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Beliebter Seelsorger und Ahnenforscher

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Noch vor gut einem Jahr konnte Pfarrer Franz Sturm bei bester Gesundheit sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Am Sonntag verstarb der beliebte Auer Seelsorger im Alter von 84 Jahren. Foto: Anzeiger/B. Stanggassinger

Berchtesgaden/Au - Gut ein Jahr nach seinem Goldenen Priesterjubiläum verstarb am Sonntag in Berchtesgaden nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren Pfarrer Franz Sturm, der seit 1971 in der Pfarrei Au wirkte. Vor 51 Jahren war der beliebte Seelsorger im Dom zu Freising zum Priester geweiht worden. In seiner Heimatgemeinde Otting, wo er seine Primiz gefeiert hatte, wird er am kommenden Donnerstag auch beerdigt.


Am 25. Oktober 1929 wurde Franz Sturm als neuntes von 14 Kindern auf dem vom Großonkel Kaspar Kraxenöster geerbten Stidlanwesen in Dieperding nahe Otting bei Waging am See geboren. Seine Kindheit war einfach, der Schulweg in die Dorfschule nach Otting weit. Ein eigenes Fahrrad hatte zu dieser Zeit kaum ein Bub, andere Fahrgelegenheiten gab es nicht. Der Unterricht dauerte schon im ersten Schuljahr von 8 bis 15 oder 16 Uhr.

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Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Kinder, die die 8. Klasse besuchten, vom Schulbesuch befreit. Sie mussten zu Hause auf dem Hof helfen, denn die Männer waren im Krieg. Auch auf dem Stidlanwesen war das der Fall. Im Februar 1945 musste sich auch Franz dennoch »freiwillig« zum Dienst melden. Nun oblag ihm die Verteidigung der Heimatfront im Berchtesgadener Land. Nachdem die älteren Brüder gefallen waren, blieb Franz auch nach Kriegsende auf dem elterlichen Hof.

Nach dem Krieg gab es wenige Seelsorger. So wuchs in ihm allmählich die Erkenntnis und der Wunsch, Priester zu werden. Am 3. September 1952 trat Franz Sturm in das Spätberufenenseminar in Fürstenried ein. Nachdem die erste Hürde 1957 mit dem Abitur genommen war, konnte er an der philosophisch-theologischen Hochschule in Freising studieren. Am 29. Juni 1963 wurde Sturm zusammen mit 19 Mitbrüdern von Weihbischof Johannes Neuhäusler zum Priester geweiht. Primiz wurde am 7. Juli 1963 in der Heimatgemeinde Otting mit einem großen Gottesdienst gefeiert. Es kamen bis zu 6 000 Gläubige, um den Primizsegen zu empfangen.

Gleich darauf erbat ihn sein Heimatpfarrer Geistlicher Rat Alois Haslwimmer als Urlaubsvertretung und so durfte Franz Sturm den August 1963 zu Hause verbringen. Seine Zeit als Kaplan verbrachte er in Schnaitsee und in der Pfarrei St. Lantpert in Freising-Lerchenfeld. 1971 bewarb er sich auf mehrere Pfarrstellen, von denen ihm dann die Pfarrei Au zugesprochen und am 6. September 1971 mit der Investitur übertragen wurde. Der scheidende Pfarrer Fuchsreiter führte Franz Sturm in der Au ein.

In seinem Wirken auf der Au konnte Franz Sturm auf ein langes Arbeits- und Lebenswerk zurückschauen. Viele Stationen markieren dieses Werk: die Primiz von Wolfgang Liedtke 1983 und das 75-jährige Kirchweihjubiläum 1986 sowie das 100-jährige im Jahr 2011. Ebenso gehört der Bau der Franziskuskirche auf der Buchenhöhe 1991/92 zu diesen Stationen. Seit dieser Zeit lag diese Kirche in seinem Dienstbereich.

Pfarrsaal und die Pfarrkirche wurden innen und außen renoviert und diese Renovierung konnte 2011 abgeschlossen werden. Bei all diesen Arbeiten standen ihm seine Pfarrangehörigen zur Seite. Vieles wäre ohne seine starke Gemeinde nicht möglich gewesen. Die vielen schönen feierlichen und geselligen Feste im Jahreskreis, Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionen und die Feier der hl. Firmung dürfen dabei natürlich auch nicht vergessen werden.

Viele Bürger verdanken Franz Sturm den Grundstock ihres Glaubens. Er begleitete die Auer durch ihr ganzes Leben. Obwohl Sturm seit dem 1. September 2012 offiziell Pfarrer in Ruhe war, sorgte er bis zuletzt für seine Pfarrgemeinde. Gerne feierte er mit den Jubilaren der Pfarrei, er feierte vier- bis fünfmal in der Woche eine heilige Messe und hielt Beerdigungen.

Mit seinem Hobby, der Ahnenforschung, hat Pfarrer Sturm schon vielen Leuten in ihrer Familiengeschichte auch über die Grenzen Berchtesgadens hinaus weiterhelfen können. Ein einzigartiges Wissen, das er stets bereit war weiterzugeben, hatte sich dabei in den langen Jahren angesammelt.

Ein letztes großes Fest durfte Franz Sturm letztes Jahr am 7. Juli, dem Datum seiner damaligen Primiz, feiern. Die Herzlichkeit, mit der die Auer das Goldene Priesterjubiläum ihres Pfarrers begingen, zeigte einmal mehr die Beliebtheit und das hohe Ansehen, das Franz Sturm im Berchtesgadener Land besaß.

Die Berchtesgadener verabschieden Franz Sturm am Mittwoch, 13. August, um 18 Uhr in der Pfarrkirche Au mit dem Gebet des Sterberosenkranzes und einer hl. Messe aus seiner langjährigen Pfarrei. Das Requiem folgt am Donnerstag, 14. August, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Stephanus Otting, anschließend ist die Beerdigung im dortigen Priestergrab. Von Berchtesgaden aus besteht Mitfahrgelegenheit mit dem Bus. Die Abfahrt erfolgt am Donnerstag um 12 Uhr an der Kirche Au, um 12.10 Uhr am Kongresshaus Berchtesgaden und um 12.20 Uhr in Marktschellenberg. Anmeldung bei Omnibus Färbinger unter Telefon 08652/2801. AH/UK