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Berchtesgadener mit fränkischem Herz

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Zur Eröffnung der Ausstellung »Rudy Horn: Weltstar – Jongleur – Nürnberger« im Nürnberger Stadtarchiv konnten dessen Leiter Dr. Michael Diefenbacher und Ausstellungsorganisatorin Ulrike Swoboda (2.v.l.) den früheren Weltklasse-Jongleur Horn (r.) und seine Frau Helga (2.v.r.) begrüßen. Fotos: privat
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Mit dem Tassentrick wurde Rudy Horn einst als Jongleur berühmt.

Nürnberg/Berchtesgaden – Sein Lebensmittelpunkt ist seit Jahrzehnten in Berchtesgaden, doch sein Herz hängt immer noch an seiner Geburtsstadt Nürnberg. Die ehrt den früheren Weltklasse-Jongleur Rudy Horn derzeit mit einer Ausstellung, die noch bis zum 28. März 2014 im Stadtarchiv zu sehen ist. Keine Frage, dass der Bundesverdienstkreuzträger mit seiner Frau Helga zur Eröffnung in seine frühere Heimat gereist war.


Vor über 80 Jahren kam Rudy Horn als Sohn einer Artistenfamilie in Nürnberg zur Welt. Schon als kleines Kind lernte er von seinem Vater akrobatische Tricks und die Kunst des Jonglierens. Dabei erwies sich der Bub als sehr geschickt, ehrgeizig und äußerst begabt. Bereits im Alter von sechs Jahren stand er mit seinem Vater in der Nummer »Rudy Horn und Partner« mit einem Akrobatik-Akt auf der Bühne und machte auf dem Kopf des Vaters einen Kopfstand und einen einarmigen Handstand. Später erfand der Neunjährige den Tassentrick, bei dem er Untertasse, Tasse, Löffel und ein Stück Zucker nacheinander von der Fußspitze auf den Kopf warf.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte Rudy Horn in den Truppenbetreuungs-Shows der US-Army sein Können und tourte durch die amerikanischen Soldatenclubs. Während dieser Zeit entwickelte er seinen von professioneller Jonglierkunst, tänzerischer Leichtigkeit und comedyreifen Bühneneinlagen geprägten Stil.

Ab März 1949 gehörte Rudy Horn zum Ensemble des Münchner Circus Krone. Das Publikum wollte vor allem den Tassentrick des Jongleurs sehen. Und nach zwei Jahren harten Trainings zeigte Rudy Horn den Trick 1951 sogar auf einem Einrad – das verhalf ihm endgültig zu internationalem Ruhm.

Es folgte das erste Auslands-Gastspiel in England. Der Erfolg war riesig. 25 Jahre lang führten ihn schließlich weitere Engagements auf die großen Bühnen der Welt – nach Paris, Las Vegas, Chicago, Hollywood, San Francisco, Brüssel, Stockholm, Göteborg, Monte Carlo, Sydney, New York, Madrid und Teheran. Die höchste Auszeichnung für Jongleure, die Rastelli-Trophäe, gewann Rudy Horn 1973 im italienischen Bergamo. 1975 zog sich Horn schließlich aus dem Showgeschäft zurück, um Zeit für seine Familie zu haben. In seiner zweiten beruflichen Karriere war Rudy Horn Tennislehrer. Dem »weißen Sport« blieb er bis heute treu.

Die Ausstellung im Nürnberger Stadtarchiv spiegelt das bewegte Leben des Wahl-Berchtesgadeners wider. Hinter Glas ruht das Bundesverdienstkreuz, das ihm 1981 verliehen wurde. Auch Plakate, ein Kostüm aus Zirkuszeiten und Requisiten wie Einrad, Tassen oder Reifen sind ausgestellt. Ebenso eine Auswahl von Fotos, die ihn mit Stars wie Heinz Ehrhardt, Johannes Heesters, Udo Jürgens, Katja Ebstein und Marlene Dietrich zeigen. Er kannte die Weltstarts und war mit Zarah Leander auf Tour. Drei Tage lang hielt sich Rudy Horn jetzt zusammen mit seiner Frau Helga zur Ausstellungseröffnung in Nürnberg auf. Keine Frage, dass da auch ein Besuch des Christkindlesmarktes auf dem Programm stand. Ulli Kastner