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Bauern in Sorge wegen EU-Düngeverbots

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In einem Arbeitsgespräch diskutierten (v.l.) Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger, die Ramsauer Ortsbäuerin Kathrin Brandner und Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann die Sorgen der Bauern in Anbetracht des von der EU geplanten Düngeverbots. (Foto: Kastner)

Ramsau/Berchtesgaden – Die Sorge geht um bei den heimischen Bauern. Sie befürchten, dass ihnen eine geplante EU-Verordnung die Existenzgrundlage nehmen könnte. Demnach soll künftig für Flächen mit einer Hangneigung von mehr als 15 Prozent ein generelles Düngeverbot gelten (wir berichteten). Die Ramsauer Ortsbäuerin Kathrin Brandner malt ein düsteres Bild, falls diese Verordnung wirklich umgesetzt wird: »Dann werden wohl viele aufhören«. Zusammen mit Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger aus Bischofswiesen erhofft sich die Bäuerin vom Gratzenlehen jetzt Unterstützung von der Politik.


So richtig begeistert ist Kaspar Stanggassinger nicht von der Protestaktion des Bayerischen Bauernverbands, der kürzlich einer weidenden Kuh eine Windel verpasste. Schließlich geht es auch nicht darum, dass Kühe künftig nicht mehr auf die Weide dürfen. »Aber wir im südlichen Landkreis sind stark davon betroffen, wenn auf Flächen mit einer Hangneigung von über 15 Prozent künftig keine Gülle und kein Mist mehr ausgebracht werden dürfen«, sagt der Bezirksalmbauer.

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»Alleine in der Ramsau würde es einen Großteil der Bauern treffen«, so Ortsbäuerin Kathrin Brander bei einem Arbeitsgespräch im Hotel »Edelweiß«, bei dem sich der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann die Sorgen der Bauern anhört. »Jetzt ist es erst einmal wichtig, in Erfahrung zu bringen, was genau auf uns zukommen könnte«, so Gschoßmann. Denn die genauen Pläne der Europäischen Union sind auch den Bauern bislang nicht bekannt. Welche Ziele hat die EU und wie genau sieht die von Deutschland eingebrachte Variante aus? Darüber will man nun Informationen sammeln.

Herbert Gschoßmann setzt seine Hoffnung auf eine Formulierung in der geplanten Verordnung, die den hiesigen Bauern zugute kommen könnte. Darin heißt es, dass Deutschland bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie die »lokalen landwirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen« berücksichtigen wolle »Es muss also zunächst abgeklärt werden, ob es Ausnahmen für unsere Bauern geben kann«, betont Gschoßmann.

Das Problem bei einem kompletten Düngeverbot ist für die Bauern vor allem die Abnahme der Futterqualität. Bezirksalmbauer Stanggassinger formuliert es so: »Das Gras baut dann so ab, dass du höchstens noch einen Esel damit füttern kannst.« Darüber hinaus hätten die Bauern dann noch das Problem, den anfallenden Mist und die Gülle los zu werden. »Es ist doch eine normale Kreislaufwirtschaft, wenn ich den anfallenden Mist und die Gülle wieder auf den Feldern ausbringe«, fügt Kathrin Brandner an.

Die Ramsauer Ortsbäuerin hat durchaus Verständnis dafür, dass die EU den Nitrateintrag ins Grundwasser reduzieren will. Doch ist sie der Überzeugung, dass die Abschwemmung von den Feldern im Berchtesgadener Talkessel äußerst gering ist. »Unser Vieh ist im Sommer eh auf der Alm, da kommt nicht viel Gülle zusammen. Außerdem muss man halt mit Gespür düngen, dann passiert auch nichts«, sagt Kathrin Brandner, die kein Verständnis für den fortschreitenden Bürokratismus hat: »Auf der einen Seite werden wir Bauern für unsere Arbeit gelobt und bekommen Steilhangförderung, auf der anderen Seite haut man uns dann von hinten das Messer rein.«

Kathrin Brandner weiß, dass sich die Schönauer Ortsbäuerin Christa Brandner bereits an Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber gewandt hat. Die wiederum soll bereits eine entsprechende Anfrage an das Landwirtschaftsministerium gestellt haben. »Wir müssen jetzt die Politik ins Boot holen und die Öffentlichkeit über die drohende Gefahr informieren«, sagt die Ramsauer Ortsbäuerin. Sie hat bereits entsprechende Schilder vorbereitet, die in den nächsten Tagen auf verschiedenen Ramsauer Feldern aufgestellt werden sollen.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann jedenfalls versichert den Bauern seine Unterstützung: »Die Kommunen stehen hinter Euch. Schließlich ist es auch für den Tourismus von entscheidender Bedeutung, dass die Felder ordentlich bewirtschaftet werden«. Ulli Kastner