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Bedrohung aus der Watzmann-Westflanke

In der Westflanke des Watzmanns bedroht ein absturzgefährdeter Felsturm das Wimbachgries.
Wie lange wird das Griesköpfl hier noch stehen? Das wissen auch die Experten nicht. Fotos: Kellerbauer

Ramsau – 500 Meter oberhalb der Wimbachgrieshütte droht auf rund 1 850 Metern Seehöhe ein riesiger Felsturm abzubrechen. So könnten enorme Steinmassen zu Tal stürzen. Jetzt stellte eine Expertengruppe fest, dass wenigstens die Wimbachgrieshütte nicht direkt gefährdet ist. Die Ergebnisse wurden im »Haus der Berge« vorgestellt.


Die Expertengruppe traf sich in dieser Woche, um den Ausführungen des Geologen Dr. Stefan Kellerbauer über eine mögliche Gefährdung der Wimbachgrieshütte und der Zugangswege zur Hütte zu folgen. Dabei wurde deutlich, dass sich die Hütte zwar am Rande einer Gefährdungszone befinde, eine direkte Gefährdung jedoch ausgeschlossen werden könne. Allenfalls die Zugangswege zur Hütte könnten durch abstürzende Felsmassen behelligt werden. Felsstürze könnten jedoch in einem hochalpinen Gelände nie ganz ausgeschlossen werden, hieß es.

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Das sogenannte »Griesköpfl« an der Westflanke des Watzmanns sei bereits seit langem als ein absturzgefährdeter Bereich bekannt. Der Nationalpark Berchtesgaden sah sich somit verpflichtet, das Gefahrenpotenzial zu beurteilen, die Naturfreunde-Sektion Bezirk München schloss sich als Eigentümer der Wimbachgrieshütte der Expertise durch Dr. Stefan Kellerbauer an. Schließlich muss sich der Eigentümer um eine mögliche Gefährdung kümmern und so ist es Sache des Nationalparks, die Öffentlichkeit vor Schäden zu bewahren.

Dr. Kellerbauer erklärte, dass der absturzgefährdete Turm schon seit Langem bekannt sei und der Platz der Hütte auch mit großem Bedacht ausgewählt worden sei. Schließlich war bekannt, dass es im Wimbachgries durch sehr brüchiges Gestein immer wieder zu Felsstürzen kam und auch kommen wird.

Das besagte absturzgefährdete Griesköpfl liegt so gut wie unerreichbar in einer Höhe von 1 850 Metern, der Felsturm sieht bei näherer Betrachtung recht kritisch aus. Man nahm zunächst an, dass geschätzte 2 500 bis 5 000 Kubikmeter Fels absturzgefährdet sind. Doch nicht nur dieser Turm sieht gefährlich aus, es gibt auch noch weitere Felsnasen, die jederzeit zu Tal stürzen können. Wann das passiert, kann niemand voraussagen.

Am Griesköpfl wird wohl einmal ein Teil mit zirka acht Metern Höhe abbrechen, darauf lassen Luftbilder schließen. Man geht dann von einem Absturzvolumen von 400 bis 600 Kubikmetern Fels aus. Die Luftbilder zeigen jedoch auch, dass sich zwischen 1953 und 1973 wenig bewegt hat. Wenn jedoch besagter Nordturm fällt, dann könnte auch der mittlere Turm einmal folgen. Dabei könnte man Blockgrößen von zwei auf zwei Meter, im Extremfall von fünf mal acht Meter erwarten, die zu Tal stürzen.

Doch zum einen würden sich die Felsmassen bei einem Absturz nach Hunderten von Metern erst einmal gehörig zerlegen und im Weiteren schützt ein Felsriegel auf 1 500 Metern Höhe die Wimbachgrieshütte vor direkter Bedrohung. Allenfalls der Weg zur Hütte könnte durch kleinere Felsmassen in Mitleidenschaft gezogen werden, war den Ausführungen des Geologen Dr. Kellerbauer zu entnehmen. So müsse man eigentlich nur den Weg zur Hütte etwas verlegen, um aus der möglichen Gefahrenzone bei einem Felssturz zu kommen.

Eine klare Absage erteilte Dr. Kellerbauer den Vorhaben, die absturzgefährdeten Türme zu sprengen. Dies wäre logistisch kaum lösbar und würde in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial stehen. Ein Abbruch im Winter oder im Frühjahr auf einer mächtigen Schneedecke würde zwar zu einer wesentlich größeren Auslaufweite führen, wäre aber dennoch unerheblich, weil die Hütte nur im Sommer bewirtschaftet wird. Dr. Stefan Kellerbauer empfahl der Nationalparkverwaltung, die Lage zu überwachen und mit Fotos zu dokumentieren. Christian Wechslinger