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Benzin liegt in der Luft: »Avanti, Vespisti!«

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Coole Outfits, kultige Maschinen. Fotos: Anzeiger/kp
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Ein Sammler der besonderen Art: Franz Schmalzl, Organisator der »Giro Vespistico delle Alpi«, hat über 30 Vespas daheim.
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Auf geht’s nach Zell am See. Am Ende haben die Vespisti 1 200 Kilometer Strecke hinter sich gebracht.
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Alles mit an Bord - von der Armbanduhr über die Landkarte bis zum Handy. Peter Rohrer ist gut ausgestattet.

Berchtesgaden - Punkt neun. Zeit, die Motoren zu starten. 80 Vespas, darunter viele historische Modelle, knattern, dröhnen, poltern mitten im Berchtesgadener Markt, der letzten Zwischenetappe. Franz Schmalzl, der Organisator der Rallye »Giro Vespistico delle Alpi«, ist stolz auf seinen neuesten Coup: »Das ist die härteste Vespa-Rallye in ganz Europa«, sagt er, kurz bevor es auf die fünfte und damit letzte Tagestour in Richtung Zell am See geht.


Schmalzl ist der Vorsitzende des Vespa-Clubs Pinzgau. Sein Herz schlägt italienisch: Dutzende der beliebten Zweiräder hat er zu Hause in der eigenen Garage stehen. Seit über 30 Jahren fährt er Vespa. Der Virus hat ihn infiziert. »Jedes Jahr kommt ein neues Modell dazu«, erzählt er. Manchmal auch zwei. Ein Fuhrpark italienischer Kultmodelle nennt er sein Eigen. Warum er nun eine Rallye veranstaltet, entlang der Alpenstraßen durch Italien, Slowenien, Österreich und Deutschland? »Weil ich den Maschinen ein Denkmal setzen möchte«, sagt er.

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Schon in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es vergleichbare Rundfahrten. Vielleicht nicht über eine so weite Strecke, immerhin 1 200 Kilometer legen die »Vespisti«, die Fahrer, zurück. Aber schon damals legten die Lenker der weltweit bekannten italienischen Marke großen Wert auf schöne Landschaften. Und ein Fahrgefühl, das Seinesgleichen sucht. »Nur Vespas bringen das mit sich«, sagt ein Teilnehmer mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht.

Franz Schmalzl freut sich, dass die 80 Startplätze schon nach kürzester Zeit vergeben waren. Der jüngste Teilnehmer ist 21 Jahre, der älteste 74. Gemein haben alle, dass sie Vespa fahren, Vespas lieben. Genauso unterschiedlich wie das Fahrerfeld sind die Maschinen, die starten. Unterteilt sind sie in fünf Klassen: Fenomenale, Storicho, Sportivo, Nuovo und Moderno. Die älteste Maschine stammt aus den 50ern, »Lampe unten« nennt Schmalzl das Gefährt. Denn früher befanden sich die Lichter der Zweiräder direkt über dem Vorderrad. Heute ist das nicht mehr so. Die Lampen sind nach oben gewandert. Eines von vielen Unterscheidungsmerkmalen zwischen alten und neuen Zweirad-Modellen. Was begeistert, ist die Technik. »Die ist einfach«, sagt Schmalzl. Aber zuverlässig. Selbst fährt er eine Vespa von 1963, eine »180 Super Sport«, ein schnittiges Gefährt.

Peter Rohrer ist auch Rallye-Teilnehmer. Früher war er Vespa-Verkäufer. Der Vorarlberger werkelt an seinem roten Gefährt herum. »Ich starte erst in einer Stunde«, sagt er mit Blick auf die Uhr. Rohrer hat sich einige ganz besondere Schmankerl einfallen lassen. Seine Armbanduhr ist am Lenker seiner Vespa befestigt. Daneben prangen ein Handy und ein Navigationssystem. Auch mit dabei: ein Ablaufplan. Und eine Landkarte - falls er sich während der »Giro Vespistico delle Alpi« verfahren sollte. Peter Rohrer ist einer, der sich im benzinträchtigen »Sport« auskennt. Der Ruheständler betreibt das Vespa-Fahren aber nur mehr als Hobby. Dann aber richtig.

Die letzten vier Etappen der Rallye waren ein Sammelsurium aller nur denkbaren Wetterereignisse, weiß Rohrer zu berichten. Begonnen hat die 1 200-Kilometer-Rundfahrt bei Sonne, dann kam der Regen, teils richtig heftig. »Als wir bei einer Autobahntankstelle am Katschberg waren, hat es zu schneien begonnen«, erzählt er. Aber was kann das einem echten Vespa-Verfechter schon anhaben? Rohrer lacht. »Das ist schon anstrengend, eine wirklich harte Tour.« Die letzte Etappe nach Zell am See möchte er nochmal so gut wie möglich fahren. Denn immerhin geht es in der Rallye um Punkte. Nicht der Schnellste gewinnt, sondern der, der innerhalb einer bestimmten Zeit Aufgaben erfüllt. Chancen auf den Sieg hat der Rentner zwar keine, aber was zählt, ist das Dabeisein.

Franz Schmalzl steht bereits bei den Zeitnehmern. Der erste, der heute auf die Strecke geht, ist ein Italiener. Einer, der mit viel Spaß an die Sache geht. Die Uhr tickt. Noch zehn Sekunden. Der Italiener gibt Gas. Blauer Dunst jagt aus dem Auspuff. Seine Mitstreiter jubeln. 250 Kilometer Strecke liegen vor ihm. Fünf Sekunden. »Avanti«, ruft einer. Drei, zwei, eins. Die Vespa knattert laut auf, dann legt der Fahrer einen Wheely auf dem Hinterrad hin. Die letzte Etappe hat begonnen. kp