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Aufruhr statt Ruhe

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Helga Buchner vor ihrem Haus, vor dem nach den Festabenden beim Marktschellenberger Kirtag von unvernünftigen auf Taxis wartenden Besuchern ein Zaun zerstört wurde und weitere Sachschäden verursacht worden sind. (Foto: Wechslinger)

Marktschellenberg – Das Ehepaar Buchner hat wirklich nichts gegen den traditionellen Kirtag. Gegen die Rüpel, die in den Nächten direkt vor ihrem Haus ihr Unwesen getrieben haben, allerdings schon. Bis vier Uhr in der Früh haben die Vandalen auf dem Marktplatz gewütet. Den Zaun der Buchners kaputt gemacht, Verkehrsschilder durch die Gegend geworfen, wild herumgepinkelt und die Blumenpracht zerstört.


Irgendwie ist es nicht mehr wie früher. Helga Buchner hat schon länger bemerkt, dass sich das Verhalten der Besucher verändert hat. Vor allem nach den Festtagen würden einige Besucher ihre guten Manieren vergessen. »Im Festzelt ist es völlig gesittet zugegangen. Was man jedoch beim Nachhauseweg mehrerer Besucher nicht sagen kann«, ärgert sich Helga Buchner. Immer wieder hätten sich »Spätheimkehrer« vor ihrem Haus zusammengerottet und durch Grölen und Zerstörungen auf sich aufmerksam gemacht. Bis fast um vier Uhr sei die Nachtruhe der Buchners und sicher auch anderer Anwohner empfindlich gestört worden. »Wir konnten nicht schlafen, weil wir Angst um unser Hab und Gut hatten«, so Helga Buchner. Als die Buchners die kommerziellen Sicherheitskräfte um Hilfe baten, entgegneten diese, dass sie nur für den Festzeltbetrieb verantwortlich seien und aus versicherungstechnischen Gründen gar nicht in andere Bereiche eingreifen dürften.

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Für sie ist der Grund für die Randale klar. Es gibt beim Kirtag einfach viel zu wenig Taxis. »Die Taxibetreiber wissen doch, dass Kirtag ist. Warum kommen sie da nicht in größerer Zahl. Es ist ja natürlich, dass Betrunkene Blödsinn anstellen, wenn sie sich in großer Zahl zusammenrotten«, so die verärgerte Anwohnerin. Die Buchners vermissen bei derartigen Großereignissen auch Großraumtaxis, die gleich einen Schwung von Besuchern mitnehmen können. »Da werden doch die Autofahrer dazu ermutigt, selbst zu fahren«, prangert Helga Buchner an.

»Zu solch einem Fest gehört doch auch ein sicherer Abtransport der Besucher«, finden die Buchners. Die Gemeinde Marktschellenberg verweist darauf, dass die Musikkapelle Marktschellenberg das Fest organisiert habe und auch das »Außenrum« in deren Zuständigkeit falle.

Der Festorganisator und Kapellmeister der Marktschellenberger Musik, Florian Kranawetvogl, sieht ebenfalls in zu wenigen Taxis das Hauptproblem. Die Taxibetreiber distanzieren sich jedoch von diesen Vorwürfen. »Wir sind mit bis zu zehn Taxis die ganze Nacht durchgefahren und wir haben ja nicht nur die Besucher des Kirtages. Sehr viele Festbesucher haben wir nach Österreich oder auch in entlegene Berchtesgadener Gegenden gefahren, da kommt es halt zu Wartezeiten. Was sollen wir denn machen, man sagt uns ja nichts. Es hätte ja auch sein können, dass der Veranstalter Busse zum Heimtransport der Besucher einsetzt, dann hätten sich einige von uns umsonst die Nacht um die Ohren geschlagen«, ärgern sich die Taxifahrer Gerd Göbel und Ludwig Griesbacher. Christian Wechslinger