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Auf der Suche nach dem Hochsitz-Dieb

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Wer den Hochsitz findet, bekommt einen Finderlohn. (Fotos: Pfeiffer)
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Erst seit 20 Jahren geht Degenhart Angerer auf die Jagd. Er hat bereits viele schöne Jagderfolge auf seiner metallenen Eigenkonstruktion genossen.

Berchtesgaden – Der selbst gebaute Hochsitz war für Degenhart Angerer immer ein besonderes Stück. Immerhin hat er diesen mühsam und in vielen Stunden konstruiert. Den Hochsitz hat Angerer immer dann genutzt, wenn er mal wieder auf die Jagd ging. Jetzt ist der Hochsitz aber weg. Und Angerer dazu bereit, einen ordentlichen Finderlohn zu zahlen, wenn er das Unikat wieder zurückbekommt.


Weit droben, zwischen der Verbindung von Roßfeld- und Kehlsteinstraße, hatte Degenhart Angerer seinen Hochsitz installiert. Von dort verschwand er auch vor einigen Tagen. »Den muss einer mitgenommen haben«, sagt er. Bei der Suche blieb er bislang erfolglos. Das Prinzip des Hochsitz-Eigenbaus, erdacht für die Jagd, ist einfach: Eine lange Leiter, silberfarben. Auf die Sprossen, die normbedingt die gleichen Abstände aufweisen, wird ein eigens hergestelltes Metallkonstrukt gesetzt. In dieses verbaut ist ein alter Gartenstuhl, der als Sitzgelegenheit dient. »Das Bauen hat viel Zeit erfordert«, sagt Degenhart Angerer, 73 Jahre alt. Erst mit 53 Jahren hat er seinen Jagdschein gemacht. Seine Brüder sind schon viel länger Jäger. Oft war er mit ihnen auf der Jagd, hat für sie Hochsitze gebaut. Weil er Spaß daran hatte – und die handwerklichen Fähigkeiten. »Irgendwann wollte ich dann aber selbst meinen Schein machen«, erzählt Angerer, der in Österreich geboren wurde und dort seine Lehre als Metallbauer absolviert hat.

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Die Hochsitze baute er nun also auch für sich. So auch das metallene Modell, von dem er noch ein baugleiches Exemplar als Anschauungsobjekt zu Hause hat. »Der Vorteil ist, dass man den Hochsitz nicht an den Baum nageln muss. Es reicht aus, wenn man ihn mit einem Spanngurt am Stamm befestigt.« Das Besondere an »seinem« Sitz ist, dass er speziell für Linkshänder konstruiert wurde. Denn Degenhart Angerer ist Linkshänder. »Das wusste der, der ihn mitnahm, aber höchstwahrscheinlich nicht.«

Im Grunde kann ein Rechtshänder damit nicht viel anfangen, außer, er ist selbst Metallbauer. »Es gibt einfach Leute, die können alles brauchen«, ärgert sich Angerer im Nachhinein. Um zu demonstrieren, wie sein Eigenbau funktioniert, holt er hinter der Garage eine lange Leiter. Hoch geht es über das Feld, gegenüber dem Kederlehen, über Berchtesgaden gelegen, in Richtung eines mächtigen Baums. Der eigentliche Hochsitz wird auf der Leiter befestigt. Das nun rund vier Meter lange Teil wird an den Baum gelehnt. Je nach Leiterlänge kann der Hochsitz auch deutlich größer ausfallen. »Von dort oben hat man einen perfekten Ausblick«, sagt Degenhart Angerer mit einem Lächeln. Früher war er gern in den heimischen Bergen unterwegs. »Da gibt es keinen einzigen, auf dem ich noch nicht war.« Also kommt ihm das Jagen gelegen. Seinen Hochsitz würde Angerer gerne wiederbekommen. »Ich warte jetzt so lange, bis die Schwammerlsaison beginnt.« Denn die Pilzsucher kämen auch dorthin, wo sonst keiner unterwegs ist. Dennoch bleibt Degenhart Angerer realistisch. »Wahrscheinlich werde ich meinen Eigenbau nicht mehr sehen«, sagt er. Der, der ihn aber findet, bekommt in jedem Fall einen schönen Finderlohn. Kilian Pfeiffer