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»Aus großer Kraft wächst große Verantwortung«

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Franz Rasp (l.) durfte einige Abiturienten für das beste Abi und für soziales Engagement auszeichnen (v.l.): Marlene Münchow (Schnitt 1,0), Eva Stöckl (1,1), Magdalena Heiß (1,0), Sebastian Dufter und Eileen Brüggler.
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72 Abiturientinnen und Abiturienten des Gymnasiums Berchtesgaden hatten Grund zum Feiern. (Fotos: Vietze)

Berchtesgaden – 72 Abiturientinnen und Abiturienten des Gymnasiums Berchtesgaden hatten Grund zum Jubeln, denn am Freitagnachmittag erhielten sie im Rahmen einer Feier in der Schulaula ihre Reifezeugnisse.


Nicht nur Familienmitglieder und Verwandte der Abiturienten, sondern auch Vertreter von Politik und Kirche waren zu dieser denkwürdigen Stunde anwesend. Alle haben das Abitur bestanden, 21 von ihnen schnitten sogar mit einer Eins vor dem Komma ab.

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Der stellvertretende Schulleiter Markus Spiegel- Schmidt eröffnete die Veranstaltung mit einem Zitat von Friedrich Nietzsche: »Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.« Er gratulierte den Abiturienten und betonte, dass ihr jahrelanger Aufwand gewürdigt werden müsse. Spiegel-Schmidt griff auf Nietzsches Zitat zurück und meinte, die Absolventen befänden sich in einem Ei. Im Inneren des Eies herrsche Stille und deshalb appellierte der stellvertretende Schulleiter an die Entlassschüler, aus diesem Ei zu schlüpfen. »Dieser Tag ist ein Aufruf an Euch, selbst aktiv zu werden. Die Welt braucht Euch«, sagte Spiegel-Schmidt.

Ein ähnliches Statement gab stellvertretender Landrat Helmut Fürle. »Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Euch, auch für Eure Eltern«, so Fürle. Er meinte, es liege ab jetzt an den Abiturienten, wie sie ihr zukünftiges Leben gestalten werden. »Gehen Sie Ihren Weg. Bleiben Sie sensibel. Dann werden Sie alle Hürden im Leben meistern«, versicherte Fürle.

»Intelligenz ist nicht alles«

Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee vertritt eine andere Meinung, wenn es um den viel zitierten Ernst des Lebens ging. »Der Ernst des Lebens hat bereits ab der zehnten Klasse für Euch begonnen. Und die erste Prüfung habt Ihr gemeistert«, lobte Rasp. Er wies darauf hin, dass das Abitur mehr als nur Intelligenz erfordere. »Intelligenz ist nicht alles. Ohne Durchhaltevermögen, Ausdauer und Willenskraft hättet Ihr es nie so weit gebracht«, so Rasp. Zudem appellierte er an die Absolventen, sich zukünftig politisch zu engagieren.

Marie Stuhlmüller vertrat die Abiturienten und gab einen Rückblick auf die Schulzeit: »Obwohl es manchmal Unstimmigkeiten gab, werden wir vieles vermissen. So werden einige Sätze in Erinnerung bleiben wie: »Wen fragen wir heute aus?«. Zudem bedankte sich Marie Stuhlmüller bei den Lehrern für ihre Unterstützung. »Wir sind den Lehrern für ihre Geduld dankbar. Wir waren ja mit ihnen auch geduldig«, scherzte Stuhlmüller. Sie blickte unter anderem auf die Klassenfahrten zurück, in der sie manche Eskapaden sarkastisch andeutete. Wie beispielsweise die Berlinfahrt, bei der manche auf dem Heimweg auf unerklärliche Weise in die falsche Straßenbahn eingestiegen waren. »Die nächste ernst zu nehmende Aufgabe wird es sein, dass wir nach dem ausgiebigen Feiern den Weg nach Hause finden«, scherzte Stuhlmüller.

»Verantwortung schafft Freiheit«

Schulleiter Andreas Schöberl blickte ebenfalls zurück. »Es gab viele Streckenposten und Ihr habt einen ureigenen Jakobsweg beschritten«, meinte er. Schöberl betonte, dass es viele Hürden für die Abiturienten gegeben habe, aber schlussendlich alles geglückt wäre. Der Schulleiter ging mehrmals auf das Thema Verantwortung ein. Deshalb griff er Otto von Bismarcks Zitat auf: »Die Scheu vor Verantwortung ist die Antwort unserer Zeit.«

Schöberl sagte, wer sich vor der Freiheit drücke, könne nie das Leben richtig genießen. Zudem forderte er auf, dass sich die Abiturienten Kritikfähigkeit aneignen sollten. »Steht zu dem, was Ihr macht. Übernehmt Selbstverantwortung. Erst dann könnt Ihr aufblühen«, meinte Schöberl. Wie sein Vorredner Rasp, so riet auch der Schulleiter den Abiturienten zu politischem Engagement.

Dann folgte der Moment, auf den jeder Abiturient bereits gewartet hatte: die Zeugnisverleihung. Passend zum Gang nach vorne, begleitete die Zeugnisempfänger die Musik, die jeder nach seinem Geschmack ausgewählt hatte. Insgesamt 72 Abiturienten holten sich ihre Zeugnisse ab, 21 von ihnen schnitten sogar mit einer Eins vor dem Komma ab.

Neben der Übergabe gab es auch Ehrungen. Dieses Amt übernahm der Bürgermeister der Marktgemeinde Berchtesgaden, Franz Rasp. Als beste Abiturienten wurden Marlene Münchow (Schnitt 1,0), Magdalena Heiß (1,0) und Eva Stöckl (1,1) ausgezeichnet. Doch nicht nur die Besten, sondern auch sozial Engagierte wurden geehrt. »Aus großer Kraft wächst große Verantwortung«, sagte Rasp. Mit dem Spiderman-Zitat machte der Bürgermeister deutlich, dass auch soziales Engagement gewürdigt werden müsse. In dieser Kategorie erhielten Sebastian Dufter, Eileen Brüggler und erneut Magdalena Heiß jeweils eine Auszeichnung. Die Besten und sozial Engagierten dürfen zur Belohnung mit allen fünf Bürgermeistern des Talkessels im »Hotel Kempinski« essen gehen.

Zum Ende bekamen die acht Besten jeweils einen Buchpreis von Sparkassen-Vertreter Ulrich Reichart und alle Einserschüler erhielten zusätzlich eine Sonnenblume. Danach ließen alle den Nachmittag in der Schulaula ausklingen. Musikalisch war auch einiges geboten. Der »Rittner Walzer«, eine Eigendichtung von »Wer hat an der Uhr gedreht«, »Dust in the Wind« sowie »Country Roads« präsentierten die Abiturienten dem Publikum. Patrick Vietze