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Auf den Spuren eines alten Brauchs

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Das Bierstacheln im »Bräustüberl« entwickelte sich seit dem Wiederaufleben des alten Brauchs der Brauerburschen und Schmiede zu einer wahren Kultveranstaltung und hat einen festen Platz im Jahreskalender vieler Berchtesgadener und ihrer Gäste. Auf dem Foto lassen sich gerade ein paar Gäste ihre Mass stacheln. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Zum 13. Mal wurde am Silvestertag im »Bräustüberl« Bier gestachelt. Das bedeutet, ein glühender Eisenstab wird in eine Mass gesteckt und verleiht so dem Bier einen besonderen Geschmack.


Martin Grois und Martin Nock, die beiden ersten Bierstachler, erzählen, wie der alte Brauch der Brauerburschen und Schmiede im Jahr 2005 wieder aufgelebt ist.

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Damals fragten Bräuhauschef Josef Stangassinger und Bräustüberl-Wirt Walter Bankhammer die beiden Bräuhaus-Mitarbeiter Martin Grois (den »Sappei«) und Martin Nock, ob sie sich vorstellen können, den alten Brauch des Bierstachelns wieder aufleben zu lassen. Da beide bei der Firma Fendt das Schlosserhandwerk erlernt hatten und hin und wieder auch am Schmiedefeuer eingesetzt waren, gab es vom Handwerklichen her keine Bedenken und die beiden machten sich sogleich an die Arbeit in der hauseigenen Schlosserei, die Schmiede zu aktivieren.

Flugs wurden aus einem Vierkanteisen mehrere Bierstachel herausgehauen. Diplombraumeister Klaus Hesselbach versorgte Nock und Grois mit ein paar Litern Bier, um das Stacheln im Eigenversuch zu testen. »Unsere erste Maß war noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber bald hatten wir den Dreh heraus«, erinnert sich Martin Nock. Da Martin Grois zu Hause eine mobile Schmiede hatte, brachten die beiden das neue Arbeitsgerät auf Vordermann und nahmen die guten Stücke ins Bräustüberl mit, wo weitere Testversuche problemlos verlaufen sind.

Schon früh am Silvestertag des Jahres 2005 strömten die Gäste ins »Bräustüberl« und der Bierstachel glitt mit drehenden Bewegungen ins kühle Bier. »Das Grinsen der Leute bleibt uns wohl für immer im Gedächtnis, als sie durch den warmen Schaum das karamellisierte Bier tranken«, erinnerten sich die beiden. Bereits zur Mittagszeit an Silvester war das ganze »Bräustüberl« gerammelt voll und die Gäste standen in Reihen vor den Bierstachlern, um ihrem Getränk die rechte Würze verleihen zu lassen. Ein Hufschmied aus Österreich präparierte Glücks-Hufeisen und verteilte sie an die Gäste. Zünftige Musikkapellen sorgten damals und über all die Jahre hinweg für einen stimmungsvollen Rahmen.

Über die Jahre wurde das Bierstacheln im »Bräustüberl« zu einer wahren Kultveranstaltung, bei der in jedem Jahr die Stammgäste anwesend sind und immer wieder neue Probanden hinzukommen. So war es auch an diesem Silvester. »Wir sind stolz darauf, den alten Brauch wieder entdeckt zu haben. In altbewährter Tradition führen unsere jungen Nachfolger das Bierstacheln fort und sorgen dafür, dass dieser Brauch nicht in Vergessenheit gerät«, freut sich Martin Nock, der es inzwischen jedoch vorzieht, den Silvestertag mit einer Skitour zu krönen. cw