weather-image

B 305 keine Übungsstrecke für Motorradfahrer

3.8
3.8
Bildtext einblenden
Dieses Schild weist auf ein Fahrsicherheitstraining hin, das die Kreisverkehrswacht anbietet. Einige Ramsauer befürchten nun, dass die Motorradfahrer die B 305 nun fälschlicherweise als ihre Trainingsstrecke betrachten. Schuld an dem Ganzen ist die mangelnde Kommunikation der »Bürgerinitiative Lärm« mit der Kreisverkehrswacht. (Foto: Stähler)

Ramsau – An der B 305 steht ein Schild, das einen Motorradfahrer zeigt, der gerade eine Kurve fährt. Darüber steht »Sicher mit Training!« Manch einer könnte das nun so auffassen: Auf dieser Strecke kann ich meine Fahrkünste verbessern. Und Gas geben.


Diese Befürchtung haben manche Ramsauer, die von dem Lärm durch die Kraftradfahrer auf der Alpenstraße seit Jahren geplagt sind. Im vergangenen Jahr gründete sich deswegen eine Bürgerinitiative. Deren Mitglieder sind nicht erfreut. Die Kreisverkehrswacht hat das Plakat allerdings aufgestellt, um auf ihr Fahrsicherheitstraining hinzuweisen.

Anzeige

Der Lärm stört die Ramsauer schon seit Jahrzehnten. Im Juli trat die Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm an der B 305 zusammen und begann eine Unterschriftenaktion. Diese Unterschriften wurden der Landtagsabgeordneten Michaela Kaniber übergeben. Auch die Polizei weiß über das Motorradlärmproblem Bescheid. »Es sind nicht alle Motorradfahrer, nur wenige fahren zu schnell«, wie Sabine Graßl von der Initiative auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« betont.

Die Ramsauer hatten sich häufige Radarkontrollen gewünscht. Es gibt sogar eine »Kontrollgruppe Motorrad« bei der Polizei. Allerdings konzentriere diese sich eher auf den Zustand des Motorrads und andere Dinge, und nicht auf die Geschwindigkeit, wie Bürgermeister Herbert Gschoßmann auf Nachfrage informierte. Zudem ist sie bayernweit im Einsatz und muss erst einmal reserviert werden. Es wurde auch schon einmal kontrolliert – aber an einem regnerischen Tag unter der Woche. »Da sind natürlich wenig Motorradfahrer unterwegs«, sagt Graßl.

Hinweisschilder, die auf die Lärmbelastung hinweisen, sollten schließlich die Lösung sein. Zumindest das Gerüst für mögliche Plakate wurde bald aufgestellt. Das erzählt die Ramsauerin, die direkt an der Alpenstraße wohnt: »Dafür hat mein Mann den Fleck von Büschen und kleinen Bäumen befreit«, so Sabine Graßl. Zuerst sei der Kasten leer gestanden. Im Winter dann hängte die Kreisverkehrswacht ein Plakat auf, das verkündete, man solle seine Scheiben freikratzen. Und nun »Sicher mit Training!«

Graßl fotografierte das Schild am Dienstag und schickte es dem »Anzeiger« mit folgenden Zeilen: »Pünktlich zum Start in eine neue Rennsaison für Motorsportjunkies, die uns versprochene Plakatwand zur freiwilligen Lärm- und Geschwindigkeitsreduzierung: Eine Aufforderung zum Kurventraining. Toll.«

Rainer Stähler hatte ein Foto von dem Plakat schon am Montag gesendet. Auch er ist enttäuscht: »Das Plakat liefert sicher keinen Beitrag zur Verkehrslärmberuhigung. Vielmehr kann man es als Ermutigung sehen, durch mehr Kurventraining sicherer fahren zu können. Das bedeutet dann aber noch mehr Lärmbelästigung.« Besser wäre seiner Meinung nach an dieser Stelle die Aufforderung: »Bitte leise fahren, den Menschen zuliebe.«

Peter Starnecker von der Kreisverkehrswacht bekam ebenfalls eine kritische E-Mail von Sabine Graßl. Er war verwundert, vor allem darüber, dass sich die Bürgerinitiative zuvor noch nie bei ihm gemeldet hat, wie er auf Nachfrage erzählt. Die Kreisverkehrswacht BGL habe diesen Plakatständer auf Wunsch des Straßenbauamtes zur Verfügung gestellt bekommen und nutzt diesen für die Plakate zur Verkehrsprävention. Sie werden alle zwei Monate mit neuen Motiven bestückt, informierte er Sabine Graßl.

Die Plakate werden von der Landesverkehrswacht Bayern landesweit verteilt. »Es ist gut und recht, wenn sich Bürger über Verkehrslärm beschweren und Unterschriften sammeln. Anschließend wird der Schwarze Peter an die Behörden abgeschoben und die sollen dann machen. Ich hätte mir von Ihrer Initiative schon einiges mehr erwartet, zum Beispiel mindestens einen Vorschlag für die Gestaltung eines Plakates zur Bekämpfung/Eindämmung des Motorradlärms«, lautete sein Vorwurf.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Die Kreisverkehrswacht will mit der Bürgerinitiative zusammenarbeiten. Das schrieb Starnecker auch an Sabine Graßl: »Wir sind gerne bereit, ein entsprechendes Plakat Ihrer Wahl im Plakatständer während der Motorradsaison anzubringen. Sie können mich auch gerne kontaktieren und wir können gemeinsam ein Plakat entwickeln.« Jedoch hat Starnecker, der auch Erster Polizeihauptkommissar ist, seine Zweifel: »Eine echte Eindämmung des Lärms ist nur mit Kontrollen der Polizei und einer Überprüfung erreichbar. Nicht einmal eine Geschwindigkeitsmessanlage mit Display hat seiner Meinung nach Erfolg. Annabelle Voss

Italian Trulli