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Schüler zeigen großes Interesse an Berufsmöglichkeiten – Zweiter Teil der Reportage

Bauzeichner, Bäcker oder Busfahrer?

Berchtesgaden – 80 Unternehmer und Schulen mit Infoständen, dazu Vorträge und Workshops – den Schülern und Jugendlichen wurde beim 4. Infotag Beruf und Studium im Kongresshaus Berchtesgaden viel geboten. Das wichtigste Ziel des Fördervereins Jugend-Treff.5 als Veranstalter: Betriebe und Schüler auf kurzem Weg zusammenbringen, den Schülern zeigen, welche Branchen, Betriebe und welche Schulen es in der näheren Umgebung für sie gibt. Auch im zweiten Teil der Reportage schildert der »Berchtesgadener Anzeiger« Eindrücke von Besuchern und zufällig ausgewählten Ausstellern.

Ob sich tatsächlich alle Mädchen hier für den Beruf des Busfahrers interessieren, ist unklar. Claus Graßl von der RVO genießt auf alle Fälle die Messeatmosphäre. (Fotos: Hudelist)
Bäckerlehrling Christoph Hackl zeigt einem Freund, wie man Brezen flechtet, doch der kann es überraschenderweise schon.
Bauzeichner oder Straßenwärter, das sind die Ausbildungsberufe, die Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt in Berchtesgaden vorstellte.
Werken mit Holz, das zeigte Walter Ziegler beim Infotag hier im Bild zwei interessierten Mädchen.
Thomas Benner (l.) von der Spedition Dachser in Ainring hält den Beruf des Speditionskaufmanns für einen Zukunftsberuf, »außerdem kommt man auch hinaus in die Welt.«

Fast das gesamte Kongresshaus in Berchtesgaden ist mit dem Infotag belegt, wobei die Infostände in der Verbindungshalle zumindest um die Mittagszeit am dichtesten besucht sind, gefolgt vom Foyer, wo vor allem die Friseurinnung der Magnet ist. Weniger los ist, zumindest zwischen 11 und 13 Uhr, im Großen Saal des Kongresshauses, hier sind Menschentrauben nur beim Fahrsimulator der Fahrschule Renoth und bei der Werkstatt der Schnitzschule zu sehen, viele andere Infostände wirken verwaist.

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Sichtlich enttäuscht ist Christoph Geistlinger vom Schülerforschungszentrum: »Also, der Besuch hier bei uns ist doch eher ruhig, auf der Berufs-Info-Messe in Salzburg hat unser 3-D-Laserdrucker die Schüler nur so angezogen«. Dabei wollte Geistlinger am Infotag sogar einen Jugendlichen finden, der den Bundesfreiwilligendienst ab Juli im Schülerforschungszentrum absolviert.

Auch in der Mini-Backstube von Max Niedermayer aus der Ramsau werkt der 16-jährige Christoph Hackl alleine vor sich hin, knetet Teig und flechtet Brezen. Während sein Chef klagt, dass der Arbeitsbeginn um 2 Uhr doch viele Bewerber abschrecke, steht für Christoph fest, dass Bäcker eigentlich der ideale Beruf sei. »Man ist immer im Warmen, es ist eine gemütliche, handwerkliche Arbeit und auch nicht so anstrengend«, so der 16-Jährige mit einem fast schon flammenden Plädoyer für seinen Berufsstand.

Schnitzschule: Schüler aus Deutschland und Österreich

Richtig viel los ist, wie auf allen Messen, da, wo die Besucher selbst was tun können, wie zum Beispiel bei der Berufsfachschule für Holzschnitzerei in Berchtesgaden. Fachlehrer Walter Ziegler zeigt eben zwei jungen Mädchen den richtigen Umgang mit einer Säge. »Wir haben Schüler aus ganz Deutschland, aber auch aus Niederösterreich, aus Innsbruck und zwei Schüler aus Großgmain«, so Ziegler stolz.

