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Auf der Zielgeraden zur Ziegenhaltung

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Von Büschen befreit: Schönaus Gemeindebaumeister Hans Brüggler (l.) und Dr. Peter Loreth von der Biosphärenregion inspizieren den Hanauerstein. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Die Gemeinde Schönau am Königssee will den Hanauerstein wieder so präsentieren, wie er früher einmal war (wir berichteten). Dazu sollen dort mehrere Bündner Strahlenziegen angesiedelt werden. Mit einer Mission: fressen, fressen, fressen. Der erste Schritt zur Ansiedlung ist jetzt macht. In etwa sechs Wochen sollen die Tiere kommen.


Die Idee stammt von Dr. Peter Loreth von der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Die Gemeinde Schönau am Königssee war sofort davon begeistert. Zwischen fünf und zehn sogenannte Bündner Strahlenziegen sollen ab Mitte Mai den Bereich zwischen Klettersteig und Kindergarten sowie das kleine Plateau, auf dem der Schützenkaser steht, bevölkern. Dort haben die Tiere einen klaren Auftrag: Landschaftspflege. Was für die Ziegen kein Problem ist. Denn dazu müssen sie nicht viel tun. Nur fressen und klettern. Und beides können die Kraxler ziemlich gut. Diese Ziegen gelten als gelassen und absolut wetterfest. Sind also perfekt geeignet für den Extremstandort Felsrücken, der zu einem Kulturbiotop werden soll.

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»Wir möchten den Hanauerstein herzeigen«, erklärt Hans Brüggler. Und das geht besser, wenn er nicht zugewuchert ist. Auch die Herstellung des früheren Zustandes findet die Gemeinde erstrebenswert. Denn der Hanauerstein war traditionell ein durch Beweidung offen gehaltener Felsrücken. »Am Hanauerstein gab es früher Weiden«, sagt Brüggler. Was Dr. Loreth wissenschaftlich beweisen kann: »Dort oben gibt es Wacholder und Magerrasen. Ein sicheres Zeichen für eine ehemalige Weidehaltung.« Auch auf alten Fotos ist die Beweidung erkennbar.

Dr. Peter Loreth führt noch einen weiteren Aspekt an. »Bei einer Beweidung besteht eine geringere Steinschlaggefahr.« Denn die Wurzeln von Bäumen und Stauden bohren sich in den Felsen. Die von Gräsern nicht. Würde man die jetzigen Gewächse freischneiden, würden sie schnell wieder nachwachsen. »Denn dann würden sie mehr Licht abbekommen, was das Wachstum beschleunigen würde«, weiß der Gemeindebaumeister. Nicht aber, wenn die Ziegen aktiv werden. »Dann gehen die Pflanzen früher oder später ein«, erklärt Dr. Loreth.

Inzwischen ist der entsprechende Bereich am Hanauerstein freigelegt, also die Stauden maschinell zugeschnitten. Alles andere erledigen dann die Ziegen. Die sollen aber erst Mitte Mai angesiedelt werden. »Schließlich brauchen die was zu fressen«, erklärt Brüggler. Als nächster Schritt ist jetzt die Umzäunung der Koppel an der Reihe. Außerdem müssen Fördergelder beantragt werden. Bis zu 70 Prozent könnten vom Freistaat Bayern kommen. Christian Fischer