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Aus der »brutalsten Baustelle« wird ein Schmuckstück

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Haben dem Bahnhof neues Leben eingehaucht (v.l.): Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, der Unternehmer Klaus Satra und Bahnhofseigentümer Ralph Müller im neuen »Bayrish Pub«. (Fotos: Kastner)
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Vier Kegelbahnen, die auch für die Austragung von Turnieren geeignet sind, stehen jetzt im Bahnhof zur Verfügung. Kinder können auf Mini-Bahnen (links hinten, verdeckt) erste Versuche starten.
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Der Bowlingsport hat höchste Zuwachsraten. Wer einen Versuch wagen will, der kann dies nun im Bahnhof tun.
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Pater Kajetan und Unternehmer Klaus Satra in der »Watz-Alm«. Der Veranstaltungssaal bietet Platz für 60 Personen.
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Mittels einer Stahlträgerkonstruktion wurden die Räumlichkeiten für das Bowling- und Kegelcenter geschaffen.

Berchtesgaden – Für Klaus Satra war es die »brutalste Baustelle« in seiner langen Karriere als Unternehmer. Seit Anfang Juli liefen die Arbeiten im östlichen Teil des Bahnhofs, wo mit immensem Aufwand auf insgesamt 1 200 Quadratmetern das Kegel- und Bowlingcenter »Alpen-Bowling«, ein »Bayrish Pub« und der Veranstaltungssaal »Watz-Alm« entstanden sind. Am Donnerstag fanden sich über 100 Gäste zur großen Eröffnungsfeier ein. Und alle freuten sich, dass aus dem ehemals verwahrlosten Bahnhofsgebäude seit dem Ankauf durch den Investor Ralph Müller nach und nach ein Schmuckstück geworden ist.


Die Handwerker haben laut Klaus Satra beste Arbeit geleistet. Wochenlang hatten sie zumeist von morgens 6 Uhr bis Mitternacht gewerkelt, zuletzt sogar die ganze Nacht hindurch. Fast war man zum Eröffnungstermin fertig geworden. Nach Putzaktionen in letzter Minute waren nur die beiden Kinderkegelbahnen im Obergeschoß noch nicht ganz vollendet.

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Das Geschaffene beeindruckte die Besucher am Donnerstag enorm. Vier Bowlingbahnen, genauso viele Kegelbahnen und zwei Bahnen für Kinder stehen dort ab sofort der sportlichen Öffentlichkeit zur Verfügung. »Es ist die modernste Anlage weit und breit. Deshalb hoffen wir auch auf Besucher aus der Traunsteiner und Salzburger Gegend«, sagte Klaus Satra bei der Eröffnung.

Freude beim Bowlingsportverein

Ganz sicher regelmäßig trainieren werden auf den neuen Bowlingbahnen die Mitglieder des Bowlingsportvereins Berchtesgaden, für die dieses Projekt ein Glücksfall ist. »Seit rund acht Jahren haben wir uns vergeblich um einen Standort für eine neue Bowlinganlage bemüht«, sagte Hans Kortenacker dem »Berchtesgadener Anzeiger«. In den letzten Monaten hatte man bei dem Projekt beratende Hilfe geleistet. Durch die optimalen Trainingsbedingungen hofft der in der Salzburger Liga spielende Verein nun auf einen kräftigen Mitgliederzuwachs. Und womöglich wird man schon in der nächsten Spielsaison wieder in einer deutschen Liga antreten. Das passt gerade zum 50-jährigen Bestehen des BSV. Ligaspiele wird man im Bahnhof allerdings nicht absolvieren können, dafür ist der sogenannte Schnürlautomat, der die Pins wieder aufstellt, nicht zulässig. Der ist allerdings, das erklärte Experte Hans Kortenacker der Lokalzeitung, weniger anfällig für Defekte als der sonst übliche Stellautomat.

Weil es im Obergeschoß darüber hinaus vier neue Kegelbahnen gibt, freuen sich auch die Sportler vom Sportkegelclub Bischofswiesen. Sie wollen ihr Training nun abwechselnd in Bischofswiesen und im Bahnhof absolvieren. Zu seinen Ligaspielen kann der SKC künftig auf die Anlage im Bahnhof einladen.

Stahlträger überspannen frühere Terrasse

Beeindruckend ist die Konstruktion, mit der erst die Möglichkeit zum Einbau der Bowling- und Kegelbahnen geschaffen worden war. Über der früheren Dachterrasse, die bislang ein Schwachpunkt war, weil Wasser hindurchsickerte, stützen massive Stahlträger die neu geschaffene Überdachung. Große Fensterflächen ermöglichen beim Freizeitsport den Blick nach Süden und Norden.

Im Erdgeschoß, wo sich früher das abr Reisebüro befunden hat, ließ Klaus Satra ein »Bayrish Pub« für bis zu 100 Gäste einbauen. Hier begrüßte am Donnerstag die »Rotofenmusi« die Gäste. Die Schreibweise »Bayrish Pub« hatte Satra absichtlich gewählt. Zwar hat die Einrichtung mit viel Holz, dekorativen Landwirtschaftsgeräten und einem beleuchteten Watzmann samt versteinerter Familie im Hintergrund eher bayerischen Charakter, doch immerhin kann der Irland-Fan hier auch Guinness trinken. Das taten manche auch, die meisten aber leerten das Fass Hofbrauhaus-Bier, das Klaus Satra zusammen mit Hofbrauhaus-Vertriebsleiter Werner Bauer angezapft hatte.

»Der Denkmalschutz war bei den Umbauarbeiten eine große Herausforderung«, sagte Klaus Satra in seiner Begrüßungsansprache. Schließlich hatte man Wirtschaftlichkeit, Gästezufriedenheit und Brandschutzanforderungen berücksichtigen müssen. Satra verwies auf die ins Auge stechende Trägerdecke, die sich auftat, nachdem man die früher abgehängte Decke beseitigt hatte. »Sie sieht gut aus und bricht den Schall«, erklärte der Unternehmer den Festgästen und stellte offiziell seinen Betriebsleiter Sebastian Dudas vor.

Satra zeigte den Gästen nach der kirchlichen Weihe durch Pater Kajetan auch die im Zwischengeschoß befindliche »Watz-Alm«, die über eine Treppe oder einen Lift erreicht werden kann. Der Raum bietet bis zu 60 Personen Platz und kann für Vereinsveranstaltungen und Feiern angemietet werden. Beamer und digitale Technik stehen hier zur Verfügung.

Bahnhof war vernachlässigt

Im Namen der Marktgemeinde Berchtesgaden gratulierte Bürgermeister Franz Rasp dem Unternehmer Klaus Satra und dem Bahnhofseigentümer Ralph Müller zu dem gelungenen Projekt. »Der Bahnhof war über Jahrzehnte hinweg sehr verkommen. Das führte nicht gerade zu einer Liebesbeziehung zwischen Marktgemeinde und Deutscher Bahn«, sagte Rasp. Alleine der Neubau der Bahnhofstoiletten habe dreijährige Verhandlungen notwendig gemacht. »Es grenzt deshalb an ein Wunder, dass wir hier heute schon Eröffnung feiern können«, sagte der Rathauschef und lobte die Zielstrebigkeit Satras und Müllers. Rasp freute sich, dass dem Verkehrs- und Gesellschaftszentrum Bahnhof jetzt wieder neues Leben eingehaucht werde. Ulli Kastner