Auch er präsentiert seine Schule im Herbst immer auf der BIM, »hier in Berchtesgaden ist halt alles viel regionaler, Schüler entdecken, welche Branchen und Unternehmen es hier überhaupt gibt, das ist im Sinn der Sache.«

»Auf der BIM ist zu viel Drumherum«

Begeistert vom Infotag ist geradezu Josef Jerger von der Agentur für Arbeit, der die Messe für sehr wichtig hält. »Hier kann ich nach einer Beratung zu den Schülern sagen, geht's bitte gleich zur Firma XY und meldet euch dort.« Im Vergleich dazu würden auf der BIM die Schüler zumindest an den beiden ersten Tagen nur klassenweise durchgeschleust, »zudem wird da zu viel Drumherum geboten, eine wirkliche Beratung findet da meist nicht statt.«

In Berchtesgaden kennt Jerger den einen oder anderen Schüler sogar von der Berufsberatung an den Schulen, er informiert auch über Lehrberufe in Salzburg, »speziell von Berchtesgaden oder von Freilassing aus sind die Unternehmen für die Schüler ja schnell zu erreichen.« Die Liste der Traumberufe wird bei den Burschen übrigens immer noch vom Kfz-Mechatroniker angeführt, bei den Mädchen steht, nein nicht Friseuse, sondern Medizinisch-technische Assistentin ganz oben.

Busfahrer ist nicht gleich Busfahrer

Dass Busfahrer ein eigener Lehrberuf ist, erstaunt viele am Infostand des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO). Busfahrer Claus Graßl erklärt, dass der dreijährige Lehrberuf »Fachkraft im Fahrbetrieb« damit endet, dass der Lehrling den mittlerweile 10 000 Euro teuren Busführerschein bezahlt bekommt. Für Azubi Florian Weißer im dritten Lehrjahr ist es also bald soweit, »außerdem hab ich gerne mit Menschen zu tun und, was kann man sich besseres vorstellen als den ganzen Tag mit einem Bus herumzufahren.«

Noch besser könnte vielleicht nur sein, den ganzen Tag mit einem Triebwagen der Berchtesgadener Land Bahn herum zu fahren, denn auch die BLB bildet jedes Jahr Zugbegleiter und Triebwagenführer aus. Ulrike Hagen ist selbst Zugbegleiterin zwischen Berchtesgaden und Salzburg, »die Ausbildung zur Zugbegleiterin dauert knapp vier Monate«. Die Salzburg AG als 50-Prozent-Eigentümer der BLB nutzt die Gelegenheit und hat auch gleich Christine Unterweißbacher mitgeschickt, die im 3. Lehrjahr bei der Salzburg AG Anlagen- und Betriebselektrotechnik lernt. »Bei uns kann man unter neun verschiedenen Lehrberufen wählen«, so Unterweißbacher. Ob unter den 65 Salzburg AG-Lehrlingen auch einer aus Berchtesgaden ist, »das weiß ich nicht, aber aufgefallen ist mir noch keiner«, lacht die 18-Jährige.

Neben dem Landratsamt, dem Finanzamt, der Bayerischen Polizei und der Bundespolizei (»Heute suchen wir ausnahmsweise die Guten«) ist auch das Staatliche Bauamt in Traunstein vertreten. »Auch wir bilden aus, entweder zum Straßenwärter oder zum Bauzeichner«, so Martin Bambach. Aber auch für studierte Bauingenieure ist es nach Ansicht des Straßenplaners wichtig zu wissen, dass es auch in der Region Möglichkeiten gibt, »und wo sonst kann ein Bauingenieur unabhängig von einem Bauherrn kreativ planen.«

Insgesamt kamen rund 900 Interessenten zum bislang erfolgreichsten Infotag ins Kongresshaus, was auch Organisatorin Heike Mechelhoff frohlocken ließ: »Ich freue mich für die Jugendlichen, für die Aussteller und für die Bürger, weil unser Aktionstag gezeigt hat, dass in der Region alle an einem Strang ziehen.« Michael Hudelist