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Neuer Eigentümer will mit Gemeinde Bischofswiesen zusammenarbeiten – »Kein Österreicher und kein Russe beteiligt«

Bartl Wimmer: »Es war ein spontaner Entschluss«

Mit seinem Coup überraschte Dr. Bartl Wimmer alle: der Grünen-Kreisrat ersteigerte am Dienstag das Bischofswieser »Geiger«-Hotel für 2,4 Millionen Euro – wir haben nachgehakt: Was brachte ihn dazu?

Das Hotel »Geiger« in der Stanggaß hat mit dem Berchtesgadener Grünen-Kommunalpolitiker Dr. Bartl Wimmer einen neuen Eigentümer. Die Sparkasse Berchtesgadener Land ließ das Objekt als Hauptgläubiger zwangsversteigern. (Foto: Kastner)
»Es war eine spontane Entscheidung«, sagt Dr. Bartl Wimmer. Der Grünen-Kommunalpolitiker ersteigerte das Stanggaßer »Geiger«-Grundstück am Dienstag für 2,4 Millionen Euro. (Archiv-Foto: Fischer)

So war es am Dienstag das Thema des Tages, dass der Grünen-Kreisrat und Berchtesgadener Gemeinderat am Amtsgericht Traunstein das Gelände des Hotels »Geiger« für 2,4 Millionen Euro ersteigert hatte. Mit Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber hat sich der Mitbegründer und geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Synlab-Gruppe, bereits telefonisch ausgetauscht. Beide streben nach eigenen Angaben »eine gute Lösung« für das Grundstück an.

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Nachdem der Name des neuen "Geiger"-Eigentümers am Dienstag schnell bekannt geworden war, äußerte sich Dr. Bartl Wimmer wenig später auf seiner Facebook-Seite: "Um die Gerüchteküche nicht noch mehr anzuheizen" teilte Wimmer offiziell mit:

"Ja, ich habe heute das Hotel Geiger ersteigert". Und der Berchtesgadener Kommunalpolitiker gibt weiters bekannt: "Nein, es war nicht von langer Hand geplant, sondern ein spontaner Entschluss. 17 Jahre fortschreitender Verfall sind nicht gerade ein Ruhmesblatt für unseren Talkessel. Aber auch völlig überzogene Baupläne, die Gott sei Dank nie Realität wurden, wären keine tröstliche Alternative gewesen.

Es gibt keine Pläne für eine Klinik und auch Synlab wird seine Zentrale sicher nicht hierher verlegen. Ich werde mich in aller Ruhe mit der Gemeinde austauschen, bin für Ideen und Anregungen offen (wenn sie ehrlich gemeint sind) und dann wird es hoffentlich eine gute Lösung für dieses für Berchtesgadens Entwicklung so wichtiges Grundstück geben.

Und weil ich weiß, was alles so diskutiert werden wird: Niemand anderer war eingeweiht oder ist gar direkt oder indirekt beteiligt: kein Österreicher, kein Russe, keine Bank und auch sonst niemand."

Eine Anzeige gab den Anstoß

Den Anstoß für eine Ersteigerung des Grundstücks hatte vor einigen Wochen eine entsprechende Anzeige im »Berchtesgadener Anzeiger« mit der Ankündigung der Zwangsversteigerung gegeben, wie Bartl Wimmer der Lokalzeitung gestern am Telefon sagte. »Natürlich hatte ich mich auch vorher schon gedanklich mit dem Geiger befasst – und so fasste ich dann den entsprechenden Gedanken.« Ausgangslage bei der Versteigerung war zunächst ein angesetzter Verkehrswert von 2 Millionen Euro, mit dem sich die Sparkasse allerdings nicht zufrieden geben wollte. Für 2,4 Millionen Euro erhielt Wimmer schließlich den Zuschlag, weitere Bieter gab es nicht. Die Reaktionen, die der Berchtesgadener Gemeinderat auf seinen Coup bekommen hat, bezeichnet er als »überwiegend positiv«, betont aber gleichzeitig: »Überwogen hat der Überraschungseffekt.«

