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Bayerisch, fetzig und originell

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Präsentierten ihre CD »Mundgrecht« im Bauerntheater (v.l.): Manfred Zuhra, Claudia Nossylavsky, Wolfgang Höllerer, Raimund Nitsche und Konrad Stöckl. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Das Berchtesgadener Bauerntheater als Konzertsaal erlebten am Freitag und Samstag insgesamt rund 300 begeisterte Besucher.


An zwei Abenden präsentierten Konrad Stöckl (Gitarre), Manfred Zuhra (Gesang und Gitarre), Claudia Nossylavsky (Gesang), Raimund Nitsche (Bass) und Wolfgang Höllerer (Schlagzeug) ihre neue CD »Mundgrecht«. Darauf verleihen sie den 13 Songs des vor drei Jahren verstorbenen Ramsauer Liedermachers Wolfgang Graßl einen neuen Anstrich.

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Die Songs im Stile eines modernen Austro-Pops waren eine Hommage an Wolfgang Graßl, den Konrad Stöckl als seinen »ersten Mentor« bezeichnete. Doch der Ramsauer Liedermacher überzeugte nicht nur als Komponist, sondern stach auch durch seine oft emotionalen, manchmal auch gesellschaftskritischen oder humorvollen bayerischen Texte aus der breiten Masse der Songwriter heraus.

Konrad Stöckl & Co. wollten Wolfgang Graßls Lieder aber nicht einfach nachspielen, sondern neu interpretieren. Mit teilweise veränderten Rhythmen, aufgepeppten Refrains und mehrstimmigem Gesang gewannen die Songs an Tiefe und an Dynamik. Graßl-Klassiker wie »Die Frau am Balkon« oder »Die Zeit lauft für mi« spielte man im Country-Stil, »I woaß, dass du gern Schnitzel magst« erklang als Swing und dem »Jagamond« verpasste die Band die tragische Schwere einer gespenstischen Vollmondnacht.

Freilich durften an diesem Abend die großen Klassiker nicht fehlen, mit denen in den 80er-Jahren die »Wolfgang Graßl Band« immer wieder ihre Fans begeistert hatte: »Oida Mann in Jeans«, »Wann i dram« oder das allseits bekannte »Karibikfiaber«, in dem Wolfgang Graßl vor über 30 Jahren seiner Fantasie freien Lauf gelassen hatte, als er von einem Leben in Jamaika träumte.

Wolfgang Graßl selbst wäre sicherlich arg gerührt gewesen, wenn er diese beiden Abende zu seinen Ehren noch hätte erleben dürfen. Und er hätte sich – wie auch das Publikum – kaputt gelacht über die lustigen Anekdoten rund um die Entstehung der Songs, die Konrad Stöckl und Manfred Zuhra zu erzählen wussten. Beispielsweise von den beiden Einheimischen, deren imitierte Brunftschreie mehrere Hirschkühe angezogen hatten und sie deshalb auf einem großen Stein ausharren mussten. Oder von der »Schuastahäusl Mare«, die von ihrem Haus am weltberühmten Steg aus alles mitbekam und als Ramsauer Kommunikationszentrum galt. Ein erfrischendes Wochenende der etwas anderen Art war es auch für Bauerntheater-Betreiberin Elisabeth Hölzl-Michalsky, die sich bei allen Akteuren mit Blumen bedankte. Ulli Kastner