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»Berchtesgaden kann in 200 Jahren Wüste sein«

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Sie hatten Grund zur Freude: Die gesamten Einnahmen aus dem Neujahrsempfang kamen den Freiwilligen Feuerwehren des südlichen Landkreises zugute.
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Nach dem offiziellen Teil ging's zur Sache: Die Küchenmannschaft des Gebirgsjägerbataillons 232 hatte mit dem Buffett wieder ganze Arbeit geleistet.
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Die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee ernannte Bürgermeister Stefan Kurz aufgrund seiner Verdienste um die Gründung der Kapelle zum Ehrenkapellmeister. Kurz, der die Kapelle gleich selbst dirigieren durfte, bedankte sich mit den Worten: »Eine meiner größten Errungenschaften als Bürgermeister ist die Schaffung dieser Kapelle«.
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Öko-Journalist Dr. Franz Alt (r.) erhielt aus den Händen von Stefan Kurz, Vorsitzender der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, eine Spanschachtel. Fotos: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden – Mit düsteren Szenarien schockierte Dr. Franz Alt beim Neujahrsempfang im Kongresshaus Berchtesgaden die rund 600 Gäste im Großen Saal. »Berchtesgaden kann in 200 bis 300 Jahren in der Wüste sein«, so der Öko-Journalist und frühere Fernsehmoderator (»Monitor«) in seiner Festrede am Dienstag. Doch der 75-jährige Politikwissenschaftler und Theologe malte nicht nur schwarz, sondern belegte mit Zahlen und Bildern, dass die Energiewende rund um den Globus bereits weit fortgeschritten ist.


Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Bundeswehr, Sport und Gesellschaft waren zu dem alljährlichen Empfang ins Kongresshaus gekommen. Vor allem den Ehrenamtlichen in den Vereinen und Rettungsorganisationen sagte man an diesem Abend wieder Dank für ihr Engagement. Und so gingen die Einnahmen diesmal an die freiwilligen Feuerwehren des südlichen Landkreises. Eingeladen hatten zu dem großen Gesellschaftsabend die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, das Gebirgsjägerbataillon 232 sowie die fünf Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels. Für die musikalische Unterhaltung zwischen den Reden sorgte die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee unter der Leitung von Robert Stelzer.

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Festredner Dr. Franz Alt wählte drastische Formulierungen für den Einstig in seine Festrede: »Der Klimawandel ist in vollem Gange. Die Schneegrenze in den Alpen steigt jährlich im Durchschnitt um 30 bis 40 Meter.« Keinen Zweifel hat der Journalist daran, dass die Menschheit Schuld an der Misere trägt: »Wir rotten jeden Tag rund 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Die Natur braucht dagegen 30 000 Jahre, um eine neue Spezies zu schaffen. Wir spielen sozusagen Evolution rückwärts.« Wenn die Menschheit so weitermache, dann werde der Homo sapiens bald von der Erde verschwinden wie einst die Dinosaurier.

Aufgrund der derzeitigen Energiepolitik auf der Erde und gleichzeitig rasant anwachsender Bevölkerung sieht Dr. Franz Alt die zunehmende Gefahr von Kriegen um die verbliebenen Ressourcen. »Im 21. Jahrhundert wird es Kriege um die Ressourcen geben oder Frieden um die Sonne«, prognostizierte der Festredner. Der ließ an diesem Abend keinen Zweifel daran, dass er der Sonne die Lösung fast aller Energieprobleme auf der Erde zutraut. »Um die Sonne können wir keinen Krieg führen, denn die liegt außerhalb unseres Zugriffs. Dafür schickt sie täglich 15 000-mal mehr Energie zur Erde, als die Menschheit benötigt.«

Trotz aller mahnender Worte hatte der Journalist auch lobende Worte parat: »Bayern ist Solarweltmeister – und das ginge überall«. Für Dr. Franz Alt ist das größte Projekt der Menschheit die Energiewende, denn alle Ressourcen gingen allmählich zu Ende. Dass sich einige Experten angesichts der zunehmenden Probleme auf der Erde mit einer Auswanderung der Menschheit ins Weltall befassen, konnte Dr. Franz Alt nur mit Humor behandeln: »Um in ein anderes Sonnensystem zu kommen, brauchen wir rund 16 Millionen Jahre. Gute Reise, Menschheit.« Gleichzeitig weiß der Weltenbummler in Sachen Energiewende, dass ein Weiterleben auf der Erde nicht möglich sein wird, wenn die Menschen so weitermachen wie bisher. »Wenn wir alle noch verbleibenden Ressourcen verbrennen, dann wird die Temperatur um rund acht Grad ansteigen. Ich möchte nicht mein Urenkel sein«, sagte Alt, der mit einem Anstieg des Meeresspiegels bis zum Ende des Jahrhunderts um rund einen Meter rechnet.

Auf seinen Reisen rund um die Erde erlebt Dr. Franz Alt aber auch, dass die Energiewende Fortschritte macht. Deutschland habe mit seinem Erneuerbare-Energien-Gesetz den Anfang gemacht – und dies sei von über 60 weiteren Staaten übernommen worden. »Die Energiewende zusammen mit dem Dämmen der Häuser ist eine riesige Chance für die deutsche Wirtschaft«, bekräftigte der Referent, der von rund einer Million neuer Arbeitsplätze ausgeht. »Es gibt genug Energie auf unserem Planeten, sei es durch die Sonne, die Biomasse, den Wind oder die Wasserkraft. Es ist nur etwas mehr Intelligenz gefragt«, so der 75-Jährige. Denn Öl werde als Energielieferant bald nicht mehr zur Verfügung stehen. Deshalb ist der frühere Fernsehjournalist auch überzeugt, dass es schon in wenigen Jahren nur noch Elektroautos auf den Straßen geben werde. So sah es auch »Öl-Bösewicht« J. R. Ewing (Larry Hagman) aus der Fernsehserie »Dallas«, den Dr. Franz Alt kurz vor seinem Tod noch kennenlernte. »Vergiss Öl – Sonne ist die Energie der Zukunft«, hatte er in einem Werbespot für Elektroautos und Fotovoltaik propagiert.

Welche Möglichkeiten es für die Menschheit gibt, die Energie der Sonne einzufangen, präsentierte Dr. Alt schließlich mit einigen spektakulären Bildern. Da sah man Hochhäuser mit Kollektor-Fassaden, Häuser, die sich mit der Sonne drehen, oder riesige Kollektorflächen in Nachbarschaft des Vatikans in Rom. »Die Technik ist vorhanden, jetzt ist es eine moralisch-ethische Frage«, konstatierte der Referent, der am Ende seines Vortrags noch den Dalai Lama zitierte, der sein letzter Studiogast als Fernsehmoderator war: »Religiös ist, wer mitarbeitet an der Bewahrung der Schöpfung«.

Weitere Informationen zu diesem Thema präsentiert der Journalist unter www.sonnenseite.com und unter www.franzalt.de. Ulli Kastner