»Die Planungshoheit auf dem Grundstück hat natürlich die Gemeinde. Und so weiß ich, was dort planungsrechtlich möglich ist«, so Wimmer gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Die Gemeinde hatte nämlich in den letzten Jahren immer klar gemacht, dass für sie hier nur eine touristische Nutzung infrage kommt. Und auch der neue Eigentümer versichert, dass er »nicht im Ansatz« an eine Wohnbebauung gedacht habe. Wimmer: »Natürlich muss man das Projekt auch unternehmerisch sehen. Aber das wird niemals losgelöst von meinen persönlichen Überzeugungen geschehen.«

Ob er vielleicht Teile der in äußerst schlechtem Zustand befindlichen Gebäude erhalten kann, weiß Bartl Wimmer nicht. Eher geht er aber davon aus, dass der Großteil der Bausubstanz abgerissen werden muss.

Erst Sprachlosigkeit, dann Freude

Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber hatte von Wimmers Plänen nach eigenen Worten zuvor nichts gewusst. Der Rathauschef wurde vom Vorstand der Sparkasse Berchtesgadener Land nach der Versteigerung über das Ergebnis informiert. »Ich war zwei Sekunden sprachlos, dann habe ich mich gefreut«, sagt Weber. Schließlich sei er überzeugt davon, »dass Wimmer etwas in Angriff nimmt, das den ganzen Talkessel nach vorne bringt«. Man wolle gemeinsame Ideen entwickeln und sich austauschen, bestätigte auch der Bürgermeister.

Das Hotel »Geiger« war 1866 als Pension eröffnet und von 1884 bis 1924 zu einem Hotel mit einer repräsentativ ausgestatteten Gebäudegruppe im Heimatstil erweitert worden. Zwischen 1960 und 1982 kamen noch weitere Gebäude hinzu. In seiner Blütezeit galt das bis zuletzt familienbetriebene Hotel als eine der ersten Adressen in der Region und hatte zahlreiche Prominente zu Gast. Hier übernachteten unter anderen Elvis Presley, die Bee Gees, der kanadische Premierminister Pierre Trudeau, der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat, Bundespräsident Walter Scheel, Fürst Albert von Monaco sowie die Schriftsteller Ernst von Wildenbruch, Paul Heyse und Thomas Mann.

1999 wurde der Hotelbetrieb wegen Insolvenz eingestellt. Die Verkaufsverhandlungen der letzten Jahre zwischen den verschiedenen Interessenten und Eigentümer Stefan Geiger kamen nie zu einem Ergebnis. Mehrere vom Hauptgläubiger, der Sparkasse Berchtesgadener Land, initiierte Zwangsversteigerungen wurden aus verschiedenen Gründen jeweils vor den bereits angesetzten Terminen abgesagt.

Hotelbaupläne gescheitert

Zuletzt lagen die Hoffnungen in den Hotelbauplänen der Regent-Gruppe, die auf dem Grundstück ein Luxushotel errichten wollte. Auch das Gelände der Kurklinik, das der Projektentwickler Martin Harlander aus Schwarzach/St. Johann im Pongau und der Salzburger Bauunternehmer Peter Kreuzberger erworben hatten, sollte in das Hotelprojekt einbezogen werden. Der hocherfreute Gemeinderat leitete sogar die Verfahren zur Aufstellung von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen ein. Doch obwohl von verschiedenen Seiten mehrfach bekundet worden war, dass die Verkaufsverhandlungen beim »Geiger« kurz vor dem Abschluss stünden, gab es bis zuletzt keinen Fortschritt. Nun wird das Thema »Geiger« unter völlig anderen Vorzeichen neu aufgerollt. Ulli Kastner

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