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Barfuß über Stock und Stein

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Auf dem Barfußpfad sind alle Kinder gerne unterwegs. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Einen besonderen Sinnespfad gibt es seit ein paar Tagen im Oberauer Kindergarten. Leiterin Stephanie Klose hatte die Idee dazu. Ob sehen, hören oder fühlen – den Kindern werden auf einfache Weise die verschiedenen Sinneswahrnehmungen nähergebracht.


Stephanie Klose ist stolz auf den Garten der Sinne, der in den letzten Wochen in der Oberau entstanden ist. Vor allem auf den neu geschaffenen Barfußpfad in Schneckenform. »Kinder wollen und sollen barfuß gehen«, sagt die Kindergartenleiterin. Den Kindern mache das nicht nur Spaß, sondern es sei auch gleichzeitig noch gesund.

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Der Pfad, den sie hier gebaut hat, ist abwechslungsreich. Verschiedene Untergründe dienen dazu, dass »die Füße beweglich bleiben und sich gut entwickeln, um als guter Stoßdämpfer für den Körper zu dienen«, sagt sie. Viele Kinder seien nur noch selten barfuß unterwegs. Ob Kieselsteine, Baumrinde oder Hackschnitzel  – wer den Pfad entlangläuft, hat ein besonderes Fußerlebnis. Über das Nervensystem erkennt das Gehirn die Beschaffenheit des Bodens. Auf hartem Beton läuft man instinktiv vorsichtiger, bei den Kindern ist das dann der Raubkatzengang. Auf weichem Waldboden tritt man schon deutlich fester auf. Und die 25 Kinder, die in der Oberau den Kindergarten besuchen, sind ganz heiß drauf, den Barfußpfad entlangzugehen.

Geschwind werden die Socken ausgezogen und die Kleinen eilen in den Garten. »Ich will zuerst«, ruft ein kleines Mädchen, während zwei Buben in einem Weidentipi die Station »Hören« austesten. Hier drinnen hört man den Wind rauschen, ein Windspiel baumelt an der Decke des Tipis. Draußen, vor dem Eingang, hängt ein selbst gemachtes Xylofon aus Holz mit verschieden langen Stecken, die beim Draufschlagen unterschiedlich klingen. Gleich daneben können die Kinder ihren Sehsinn schulen. »Hier geht es vor allem um die Farben«, sagt Stephanie Klose. Einige CDs hängen an einem Ast, im Licht erkennt man die Regenbogenfarben, die sich an der Unterseite der CD spiegeln. Auf einem Stock steckt eine große Kugel, die mit unzähligen Mosaiksteinchen beklebt ist. Auch diese in verschiedenen Farben. Um weitere Stecken sind farbige Bänder herumgewickelt. »Das dient alles dazu, dass die Kinder die Grundfarben lernen«, sagt Klose.

Einen Steinwurf von hier entfernt ist der kindergarteneigene Kräutergarten, in dem die Kleinen schmecken und riechen können. Ob Minze, Lavendel oder Schnittlauch. Das eine schmeckt, das andere riecht. Selbst gepflanzte kleine Erdbeeren und Schwarze Johannisbeeren dürfen hier schon mal gekostet werden.

»Die Sinnesschulung ist Teil des Bildungs- und Erziehungsplans«, sagt Stephanie Klose und freut sich, dass der Garten bei den Drei- bis Sechsjährigen so gut ankommt. Denn die Möglichkeiten, einen Sinnespfad selbst zu erleben, haben die Wenigsten. Umso schöner ist es, den Kleinen beim Herumtoben zuzusehen. Kilian Pfeiffer