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Bartl Mittner ist zweiter Bürgermeister

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Vom dritten zum zweiten Bürgermeister »befördert«: SPD-Gemeinderat Bartl Mittner. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Bartl Mittner (SPD) ist Berchtesgadens zweiter Bürgermeister. Mit 15 zu sechs Stimmen setzte sich der bislang dritte Bürgermeister gegen Rosemarie Plenk (Freie Wähler) durch. Im Vorfeld hatten sich SPD, Grüne und CSU zu einer Mehrheit zusammengeschlossen. CSU-Fraktionssprecher Hermann Lochschmied präsentierte in der konstituierenden Gemeinderatssitzung am Montag darüber hinaus einen Voraussetzungskatalog, den ein zweiter Bürgermeister zu erfüllen habe. Die Verwunderung bei so manchem im Saal war groß. Gemeinderat Hans-Jürgen Kortenacker (Berchtesgadener Bürgergruppe) erkannte sogar eine Polit-Posse.


Bartl Mittner bedankte sich am Schluss, nachdem das Wahlergebnis feststand, artig. »Danke für das Vertrauen«, sagte der langjährige Kommunalpolitiker mit Blick auf seine Gemeinderatskollegen. Eine demokratische Wahl sei das gewesen, und trotzdem: »Politik ist manchmal nicht einfach.« Damit hatte Mittner den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn in der Vergangenheit war es so, dass den zweiten Bürgermeister die zweitstärkste Fraktion gestellt hatte, im Berchtesgadener Gemeinderat sind das die Freien Wähler.

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Das »ungeschriebene Gesetz« kam aber dieses Mal nicht zur Anwendung: Bereits im Vorfeld hatten SPD, Grüne und CSU beschlossen, sich für einen Bürgermeister-Stellvertreter aus den eigenen Reihen zu entscheiden, in diesem Fall für Bartl Mittner, bislang dritter Bürgermeister des Marktes Berchtesgaden. Aufgrund der deutlichen Mehrheit, die die Fraktionen bilden, stellte Mittners Wahl dann auch keine Hürde dar. Rosemarie Plenk von den Freien Wählern musste sich mit sechs Stimmen zufrieden geben.

Für Kopfschütteln in den Reihen der Zuhörer sorgte aber Hermann Lochschmieds Ausführung: Er begründete den parteiübergreifenden Entschluss mit einem Voraussetzungskatalog, den ein Bürgermeister-Stellvertreter zu erfüllen habe. So müsse dieser Erfolge in kommunaler Verwaltung vorweisen können, zeitlich flexibel sein, darüber hinaus die »Persönlichkeit haben, sein Amt entsprechend ausführen zu können«. Bartl Mittner sei die richtige Wahl.

Das Lächeln war zu diesem Zeitpunkt bereits aus Michael Kollers Gesicht verschwunden. »Ich bin mehr als verwundert«, meldete sich der Fraktionssprecher der Freien Wähler zu Wort. Warum aus einer langen Tradition ausgeschert werde und die zweitstärkste Fraktion plötzlich nicht mehr den zweiten Bürgermeister stellen dürfe, darauf fand er für sich keine Antwort. Koller selbst hatte zuvor noch Rosemarie Plenk als Kandidatin vorgestellt. »Sie ist seit zwölf Jahren im Gemeinderat und hat sich als verlässliche Partnerin erwiesen.« Für Koller Voraussetzung genug, dass die FW-Gemeinderätin Franz Rasp als Gemeindechef würdig vertreten könne.

Dass nun Bartl Mittner zum Zuge kommt, »damit tue ich mich schwer, weil hier das Mehrheitsverhältnis ausgenutzt wurde«. Auf diese Weise lerne er so manchen Kollegen von einer anderen Seite kennen. Natürlich gebe es kein Gesetz, in dem verankert sei, dass die zweitstärkste Fraktion automatisch zum Zuge komme, »aber bislang hat das immer sehr gut funktioniert«. Kritik äußerte Koller auch daran, dass es keine Möglichkeit zur Diskussion gegeben und der Parteien-Entschluss bereits im Vorfeld abgesprochen worden war.

Hans-Jürgen Kortenacker erkannte in der Sache eine »Polit-Posse vom Feinsten«. Auch Rosemarie Plenk erfülle jene von Hermann Lochschmied vorgetragenen Voraussetzungen. »Das ist eine Watschn für die Freien Wähler.« Der Vorgang sei »völlig ohne Not« umgesetzt worden und sorge nun dafür, »dass die nächsten sechs Jahre von Kontroversen und Misstrauen zwischen den Fraktionen bestimmt werden«. Kilian Pfeiffer