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Auf dem Weg zum Erwachsenwerden

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Einfach weggehen und sein Leben selbst in die Hand nehmen, davon träumen pubertierende Jugendliche oft. Tina Ott aus Piding hat daraus einen Abenteuerroman gewoben und ihr Erstlingswerk kürzlich veröffentlicht. (Foto: Weichold)

Berchtesgaden/Piding – Geschichten erzählen ist seit Kindesbeinen an ihre große Leidenschaft. Schon in der Volksschule schrieb Tina Ott Heftchen voll, die sie für ein paar Pfennige verkaufte. Und jetzt hat die 50-Jährige endlich ihr erstes eigenes Buch herausgebracht. Seit 1. April ist das Erstlingswerk »Aufgestanden, ausgerissen, frei« beim Gmeiner-Verlag als E-Book erhältlich. Das Jugendbuch handelt vom 14-jährigen Pollo, der sich aus Ärger auf seine Familie vom Wimbachgrieß aus mit einer Freundin auf den Weg über die Alpen nach Italien macht. Eigentlich wollten die pubertierenden Jugendlichen damit das Verhalten der Erwachsenen ändern, in Wirklichkeit sind sie auf dieser abenteuerlichen Reise selbst gereift.


Tina Ott wollte ein Buch für Jungen schreiben. Und sie will mit ihrer Geschichte darstellen, dass junge Menschen oft die Leidtragenden der Entscheidungen Erwachsener sind. In ihrem Buch lehnen sich die beiden Hauptpersonen auf ihre eigene Weise dagegen auf.

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»Solange ich denken kann, habe ich Geschichten erfunden und geschrieben«, erzählt die zweifache Mutter. Ihre eigene Kindheit sei schön gewesen, sie wuchs in Piding auf, lebt dort immer noch. Ihr Vater hatte dort ein Holzschindelgeschäft gegründet, das später ihr damaliger Mann führte. »Ich habe als Kind viele Westerngeschichten geschrieben. Ich fand blöd, dass die Indianer in den Westerngeschichten immer verloren haben, bei mir waren die Indianer die Helden.«

Später erfindet die gelernte Schreinerin für ihre Kinder Gruselgeschichten auf Wandertouren, geht nicht ohne Schreibblock aus dem Haus, doch konkret wird die Idee nach einem eigenen Buch erst im Jahr 2000. Die Naturfreundin und Bergliebhaberin will die Handlung auf einer Alpenüberquerung spielen lassen und unternimmt diese deshalb erst einmal selbst im Jahr 2001. Vom Königssee aus geht sie zwei Wochen lang die 250 Kilometer bis ins italienische Moggio Udinese.

»Teilweise bin ich zwölf, dreizehn Stunden am Tag gegangen, das war schon anstrengend«, erinnert sie sich. Auf dem Weg begleiten sie immer die Gedanken nach dem Buch. »Die Abenteuer sind alle frei erfunden, doch der beschriebene Weg ist echt«, so Tina Ott weiter.

Mit dem Grundgerüst der Geschichte im Kopf setzt sich Tina Ott an den Computer, alles Weitere entwickelt sich während des Schreibens. Zwei Jahre dauert es, bis sie den Jugendroman zu Papier gebracht hat. Dann macht sich Tina Ott auf die Suche nach einem Verlag, der ihr Buch herausbringt.

Ein schwieriges Unterfangen, wie sie feststellen muss, jahrelang tut sich nichts. Bei den Chiemgau-Autoren – einem anfänglich losen Zusammenschluss heimischer Autoren und seit März als Verein eingetragen – lernt sie einen Literaturagenten kennen. Jetzt will sie Lesungen für 13- bis 16-Jährige abhalten, vielleicht an Schulen. Und natürlich dafür sorgen, dass ihr Buch bekannter wird. Bereits im Jahr 2012 gewann Tina Ott mit ihrer Kurzgeschichte »Maische, Mord und Müll« den Haidhauser Werkstattpreis. Übrigens schreibt die Pidingerin, die schon seit Jahren als Busfahrerin arbeitet, bereits an ihrem nächsten Roman. Es ist ein Krimi um einen Mord. Die ermittelnde Hauptperson: eine Busfahrerin. Tanja Weichold