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Barrierefrei durch Berchtesgaden

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Sven Hosse freut sich über freie Fahrt am Bahnhof Berchtesgaden. (Foto: Spitzer)

Berchtesgaden – Wer in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, stößt im Alltag oft auf schier unüberwindliche Barrieren. Um diese Schwierigkeiten ins Zentrum des allgemeinen Interesses zu rücken und nach Möglichkeit zu beseitigen, ruft die »Behindertenintegration-Berchtesgaden« zur Mithilfe auf.


Der Verein unter dem Vorsitz von Sven Hosse und Elke Röhrig-Kropp kümmert sich seit 1999 um die Belange behinderter Mitbürger in allen fünf Gemeinden des südlichen Landkreises Berchtesgadener Land. Aktuell sammelt der Verein gemeinsam mit anderen Organisationen wie der »Selbsthilfekoordination Bayern« (Seko) Informationen über vermeidbare Barrieren im Landkreis. Diese werden dann gebündelt dem Sozialverband Vdk übergeben, um dessen bundesweite Aktion: »Weg mit den Barrieren!« zu unterstützen. Im Rahmen dieser Aktion werden Stolpersteine in Deutschland zusammengetragen und zur Diskussion gestellt.

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Wie schwierig sich der Alltag oder eine Reise für jemanden gestalten kann, der körperlich, seelisch oder kognitiv beeinträchtigt ist, zeigt sich schnell, wenn man erst einmal darauf achtet. Rampen vor Geschäften sind zwar vorhanden, werden jedoch oft mit Werbeschildern oder Fahrradständern verstellt. Längst nicht in jedem Bus findet sich eine Klapprampe, mit der der Einstieg mithilfe des Busfahrers möglich ist. An Bahnhöfen ohne geeignete Aufzüge ist die Reise oft schon auf Gleis 1 zu Ende und die Suche nach einer Toilette gestaltet sich teils abenteuerlich.

Weite Wege sind die Regel, spontane Ausflüge die Ausnahme: »Ohne umfangreiche Planung geht es nicht«, berichtet Sven Hosse. Motiviert durch den beschwerlichen Alltag seiner 18-jährigen, körperlich und geistig beeinträchtigten Tochter Silvia, setzt er sich für die Integration und Inklusion Behinderter ein. »Die Menschen müssen lernen, barrierefrei zu denken – für jedes Problem gibt es eine Lösung und wir beraten gerne«, erklärt er.

Gerade bei Neu- oder Umbauten biete es sich an, im Rahmen der Planung Betroffene hinzuzuziehen, um jedem den problemlosen Zugang und die Nutzung zu gewährleisten. Hierzu sind in Berchtesgaden bereits einige gelungene Beispiele zu nennen. Bei einem Ausflug zum Königssee ist der Toilettenzugang hürdenlos, und beim Einstieg zur Überfahrt helfen die Mitarbeiter der Schifffahrt. Schornbad und Watzmann Therme sind ebenfalls auf die Bedürfnisse Behinderter eingestellt und auch im Kongresshaus Berchtesgaden ist ein leicht zugängliches WC geplant. »Die Kooperation mit den Gemeinden läuft inzwischen schon sehr gut«, freut sich Sven Hosse. »Aber es gibt noch viel zu tun.«

Wem Hindernisse im Berchtesgadener Land bekannt sind, und wer und die Arbeit der Behinderten-Integration unterstützen möchte, kann sich melden unter www.bibev.org, www.seko-bayern.de oder www.vdk.de Daniela Spitzer