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Berchtesgaden steigt groß ins Rufbus-System ein

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Mit einem Flyer wird bereits seit einiger Zeit für den Rufbus geworben. Nach der Erweiterung des Projekts will man das Angebot nun noch stärker in die Öffentlichkeit tragen. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Rund 30  000 Euro pro Jahr wird die Marktgemeinde Berchtesgaden ab nächstem Jahr in das Rufbus-System des südlichen Landkreises investieren.


Mit dieser Summe weitet man das Angebot in der Gemeinde enorm aus, denn der Rufbus wird künftig an allen Linienbus-Haltestellen verfügbar sein. Der Marktgemeinderat stimmte in seiner Sitzung am Dienstag gleichzeitig der Übernahme der Trägerschaft durch die Gemeinden geschlossen zu.

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Noch steht es nicht, das künftige Rufbus-Konzept im südlichen Landkreis. Denn während eine Teilnahme der Gemeinden Bischofswiesen, Ramsau und Berchtesgaden gesichert ist, zögert man laut Marktbürgermeister Franz Rasp noch in Schönau am Königssee und in Marktschellenberg. »Schönau am Königssee hat eine sehr gute Linienbus-Anbindung. Defizite gibt es lediglich in den Bereichen Faselsberg sowie Vorder- und Hinterbrand.

Die Gemeinde wird sich das wohl erst mal anschauen«, erklärte Rasp. Mit der Teilnahme Marktschellenbergs rechnet man erst einmal nicht. Die anderen Gemeinden müssen allerdings nach dem 30. September die Rufbus-Trägerschaft vom Landkreis Berchtesgadener Land im Rahmen einer Zweckvereinbarung mit der federführenden Gemeinde Bischofswiesen übernehmen.

30 000 Euro pro Jahr

Bürgermeister Rasp machte klar, dass die Marktgemeinde Berchtesgaden bislang nur einen »marginalen Anteil« in Höhe von 800 Euro pro Jahr am Rufbussystem hatte. Der Vorschlag lautete nun, das Rufbus-System auf alle Linienbus-Haltestellen auszuweiten. Vorgesehen sind laut Franz Rasp auch eine zeitliche Verschiebung auf künftig 7 bis 22 Uhr sowie eine Preisanhebung.

Weil der Rufbus aber nicht kostendeckend zu betreiben ist, müsse die Gemeinde dafür Geld in die Hand nehmen. So werde man im nächsten Jahr in der Gemeinde auf rund 30 000 Euro »sitzen bleiben«. »Und die Förderung ist in den nächsten Jahren weiter rückläufig«, prognostizierte der Rathauschef. Der schlug deshalb vor, es einmal zu probieren, die Verträge aber nur jährlich abzuschließen. »Immer im August sollten wir uns dann entscheiden, ob wir weitermachen oder ob wir die dreimonatige Kündigungsfrist zum Jahresende nutzen und einen Schlussstrich ziehen.«

Die Gemeinderäte sprachen sich in einer längeren Diskussion grundsätzlich für die Erweiterung des Rufbussystems aus. Allerdings wurde auch die Sorge so mancher Lokalpolitiker vor einem möglichen Kostenanstieg deutlich. So sprach Helmut Langosch (Freie Wähler) von einer »guten Sache«, warnte aber davor, »dass es wohl nicht bei den 30 000 Euro bleiben wird«. Außerdem liegt nach seiner Ansicht der Vorteil durch den Rufbus in erster Linie beim Gast und nicht beim Einheimischen.

Dem widersprach Bürgermeister Rasp: »Gerade der Einheimische soll und wird vom Rufbus profitieren.« Deshalb erfolge die Kostenaufteilung unter den Gemeinden auch nach dem Einwohnerschlüssel in Verbindung mit der Zahl der Haltestellen. »Profitieren wird beispielsweise der Einheimische, der am Wochenende nicht in den Markt kommt, weil er kein Auto hat und im Gmerk wohnt.« Es gehe also vor allem um die Ortsteile Obersalzberg, Maria Gern und Au. Vor allem nach 18 Uhr und am Wochenende soll der Rufbus die Lücke zwischen dem Linienbetrieb und dem Taxi schließen.

Die Bewerbung ist wichtig

Eine »klare Unterstützung« sagte auch Dr. Bartl Wimmer von den Grünen zu. Allerdings müsse man auch den Mut haben, das System zu hinterfragen, wenn es nicht gut läuft. Wichtig sei es auch, den Rufbus intensiv zu bewerben. Wimmer hoffte darüber hinaus, dass sich auch die Gemeinden Schönau am Königssee und Marktschellenberg am Rufbus beteiligen werden, »sonst wäre es nur Stückwerk«. Ähnlich äußerte sich auch Bartl Mittner (SPD), der von einer »guten Ergänzung des ÖPNV« sprach.

Eine Mahnung vor den finanziellen Folgen sprach Richard Schwab (Freie Wähler) aus. Schließlich seien durch die Fahrtgelder nur zehn Prozent der Kosten gedeckt, 90 Prozent kämen als Zuschuss. Und ab dem Jahr 2021 gebe es gar keine Förderung mehr. »Dann haben wir bei den Leuten womöglich ein Anspruchsdenken geschaffen, das uns in Zugzwang bringt.« Schwab signalisierte auch Verständnis für die Taxifahrer, die damit einen Teil ihres Geschäfts verlieren würden.

Gratulation an Bürgermeister Weber

Josef Prex (CSU) begrüßte den Lückenschluss. »Wir können damit ein Ausrufezeichen setzen, das beispielgebend sein wird für ein späteres landkreisweites Verkehrskonzept«, betonte Prex. Und bei Manfred Leubner (Grüne) herrschte sogar »Freude und Begeisterung«. Er gratulierte dem Bischofswieser Bürgermeister Thomas Weber, der das Projekt ins Leben gerufen hatte. Es sei ein »Meilenstein in der Entwicklung des ÖPNV«. Und die finanzielle Beteiligung bezeichnete Leubner »als Peanuts beispielsweise im Vergleich zu so mancher Lärmschutzmaßnahme«.

Leubner forderte, dass man es zumindest einmal probieren solle. Das sah auch Bürgermeister Franz Rasp so: » Wir sollten keine Angst vor dem Erfolg haben. In zwölf Monaten sind wir schlauer.« Gegen die Ausweitung des Rufbus-Projekts und den Abschluss einer Zweckvereinbarung mit der Gemeinde Bischofswiesen gab es keine Gegenstimme. Ulli Kastner