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Beim Bau brennt's

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Dunkle Wolken über dem Berchtesgadener Feuerwehrhaus: Die Erweiterung wird deutlich teurer als geplant. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Da mussten Bürgermeister und Gemeinderat erst mal schlucken: Eine satte Kostensteigerung gibt es bei der Erweiterung des Feuerwehrhauses...


Denn, wie Marktbaumeister Peter Hasenknopf verkündete, steigen die Kosten für die Erweiterung des Feuerwehrhauses um 25 Prozent auf 1,25 Millionen Euro. Der Grund: Massive Fehlkalkulationen der Planungsgemeinschaft Herzinger und Dufter. Der Gemeinderat genehmigte die zusätzlichen Finanzmittel nach langer Diskussion trotzdem einstimmig.

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»Das ist äußerst unerfreulich«, sagte der Bürgermeister gleich zu Beginn. Denn in der rund eineinhalbjährigen Planungsphase sei man stets von einem Kostrahmen von einer knappen Million Euro ausgegangen. Inzwischen seien 50 Prozent der Aufträge vergeben. Die Planer hätten sich »in wesentlichen Punkten verhaut«. Zudem haben sie den Gemeinderat zu spät über ihre Fehler informiert. »Das Gebäude ist so viel wert. Das haben wir aber nicht bestellt«, so Rasp. Die Gemeinde werde nun Regressforderungen stellen.

Ursprünglich hatte die Planungsgemeinschaft Kosten in Höhe von 987 000 Euro errechnet. Im Haushalt waren 887 000 Euro eingeplant. Wie Marktkämmerer Richard Beer erklärte, werden die nun fehlenden 340 000 Euro aus den Rücklagen der Gemeinde entnommen.

Erst am Donnerstag bezifferten Heringer und Dufter den Betrag mit 1,25 Millionen Euro. Eine Kostensenkung durch Einsparmaßnahmen am Bau schloss der Marktbürgermeister kategorisch aus. »Wir werden keine Kosten zu Lasten der Gebrauchstauglichkeit einsparen. Der Bau wird einen notwendigen Standard erfüllen«, so Franz Rasp.

Laut Architekt Christian Herzinger, der in der Sitzung die Berechnungsfehler erläuterte, seien die Kalkulationen vor allem bei den Ausbaugewerken der Außenelemente, hier in erster Linie bei der Dachdeckung und der Abdichtung, falsch gewesen. Auch habe man die Kosten der Abbrucharbeiten zu wenig berücksichtigt.

Hans Kortenacker (BBG) wollte wissen, ob mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen sei. Immerhin seien erst die Hälfte der Aufträge vergeben. Während Herzinger die Frage verneinte, gab Franz Rasp zu bedenken: »Das kann immer passieren.« Manfred Leubner (Grüne) wunderte sich vor allem darüber, dass es in Einzelpositionen zu einer Steigerung bis zu 50 Prozent gekommen sei. Dennoch positionierte er sich klar für die Erweiterung. »Die Kostensteigerung ist eine unschöne Sache. Aber wir werden damit leben müssen«, betonte er.

Michael Koller (FW) ärgerte sich darüber, dass die Planer nicht nur die Kosten viel zu niedrig angesetzt, sondern auch den Gemeinderat zu spät informiert hatten. »Aber vielleicht haben wir ja Glück und die Kosten gehen bei den noch ausstehenden Gewerken etwas runter.« Außerdem fragte sich Koller, ob ein Regress wirklich sinnvoll sei. Bürgermeister Rasp betonte, dass es gerechtfertigt sei, das Geld abzurufen. Immerhin handle es sich um Steuergeld.

Für Josef Prex (CSU) steht fest: »Saubled g'laffn.« Er stellte aber klar, dass er auch zugestimmt hätte, wenn der Bau von Anfang so teuer gewesen wäre. Schließlich sei der Brandschutz eine Pflichtaufgabe von Kommunen. Bartl Wimmer (Grüne) wollte die Fortführung der Erweiterung erst gar nicht zur Debatte stellen. Er halte den allgemeinen Trend falscher Kostenkalkulationen bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand für »völlig inakzeptabel. Das darf man nicht durchgehen lassen.« Christian Fischer