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Auf Motivsuche in der heimischen Natur

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Absolute Stille auf dem Königssee spiegelt das Dezemberblatt im Nationalparkkalender 2015 wider. Foto: Hans Stanggassinger
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Hans Stanggassinger von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden kümmert sich seit über 20 Jahren um die Bilder für den jährlichen Nationalparkkalender. Auch in der Ausgabe 2015 finden sich wieder Momentaufnahmen, auf die der Berchtesgadener besonders stolz ist. Foto: Anzeiger/Irlinger

Berchtesgaden – In Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden präsentiert der Verlag des »Berchtesgadener Anzeigers« den Nationalparkkalender 2015. Während sich der Verlag um die Gestaltung und den Vertrieb des Kalenders kümmert, sorgte Hans Stanggassinger von der Nationalparkverwaltung wiederum für das ausdrucksstarke Fotomaterial.


Hans Stanggassinger ist mittlerweile seit über 20 Jahren unterwegs, um Jahr für Jahr einzigartige Naturbilder für den Nationalparkkalender zu liefern. Obwohl Berchtesgaden unzählige bekannte Motive wie die Ramsauer Kirche oder St. Bartholomä für eine Kalendergestaltung bereithält, zieht es den Nationalparkmitarbeiter geradezu magisch in die Natur. Dafür nimmt der Berchtesgadener Fotograf einiges auf sich, das Schleppen seiner Ausrüstung – egal ob im Talkessel oder hoch oben im Gebirge – gehört somit zu seinem täglichen Brot. Schließlich wäre der Ärger groß, wenn bei Bedarf ein Teleobjektiv oder dergleichen fehlen würde.

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Das Ergebnis seiner Touren sind einzigartige Naturaufnahmen, so auch das Februarmotiv im Kalender 2015: Schneerosen im letzten Sonnenlicht an einem Spätnachmittag im Februar. »Ich bin oft hingegangen, um das Zusammenspiel zwischen Sonne, blühender Pflanze und den letzten Schneeresten zu erwischen.« Der Berchtesgadener Ausdruck »Schneekada« kommt übrigens von der heiligen Katharina am 25. November. »Es ist der früheste Zeitpunkt, an dem Schneerosen blühen können«, so Hans Stanggassinger.

Der schwierigste Monat für ein Kalenderblatt ist für den Nationalparkmitarbeiter der April. »Es liegt oft kein Schnee mehr auf den Bäumen, Pflanzen und Bäume sind aber trotzdem noch braun.« Stanggassinger stellt für jeden Monat rund vier bis fünf Bilder zur Auswahl, welches Motiv letztendlich für den jeweiligen Monat aber ausgesucht wird, entscheiden Verleger Thomas Miller und Betriebsleiter Erwin Melzl von der Druckerei des »Berchtesgadener Anzeigers«. Für das schwierige Aprilmotiv fiel die Entscheidung auf einen sogenannten »Stelzenbaum«, ein neuer Baum, der auf Totholz entsteht. »Fichtensamen fällt auf einen vermoderten Stock und setzt Wurzeln an, die durch den Stock ins Erdreich wachsen.« Besonders deutlich zeigen sich auf dem Motiv auch die grün-grauen Flechten, welche extreme Lebensräume wie Gesteine, Baumborken und Totholz bewachsen. »Flechten sind hochsensible Umweltzeiger, das heißt, Indikatoren für saubere Luft«, weiß der Naturexperte.

In den Sommermonaten sticht das Juni-Kalenderblatt hervor, ein altes Berchtesgadener Bauernhaus im Hochgartdörfl in Bischofswiesen. Fasziniert haben dabei den Fotografen vor allem die beiden Sternentüren übereinander, das einfach geflochtene Schmiedeeisengitter vor den Fenstern und das kleine typische »Hausgangsguckerl«. Darüber hinaus lassen die typischen Farben grün-weiß und das »Tischmännchen« neben der Haustüre an alte Zeiten zurückerinnern. Die satten grünen Wiesen rund um das alte Bauernhaus bilden für den Nationalparkmitarbeiter eine Symbiose aus Natur sich selbst überlassen und pfleglicher Umgang mit Natur.

Der Blick vom Viehkogel zum Watzmann ziert das Oktoberblatt. »Es ist ein Traumplatz, dort trifft man fast keinen Menschen. Zugleich ist es der südlichste Punkt von Deutschland und mitten in der unberührten Natur des Nationalparks Berchtesgaden.«

Wäre der sogenannte »Aschauerplan« in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts umgesetzt und die Kleine Reibe zu einem Skigebiet umgestaltet worden, wäre Stanggassinger das Novembermotiv, die Priesbergalm mit dem Ottenkaser und Schusterbistlkaser, verwehrt geblieben. Besonders die Lichtverhältnisse und die leicht mit Schnee überzuckerten Almwiesen dokumentieren einen unwiederbringlichen Moment. Weihnachtliche Stille in der Natur demonstriert das Dezemberfoto. »Das Bild ist in einer traumhaften Mondnacht während einer Stille-Nacht-Lesung auf St. Bartholomä entstanden«, erinnert sich Hans Stanggassinger. Der Königssee wird diesmal aus einer anderen, seltenen Perspektive gezeigt, nämlich von hinten nach vorne. Durch eine Wolkendecke schimmert das Mondlicht, einziger Orientierungspunkt ist ein kleines rotes Licht am Malerwinkl. »Es war wirklich kein Mensch mehr unterwegs«, so der Fotograf in Erinnerung an den einzigartigen Moment, »es herrschte einfach Ruhe pur in der Natur.« Caroline Irlinger