weather-image
22°

Baustraße am Mitterkaser in der Warteschleife

2.8
2.8
Bildtext einblenden
Argwöhnisch betrachtet dieses Birkhuhn die Bauarbeiten am Jenner. Für BN-Kreisvorsitzende Rita Poser wird bei dem Projekt für den Schutz der Tiere zu wenig getan. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Die vom Landratsamt eingestellten Arbeiten für die Errichtung der Jennerbahn-Baustraße oberhalb der Mitterkaseralm (wir berichteten) dürfen am 1. Juni wieder aufgenommen werden.


Wie die Regierung von Oberbayern auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« mitteilte, hatte die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) zwei Wochen zu früh mit der Baumaßnahme in oberen Höhenlagen begonnen und damit gegen eine artenschutzrechtliche Auflage der oberen Naturschutzbehörde verstoßen. Mit dem Bund Naturschutz, der mit der Bauausführung insgesamt unzufrieden ist, soll es am Dienstag eine gemeinsame Begehung geben.

Anzeige

Ende April musste der Aushub auf die Koppenleiten eingestellt werden (zum Bericht).

In dem Bereich oberhalb der Mitterkaseralm liegt ein Balzhabitat der europarechtlich geschützten Birkhühner. Um den Gebiets- und Artenschutz zu gewährleisten, hatte die Regierung von Oberbayern im Genehmigungsbescheid für den Bau der Baustraße festgelegt, dass während der Frühjahrsbalz des Birkhuhns (zwischen Anfang April und Ende Mai) oberhalb der Mitterkaseralm keine Bauaktivitäten stattfinden dürfen. In der genannten populationsökologisch besonders bedeutsamen Zeit wurde dennoch oberhalb der Mitterkaseralm weitergebaut und damit gegen die Auflage verstoßen. »Um die Einhaltung der Auflage sicherzustellen, hat die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt den Bau in diesem Bereich vorläufig eingestellt«, so die Regierung auf Anfrage. Da das Verbot nur bis Ende Mai gilt, können die Arbeiten am übernächsten Donnerstag, 1.  Juni, wieder aufgenommen werden.

Bürgermeister Hannes Rasp räumte gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« ein, dass das Verhalten der BBAG hier nicht korrekt gewesen sei. Allerdings verwies der Rathauschef auf eine Einschätzung der sogenannten Umweltbaubegleitung, die für die ökologische Bauaufsicht zuständig ist. Das Büro Narr-Rist-Türk aus Marzling habe auf Antrag der BBAG im betroffenen Gebiet ein Monitoring durchgeführt und dabei festgestellt, dass die Hauptbalzzeit der Birkhühner bereits abgeschlossen sei. Eine frühzeitige Fortführung der Bauarbeiten auch im oberen Bereich habe das Planungsbüro für durchaus möglich gehalten und einen entsprechenden Antrag an die Regierung empfohlen. Ohne auf die – letztendlich negative – Entscheidung der oberen Naturschutzbehörde zu warten, hatte man die Arbeiten einfach weiterlaufen lassen.

Für Rita Poser, Kreisvorsitzende im Bund Naturschutz, ist das Thema mit der jetzt gewährleisteten Einhaltung der Frist allerdings nicht beendet. Sie bedauert, dass auch in anderen Bereichen Balzplätze zerstört würden, die Straße zu breit sei, zu viel Wald gerodet werde und der Mutterboden nicht wieder eingesetzt werde. Das sieht Bürgermeister Hannes Rasp allerdings anders: »Für mich hat die Firma hier bestens gearbeitet, die Grasvasen perfekt abgetragen und wieder aufgebracht«. Dass die Straße – geländebedingt – in einigen Teilbereichen vielleicht etwas breiter geworden sei, mag Rasp nicht ausschließen. Aber alle vom Bund Naturschutz kritisierten Ablagerungen seien mit den zuständigen Behörden und Organisationen abgestimmt und genehmigt worden. Ob es Verbesserungsbedarf gibt, will man im Rahmen einer gemeinsamen Ortsbegehung mit BBAG, Bund Naturschutz und Umweltbegleitung am Dienstag, 30. Mai, klären.

Große Sorgen um das Jennerbahn-Projekt macht sich Bürgermeister Hannes Rasp indes nicht. »Wir wären zwar um jeden Tag, an dem wir früher auch in oberen Bereichen bauen können, froh gewesen. Aber wir liegen noch gut im Zeitplan.« Denn die Baustraße unterhalb des Mitterkasers kann aktuell noch vervollständigt werden, der Kellerbau an der künftigen Talstation ist bereits im vollen Gang. Weil dort die Aushubarbeiten bereits seit einiger Zeit abgeschlossen sind, ist der Druck, das Material unterzubringen, zumindest aktuell nicht mehr da. Die Ablagerung an verschiedenen Orten im Talkessel hatte zuletzt auch für erhebliche Kritik gesorgt. Bürgermeister Hannes Rasp verweist allerdings darauf, dass für die Entsorgung des Materials nicht der Bauherr zuständig ist: »Wir haben den Auftrag an eine Firma vergeben. Wo die das Material dann hinbringt, ist nicht unsere Sache.« Wenigstens beim Bau der Bergstation wird kein echter Aushub anfallen. Hier muss gesprengt werden, der Fels wird zerkleinert und in die Baustraße eingebracht.

Womöglich wird sich die BBAG aber bald noch mit einem anderen Problem befassen müssen. BN-Kreisvorsitzende Rita Poser kündigt nämlich bereits an, dass man mit der geplanten Sprengung eines Felsrückens am Mitterkaserlift nicht einverstanden ist. Poser: »Das Gebiet liegt im Nationalpark und ist prioritärer Lebensraum.« Ulli Kastner