Armen. Scheinbar ist es ihr unangenehm, dass jetzt noch Fragen gestellt werden. Aber, wenn nicht jetzt, wann dann? »Das nächste Mal fahren wir zum Einkaufen woanders hin«, sagt der 38-Jährige, der die Gegend »einmalig schön findet«. Der Verkehr sei ihm aber schon beim letzten Besuch unangenehm aufgefallen. »Viele Autos«, sagt er, »jeder will hier Urlaub machen.« Natürlich lässt er sich selbigen nicht vermiesen. Die letzte Packung Wurst landet im Audi.

Der Triftplatz, das ist eine Gegend für sich. Bevor man hier einkaufen konnte, war die Fläche frei, das Bierzelt stand hier zweimal pro Jahr, ansonsten gab es keinen Grund, herzukommen. Einwände gab es damals zuhauf, dort Supermärkte und eine Drogerie zu errichten, doch die Zahlen sprechen für sich. Die Geschäfte laufen gut. Die Inhaber sind zufrieden.

Anna auch. Sie ist Mitte 60, kommt alle Jahre mit einer Freundin nach Berchtesgaden und schätzt den Triftplatz, trotz Verkehrsdesaster. »Ich habe ja nur ein kleines Auto«, sagt sie. »Irgendwie bekomme ich immer einen Parkplatz.« Dass das manchmal mit längerer Sucherei verbunden ist, nimmt sie gern in Kauf. Apropos Kauf: »Hier bekommen wir alles, was wir zum Leben brauchen.«

Immer wieder hat es am Triftplatz kleinere Unfälle gegeben. Beim Ausrangieren oder weil der Nachbar dem Seitenmann die Autotür auf den Lack gedrückt hat. Wobei das anderenorts, wo viel Fahrzeugaufkommen herrscht, nichts anderes ist. So mancher Einheimische meidet den Triftplatz deshalb über die Sommermonate. »Das tue ich mir nicht an«, sagt ein Berchtesgadener, der das Fitnessstudio am Platz besucht: »Horror. Jedes Jahr das Gleiche.« Als Anna vom Einkaufen zurückkommt, parkt ein dicker BMW neben ihrem Corsa. Einsteigen? Unmöglich. Das sei ihr hier noch nie passiert, sagt sie, dann folgt ein Lächeln. »Ich komme trotzdem wieder.« Kilian Pfeiffer

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