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Autofahren für den guten Zweck

Joachim Althammer freut sich auf seine zehnte Edelweiß Classic, die von 27. bis 30. Juni stattfindet. Foto: privat

Ainring (REC) – Joachim Althammer veranstaltet heuer zum zehnten Mal die Benefiz-Rallye Edelweiß Classic. Mit den Spenden aus der Veranstaltung unterstützt der Ainringer karitative Einrichtungen im Berchtesgadener Land. Schon Sepp Daxenberger, die Schauspielerin Suzanne von Borsody und Georg Hackl saßen bei ihm am Steuer. Warum ihm soziales Engagement wichtig ist und was sein Highlight in den letzten Jahren war, erzählt der 53-Jährige im Interview.


Gab es damals so was wie eine zündende Idee für die Edelweiß Classic?

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Joachim Althammer: Nein, die ist langsam gewachsen. Mich haben bei den sportlichen Oldtimer-Rallyes immer der Zeitdruck und der Stress gestört. Es gab zwar meistens ein gutes Rahmenprogramm, aber vor lauter Blick auf die Stoppuhr wusste man am Abend selten, wo man tagsüber eigentlich umher gefahren ist. Bei der Edelweiß Classic können die Leute so schnell fahren, wie sie wollen und bekommen von der Umgebung alles mit. Was für mich von Anfang an feststand, war, dass es eine reine Benefizveranstaltung sein soll. Ich wollte etwas für geistig behinderte Menschen im Landkreis tun, die so gut wie keine Lobby haben.

Wie schwer war es, die Idee einer Rallye mit sozialem Zweck umzusetzen?

Althammer: Gar nicht schwer. Ich habe gleich viele Mitstreiter und Helfer gefunden und auch der Name Edelweiß Classic stand schnell fest. Der Untertitel: »Der Traum vom Autofahren mit Herz« trifft den Charakter des Rennens genau. Vor der ersten Ausgabe habe ich über zwei Jahre organisiert und vorbereitet. Und das war gut so, denn 2004 haben etliche Teilnehmer nicht geglaubt, dass es die erste Ausgabe ist, so reibungslos lief alles.

Wie viele Teilnehmer gingen bei der Premiere an den Start?

Althammer: 75 Autos und das waren sehr viel fürs erste Mal. Es hat sich positiv ausgewirkt, dass ich damals schon in der Oldtimerszene einen großen Bekanntheitsgrad hatte. Ein Münchner Mercedes Club kam sogar mit zehn Autos. Wir hatten von Anfang an Highlights, etwa die Siegerehrung auf Bartholomä und ein Konzert mit den Reichenhaller Philharmonikern. Über Zweidrittel der Fahrer sind im nächsten Jahr gleich wieder gekommen. Mittlerweile sind die meisten Teilnehmer Stammfahrer, die es genießen, dass die Veranstaltung jedes Jahr komplett anders ist, von der Strecke bis zur Unterkunft.

Gibt es einen Teilnehmerrekord?

Althammer: Das Feld ist von Haus aus auf 100 Autos begrenzt und die hatten wir gleich im zweiten Jahr zusammen. Zum Jubiläum stehen heuer 106 Autos auf der Liste. Mehr sollen es nicht werden, schließlich sollen die Teilnehmer untereinander noch Kontakt haben, auch das ist das Besondere an der Edelweiß Classic. So sind schon viele Freundschaften entstanden.

Fahren auch Frauen mit?

Althammer: Bei der Edelweiß Classic ist der Frauenanteil deutlich höher als bei anderen sportlichen Rallyes. Wir haben nur fünf bis sechs reine Männerteams und etwa zwei bis drei Autos, wo nur Damen drin sitzen. 85 Prozent der Teams sind gemischt.

Welche Promis waren schon am Start?

Althammer: Der bekannteste Starter war wohl die Rallyelegende Walter Röhrl. Schauspielerin Suzanne von Borsody, Sepp Daxenberger, Georg Hackl, Manuel Machata und Anja Huber sind auch mitgefahren. Heuer ist Paralympic-Star Martin Braxenthaler dabei. Er hat uns von Anfang an unterstützt. Er ist nicht nur ein sensationeller Sportler, sondern auch ein toller Mensch.

Was war Ihr Highlight?

Althammer: Die Versteigerung von zwei Mercedes-Limousinen. Eine hat ein hiesiges Autohaus zur Verfügung gestellt. Ich bin circa eineinhalb Jahre damit umhergefahren und habe auf den beiden Hauben Unterschriften von Prominenten gesammelt. Beim Abschluss im Hangar 7 wurde das Auto für 12 000 Euro versteigert. Der andere Mercedes stammte von einem ehemaligen österreichischen Rennfahrer und ging mit Unterschriften für einen ähnlichen Betrag weg. Ich habe viele interessante Menschen durch die Classic persönlich kennengelernt, das ist eine wahre Bereicherung.

Sind Sie ein Autofreak?

Althammer: Auf meiner Visitenkarte steht Oldtimernarr und das trifft es ganz gut. Bei uns dreht sich viel um die Edelweiß Classic und das Rossfeldrennen. Wobei ich mich für alle Autos interessiere, nicht nur für alte. Aber ich bin kein Verrückter, der sein ganzes Geld da reinsteckt und ich träume auch nicht von einem Ferrari oder einem Mercedes-Flügeltürer. Derzeit lasse ich mir einen alten Ford Escort von 1970 herrichten, das war so ein Jugendtraum. Damals sind mein Freund und ich mit dessen Bruder mitgefahren und in eine Verbindungsetappe der Bavaria Rallye geraten. Wir haben mit dem Ford ein Teilnehmerauto überholt und das hat sich bei mir eingebrannt.

Wie viele Spenden kamen in den letzten zehn Jahren zusammen?

Althammer: Das waren insgesamt knapp über eine halbe Million Euro – auch dank der Willi Althof Stiftung – die für die Lebenshilfe BGL, die Pidinger Werkstätten, das Heilpädagogische Zentrum in Piding und Haus Hohenfried in Bayerische Gmain gesammelt wurde. Damit die Teilnehmer auch sehen, wohin ihr Geld fließt, schauen wir jedes Jahr bei einer dieser Einrichtungen vorbei. Heuer bekommen die Werkstätten den größten Teil für ihren Neubau in Anger. Der andere Teil geht an die Lebenshilfe für die regionale offene Behindertenarbeit.

Woher kommt Ihr soziales Engagement?

Althammer: Mir ist vor fast 20 Jahren eine mit 3,27 Promille alkoholisierte Frau ins stehende Motorrad gefahren. Ich habe dabei den linken Unterschenkel verloren und bin vier Jahre auf Krücken gegangen. Heute sage ich: Es war mit das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Wenn ich meinen Beruf so weiter ausgeführt hätte, wäre ich ein sicherer Herzinfarktkandidat gewesen. So ist mir bewusst geworden: Ein Körperbehinderter hat meistens alle Möglichkeiten offen, ein geistig behinderter Mensch nur, wenn es entsprechende Einrichtungen gibt.