weather-image
27°

»Begeisterung am Begreifen« wecken

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Kleister und die Heimatzeitung sind wunderbar zum Basteln und Kreativsein geeignet. Fotos: Anzeiger/Jander
Bildtext einblenden
Die neue Werkstatt des Schülerforschungszentrums wurde bei der Einweihung hoch gelobt.

Berchtesgadener Land – Da alle Theorie ohne Praxis nur die Hälfte wert ist, freut man sich am Schülerforschungszentrum umsomehr, dass nun auch eine Werkstatt eingeweiht und in Betrieb genommen werden konnte. Gerade hier soll die »Begeisterung am Begreifen« gefördert werden, wie Werkstattbetreuer Jürgen Gasteiger beim Festakt unterstrich. In der Einrichtung im alten Gymnasium von Berchtesgaden ziehen Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunalpolitik an einem Strang und sorgen dafür, dass sich schon Kinder für Technik begeistern können.


Vieles ist neu beim Schülerforschungszentrum (SFZ) Berchtesgadener Land: so etwa die Trägerschaft durch den Landkreis oder auch Geschäftsführer Christoph Geistlinger, der die zahlreichen Gäste bei der Einweihung der neuen Werkstatt begrüßen durfte. Ebenso gab er einen Überblick über die neue Struktur: So umfasst die Angebotspalette neben Schülerforschung und Labor auch Lehrerfortbildungen und verschiedene Veranstaltungen.

Anzeige

Ohne Wenn und Aber steht Landrat Georg Grabner hinter dem Vorhaben, das weit über den Landkreis hinaus Strahlkraft entwickelt: »Wir sind Pioniere auf dem Gebiet Schülerforschungszentrum, bayernweit gibt es nichts Vergleichbares.« Dass da nicht alles von Beginn an reibungslos läuft, ist klar, dennoch sieht Grabner die Einrichtung auf »einem guten, einem sehr guten Weg«. Dies ist in seinen Augen auch dem besonderen Engagement geschuldet, dass Wissenschaft und Wirtschaft hier gemeinsam an den Tag legen: »Während der Landkreis Träger ist, deckt die TU München den wissenschaftlichen Bereich und bringt sich hier in hervorragender Weise ein – genau wie unsere heimischen Unternehmen. Wenn es um unseren Landkreis geht, sind wirklich alle dabei und das rechne ich euch hoch an.«

Besonders lobend erwähnte der Landrat Engelbert Sellmaier als Vorsitzenden des Fördervereins sowie Heinz Quittenbaum, die sich beide als treibende Kraft bei der Einrichtung der Werkstatt ausgezeichnet haben. Finanziert wird das ganze mit Mitteln des Fördervereins, der TU München sowie der Deutschen Telekom-Stiftung. Ebenso hob Grabner Monika und Jürgen Gasteiger sowie die wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Claudia Kugelmann hervor: »Hier sind lauter Leute, die nicht nur reden, sondern auch handeln.«

Dazu zählt auch Bürgermeister Franz Rasp, denn der Markt Berchtesgaden ist Eigentümer des Gebäudes: »Wir sind überzeugt, dass wir hier in das Richtige investieren.« Der Rathaus-Chef hat extra einen Winkel mitgebracht, um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass Kinder sich mit Werkzeug auseinandersetzen können: »Sägen, basteln, schrauben, machen – das ist ganz wichtig für die Entwicklung.« Er lobte zudem die tolle Ausstattung der Werkstatt, wünschte »viel Spaß beim Ausprobieren, wenig Wehtun« und regte dennoch das Aufstellen einer Pflaster-Box an.

Einen Blick zurück warf Fördervereins-Vorsitzender Engelbert Sellmaier: »Ich wäre froh gewesen, wenn es so etwas in meiner Kindheit gegeben hätte.« Er freute sich, dass in so kurzer Zeit schon so viel erreicht werden konnte, und bat alle Anwesenden, kräftig die Werbetrommel zu rühren für das Schülerforschungszentrum. Wichtig ist Sellmaier auch, dass niemand außen vor bleiben muss: »Wir werden es auch Kindern aus Familien mit wenig Geld ermöglichen, hierher zu kommen. Jeder soll dieselben Möglichkeiten haben.«

Ebenso betonte er, wie wichtig es für die Unternehmen im Landkreis ist, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und deswegen auch die Begeisterung der Kinder für sogenannte »MINT«-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Und auch das nächste Projekt des Fördervereins steht schon fest: eine neue Homepage für das Schülerforschungszentrum inklusive der Nutzung sozialer Netzwerke.

Großen Applaus gab es für Jürgen Gasteiger – nicht zuletzt, weil Dr. Kugelmann verriet, dass er einen Familienurlaub mit dem Wohnmobil damit verbracht hat, Schülerforschungszentren in ganz Deutschland zu besuchen und sich Anregungen zu holen. Eine der Aufgaben der Lehrer ist es vor allem, die Konkurrenz von Computerspielen und Internet nicht zu übermächtig werden zu lassen: »Wir müssen die Kinder dabei nicht nur für Werkzeuge begeistern, sondern ihnen auch den Wert von Technik näherbringen.« Gasteiger hat es sich zum Ziel gesetzt, Fähigkeiten zu fördern, die »bei vielen Kindern schon verkümmert sind«, so etwa eigenständiges Denken, echte Kreativität, 3D-Vorstellungsvermögen und Geduld.

Das Schlusswort war schließlich der wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Kugelmann vorbehalten: »Es gibt etwa 50 MINT-Zentren in Deutschland, aber das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land ist einzigartig als Bildungszentrum für jedermann, mit der Werkstatt als Herzstück. Es ist unser aller Aufgabe, diese Einrichtung ins Laufen zu kriegen und am Laufen zu halten.« Thomas Jander

Weitere Impressionen der Werkstatteröffnung finden sich auch unter www.berchtesgadener-anzeiger.de.