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Berchtesgadener Bürgergruppe will Tourismusreform

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Gefällt der BBG gar nicht: die Bauruine im Nonntal. Foto: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden (BBG/cfs) - »Eine weitere Periode so weiterwurschteln, das kann nicht unser Anspruch sein.« So eröffnete Verbandsrat Hans Kortenacker die Quartalssitzung der Bürgergruppe (BBG), die kürzlich im Gasthaus »Charivari« stattfand. Schon vor der Kommunalwahl 2008 war für die BBG klar: Das Budget der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) ist zu niedrig. Und noch dazu ungleich verteilt. Denn von den Beiträgen der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) als Gesellschafter profitiert der ganze Landkreis. Obwohl etwa 90 Prozent der touristischen Potenziale im Talkessel liegen.


Der Vorsitzende des Kur- und Tourismusvereins Berchtesgaden, Werner Sliwa, brachte es auf den Punkt. »Wir brauchen eine Reform der Strukturen.« Zur Reorganisation der TRBK könne man neben dem sanierungsbedürftigen Kongresshaus und der desolaten Therme Optimierungen beim Personal zählen. Hans Kortenacker wusste aus beruflicher Erfahrung zu berichten, dass es offizielle Vergleichswerte renommierter Tourismusberatungen gibt, die pro 90 000 Übernachtungen einen Mitarbeiter zählen. Bei 2,1 Millionen Nächtigungen im Verbandsgebiet habe man hier deutliches Potenzial, stellte Bernd Bauhofer fest. Keinesfalls solle man aber eine isolierte Personaldiskussion entfachen, mahnte Mathias Lenz, was auch jeder der Anwesenden so sah. Man plane, sich in Kürze mit Vertretern der anderen zwei Gesellschafter zu treffen, um hier Änderungen zu diskutieren.

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Beim Thema Kongresshausumbau gingen die Wogen hoch. So warf Frank Woodcock ein, dass jeder kleine Handwerksbetrieb bei einer Kreditanfrage einen Businessplan vorweisen müsse und in der TRBK gab es bis heute Stimmen, die dies als nicht notwendig bezeichnen. Diese Form der Ignoranz stieß auch Mathias Lenz auf, der forderte, die Verwaltung und Tourist-Info ins neue Kongresshaus zu verlegen, wenn es sich rechnen würde. Hans Kortenacker entgegnete, dass man nun wohl auf dem richtigen Weg sei, was die Rentabilitätsrechnung betreffe. Was den Umzug der TRBK angehe, hatte der Markt Berchtesgaden schon vor geraumer Zeit einen Antrag auf Prüfung gestellt, der aber derzeit zurück- gestellt ist und in Form eines Gutachtens geprüft würde. Für Gebhard Drossbach ein Unding, das überhaupt zu diskutieren: »Es ist doch sinnvoller, den ebenfalls sanierungsbedürftigen Bau am Kreisverkehr zu veräußern und den Ertrag der Renovierung des Kongresshauses zukommen zu lassen.«

Übereinstimmend war man jedoch der Meinung, dass - wie Andi Schiller einwarf - am zentralen Verkehrsknotenpunkt eine Anlaufstelle in Form eines Tourismuspavillons benötigt würde. »Und dieser gehört in das Bahnhofsareal«, so Neumitglied Michael von Chaulin.

Ein weiterer Punkt, der diskussionswürdig ist, sei das zentrale Reservierungssystem IRS 18, das von vielen der dort gelisteten Mitglieder kritisiert würde. Derzeit ein »Muss«, um »findbar« zu sein, will man seitens der Bürgergruppe hier auch Alternativen testen oder überhaupt die Sinnhaftigkeit eines derartigen Systems prüfen, da ja, wie Ernst Jermann zu berichten wusste, auch Kosten in nicht unbeträchtlicher Höhe anfallen. Werner Sliwa sicherte hier zu, bis zur nächsten Sitzung weitere Informationen bereitzustellen.

Erneut auf der Agenda war das Nonntal. Gebhard Droßbach kritisierte den Verfall des ältesten erhaltenen Straßenstücks, des klassischen Postkartenmotivs von Berchtesgaden. Das Objekt »altes Schulhaus« könne doch nicht so stehen bleiben. »Überdies gereicht es Berchtesgaden nicht unbedingt zur Ehre, wenn im Wikipedia-Eintrag unter den Fotos der Berchtesgadener Baudenkmäler die Ruine Nonntal 15, gezeigt wird.«

Hans Kortenacker, der sich beim Landratsamt nach dem aktuellen Stand erkundigt hatte, sicherte zu, diesen Punkt weiter zu verfolgen. Man habe als Gemeinde in dieser privatrechtlichen Angelegenheit zwar wenig Handhabe - zumal seit Januar die Baugenehmigung bestehe - die Verkehrssicherungspflicht müsse jedoch gewährleistet sein. »Und dies ziehe ich in Zweifel«, so Werner Sliwa, »allein schon aus dem Grund, weil die Fußgänger auf die Straße ausweichen müssen, um an der Bauruine vorbeizukommen.«

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