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Mit dem Smartphone-Sensationserfolg »Pokémon Go« kann man auch im Berchtesgadener Talkessel auf die Suche gehen

Auf Monsterjagd im Markt und am Böcklweiher

Dieses Pokémon tauchte gestern plötzlich in der »Anzeiger«-Redaktion auf und setzte sich auf den Schoß von Redakteur Christian Fischer. (Foto: Rothenbuchner)

Berchtesgaden – Die Smartphone-App »Pokémon Go« ist derzeit in aller Munde. Wenige Tage nach Veröffentlichung hat das kostenfreie Spiel Millionen Nutzer gefunden. Der Hype ist auch im Berchtesgadener Talkessel angekommen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« begab sich auf die Suche nach Pikachu und Co.


Da drüben sitzt es. Direkt zwischen Altem Friedhof und frisch renoviertem Kongresshaus. Im Entfernten erinnert das Wesen an einen Elefanten: Gelber Rüssel, brauner Unterleib, es hüpft wild auf und ab und hört auf den Namen Traumato. Jetzt gilt es, nur noch das Smartphone auf Traumato zu richten und einen Poké-Ball zu werfen. Augmented Reality in Perfektion, sozusagen. Das possierliche Tierchen existiert lediglich virtuell, es ist nur in die reale Welt projiziert und nur für denjenigen zu sehen, der im Besitz eines Smartphones mit der App »Pokémon Go« ist. Allerdings ist die Jagd nach dem Rüsselwesen schwieriger als angenommen. Traumato ist flink, es hüpft hin und her, plötzlich ist es verschwunden. Die Jagd war erfolglos.

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Spielwelt und reale Welt vermischen sich

Die Pokémon sind ein Phänomen der 90er-Jahre. Ersonnen für den Videospiel-Hersteller Nintendo, der damit im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte deutlich über 200 Millionen Spiele für den Game Boy und weitere Konsolen veröffentlicht hat. Das Pokémon-Phänomen gab es bereits in den 90er-Jahren. Ob Pokémon-Bettwäsche, Plüschtiere, Fernsehserien oder Kleidung – überall waren die kleinen Wesen, von denen es mittlerweile über 700 Stück gibt, vertreten. Die heutigen Mitt-Dreißiger sind mit den Pokémon aufgewachsen, nun ist das Phänomen von einst zurück – und es fühlt sich vergleichbar mit damals an.

Der Spielekonsolen-Hersteller Nintendo hat die Pokémon das erste Mal auf Smartphones gebracht und dank Augmented Reality in die reale Welt. Der Erfolg, der sich aktuell zeigt, ist gewaltig. »Pokémon Go« bezieht die tatsächliche Umgebung in die Spielwelt mit ein, nutzt gleichzeitig die GPS-Standort-Erkennung und erweitert dadurch die Realität. Zu sehen ist das alles auf dem Display des eigenen Smartphones. Um die virtuellen Wesen einfangen zu können, die überall in der Welt, auch in Berchtesgaden, lauern, muss man raus in die Echtwelt. Vergleichbar mit Google Maps bewegt sich die eigene Spielfigur über Straßen und Plätze, vorbei am Hotel »Edelweiß«, durch den Markt, hinter zum Schlossplatz. Schaltet man als Nutzer der App die Smartphone-Kamera ein, erscheinen die Pokémon auf dem Display – eingeblendet in die reale Umgebung.

Die Spielfigur, die man durch die virtuelle Echtwelt navigiert, ist in diesem Fall ein junger Mann mit Rucksack. Plötzlich signalisiert das Handy, dass ein weiteres Pokémon in der Nähe aufgetaucht ist. Ein Taubsi, ein Vogelwesen, das mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen kann. Das Taubsi sitzt in der Nähe des Weihnachtsschützenplatzes. Jetzt heißt es: Smartphone ausrichten und Pokéball werfen. Ein Wisch über das Display reicht aus, um den Ball, der das Tier einfangen soll, wegzuschleudern. Der erste Wurf geht daneben, der zweite ist ein Volltreffer. Taubsi ist jetzt gefangen.

Die Faszination der App ist das Jagen und Sammeln, die Verbindung der Fantasiewelt mit der Wirklichkeit. Erst vor knapp einer Woche ging die Smartphone-App an den Start, mittlerweile haben diese rund 15 Millionen Nutzer runtergeladen. Seit Mittwoch ist die virtuelle Jagd auch in Deutschland veröffentlicht worden und verbreitet sich explosionsartig. Für Nintendo bedeutet die erste Pokémon-App überhaupt einen Sensationserfolg. Das Spiel führt die weltweiten Appstore-Downloadcharts an, der Börsenwert des Unternehmens stieg von einem auf den anderen Tag um 10 Milliarden Euro.

Plötzlich signalisiert das Smartphone, dass sich ein weiteres Pokémon in der Nähe befindet, unweit des Marktbrunnens, angelockt von einem Lockmodul, das wohl ein anderer Nutzer der App ausgelegt hatte. Überall in Berchtesgaden erscheinen auf dem Smartphone-Display sogenannte Pokéstops. Das sind Punkte, an denen man kostenlos weitere Pokébälle erhält, die wiederum notwendig sind für die Jagd nach den Wesen, von denen es im Spiel mehrere Hundert verschiedene gibt.

Die Pokémon-Arena beim Böcklweiher

In Bischofswiesen, in der Nähe des Böcklweihers, erwartet lauffreudige App-Nutzer eine Pokémon-Arena, in der die kleinen virtuellen Wesen gegeneinander antreten können. Mit Wasserattacken, Feuer und Blitzen können sich hier verschiedene Spielerteams duellieren. Natürlich haben die Jäger und Sammler schon vorausgedacht und verabreden sich mittlerweile über Facebook – vor allem in größeren Städten – zur gemeinsamen Jagd. In Salzburg gibt es mittlerweile einen Pokémon-Treff, dort grassiert das Jagdfieber seit dieser Woche ebenso. Gemein haben die Spieler alle, dass sie besser werden, im Level steigen wollen um die eigene Sammlung der Pokémon nach und nach zu vervollständigen. Das Pokémon-Fieber grassiert mittlerweile so extrem, dass große Museen in den USA die App verbieten lassen, da Dutzende Spieler dort auf die Jagd gehen. In Berchtesgaden ist der Hype noch überschaubar.

Selbst wer das Smartphone im Auto mitnimmt, ist vor Pokémon nicht sicher. Überall am Straßenrand erscheinen die kleinen Wesen, fordern den Spieler indirekt auf, das Auto zu parken und auf die Jagd zu gehen. In der Stanggaß sitzen sie gegenüber dem Hotel »Geiger« in der Wiese, in Bayerisch Gmain lassen sich nochmals ein paar Pokébälle nachfüllen, ehe es weiter nach Bad Reichenhall geht. Angekommen an der Alten Saline vibriert wieder das Handy. Ein Traumato erscheint. Jenes Pokémon, das in Berchtesgaden noch die Flucht ergriffen hatte. Ein Wisch über das Display reicht aus, der Pokéball fliegt, trifft das Tier. Der hat gesessen. Traumato gehört jetzt mir. Kilian Pfeiffer