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»Bahnhof Bayerisch-Gmain ist eine Schande«

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Mit kleinen Tafeln demonstrierte die Gruppe »Besorgte Bürger von Bayerisch Gmain«, während Verkehrsminister Herrmann im Zug an ihnen vorbeirauschte. Foto: privat

Bischofswiesen/Bayerisch Gmain – Der Bahnsteig hat Löcher, der Asphalt zerbröselt und zwischen dem Bahnsteig und dem Zug ist fast ein halber Meter zu überwinden. So präsentiert sich der Bahnhof in Bayerisch Gmain. »Wie sollen da ältere oder behinderte Fahrgäste einsteigen und aussteigen können«, fragt Franz Sicklinger, Mitglied im Verkehrsforum BGL und SPD-Ortsvorsitzender. Der Innenminister hat eine Lösung parat.


Nach einer Besprechung in München ist er ernüchtert, »die Deutsche Bahn denkt nicht daran, vor 2020 auch nur einen Euro zu investieren«, auch ein Schreiben von Verkehrsminister Herrmann verspricht keine Hilfe. Er weist darauf hin, dass Rollstuhlfahrer in Bayerisch Gmain wegen der fehlenden Mindesthöhe des Bahnsteiges auch mit Hilfe einer Rampe nicht aussteigen können, »jedoch ist an den Nachbarstationen Bad Reichenhall-Kirchberg und Bischofswiesen der Einstieg möglich«, so der Minister.

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Während der Freistaat für einen neuen Haltepunkt im Freilassinger Stadtteil Hofham 1,3 Millionen Euro locker macht, verfallen andere Bahnhöfe regelrecht, »doch die DB-Tochter Station und Service denkt nicht daran, vor 2020 hier nur einen Euro zu investieren«, berichtet Sicklinger von einer Besprechung bei der Bahn in München. Ein Bahnmitarbeiter soll sogar gesagt haben, »wenn wir jetzt asphaltieren, dann würde zehn bis 15 Jahre gar nichts mehr passieren.« Dass in einem Staatsbad auch ältere Fahrgäste am Bahnhof sind und sich bei einem halben Meter Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Einstieg in den Zug verletzen könnten, negieren die Bahnverantwortlichen ebenso, »da würde sich höchstens einmal jemand einen Knöchel verstauchen«, soll einer der DB-Teilnehmer gesagt haben. Bei der Besprechung war auch Bayerisch Gmains Bürgermeister Hans Hawlitschek dabei, er kann sich nicht erinnern, den Satz so gehört zu haben. »Vielleicht hat sich tatsächlich einmal in fünf Jahren ein Fahrgast den Fuß verstaucht, das passiert aber auch an anderen Orten«, so der Bürgermeister. Auch Hawlitschek bezeichnet das Ergebnis des Gesprächs in München als ernüchternd, »aber immerhin wurde uns in die Hand versprochen, dass Bayerisch Gmain im nächsten Ausbauplan für Bahnhöfe in Bayern ab 2019 fix dabei ist«. Auch die entsprechende Finanzierung soll bereits stehen.

Bahnsteig provisorisch anheben

Bis zu einem möglichen Ausbau ab 2019 will Franz Sicklinger nicht warten. Er schlug beim Gespräch mit der DB in München vor, mit Platten den Bahnsteig provisorisch zu erhöhen und damit den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteig von 49 Zentimeter zu verringern. Doch die DB-Manager winkten ab, das sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Rollstuhlfahrer: Bitte woanders aussteigen

Auch eine schriftliche Anfrage an den Bayerischen Verkehrsminister Joachim Herrmann zeigt, dass der Bahnhof Bayerisch-Gmain nicht als vollwertiger Bahnhof gilt, denn Behinderte oder Rollstuhlfahrer können in Bayerisch Gmain nicht einsteigen oder aussteigen. Die Berchtesgadener Land Bahn habe zwar Triebwagen mit Niederflureinstieg und Rampen für Rollstuhlfahrer, diese Rampe ist allerdings nur an Bahnsteigen mit einer bestimmten Mindesthöhe einsetzbar. Diese wird in Bayerisch Gmain nicht erreicht, aber, so die »Lösung« des Ministers in seinem Schreiben, »an den Nachbarstationen Bad Reichenhall-Kirchberg und Bischofswiesen ist ein Einstieg möglich.«

Beim jüngsten Besuch von Herrmann in Freilassing mit anschließender Fahrt mit dem Zug nach Berchtesgaden machten Sicklinger und andere Bahnbenutzer am Bahnhof Bayerisch Gmain auf die ihrer Meinung nach untragbaren Zustände aufmerksam. »Dieser Bahnhof ist eine Schande für das Staatsbad« war auf weißen Tafeln zu lesen, die sie während der Durchfahrt des Ministerzuges in die Höhe hielten.

Züge passen nicht zur Strecke

Michael Behringer als Sprecher der Fahrgastinitiative »Verkehrsforum BGL« ist entsetzt, seit 2006 sind auf der Strecke Freilassing-Berchtesgaden Niederflur-Triebwagen im Einsatz und auch die Berchtesgadener-Land-Bahn hätte stufenlose Wagen bestellt, »weil sie davon ausgegangen ist, dass die Strecke ertüchtigt wird und damit auch die Bahnsteige entsprechend angehoben werden.« Wenn die Verantwortlichen damals geahnt hätten, dass die Fahrzeuge nicht zur Strecke passen, hätten sie andere Triebwagen bestellt, die vom Ausstieg weg noch eine ausklappbare Stufe haben. »Die Salzburg AG ist bei der Bewerbung davon ausgegangen, wenn schon ein S-Bahn-ähnlicher Verkehr gewünscht wird, dass eine S-Bahn-ähnliche Infrastruktur geschaffen wird«, so Behringer. Auch der Geschäftsführer der BLB, Gunter Mackinger, soll sich bei den zuständigen Stellen immer wieder beschwert und gesagt haben, dass die Bahnsteige für die Fahrgäste unzumutbar seien und dass das in Österreich so nicht funktionieren würde. Michael Hudelist