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Berchtesgadener Mittelschule schließt endgültig

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Die Mittelschule Bischofswiesen ist nach Ansicht des Mittelschulverbandes Berchtesgaden gut geeignet, auch die Schüler der bisherigen Mittelschule Berchtesgaden aufzunehmen. Allerdings wird es auch hier nicht ohne Erweiterungsbauten abgehen. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Der Mittelschulstandort wird künftig in Bischofswiesen zu finden sein. Berchtesgaden ist damit endgültig aus dem Rennen um den Erhalt der Schule. Einstimmig beschloss dies am Mittwochnachmittag der Mittelschulverband, dessen Vertreter im Rathaus von Berchtesgaden tagten.


Voraussichtlich ab dem Schuljahr 2020/21 wird die Mittelschule in Berchtesgaden geschlossen. Darauf verständigten sich die Mitglieder des Mittelschulverbands aus Ramsau, Marktschellenberg, Schönau am Königssee sowie Berchtesgaden. Rund 200 Schüler müssen künftig den Schulweg nach Bischofswiesen antreten. Dieser Standort hatte sich nach Meinung aller Gemeinderäte des Talkessels, die im Vorfeld beraten hatten, als der »bessere« erwiesen. Zu der Entscheidung für Bischofswiesen kam es auch deswegen, weil laut eines Gutachtens deutlich über 100 000 Euro pro Jahr eingespart werden könnten.

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Rasp kontert Kritik

Die Mittelschule in Berchtesgaden sei in die Jahre gekommen, so die einhellige Meinung aller Beteiligten – es müssten Investitionen in Höhe von über 4 Millionen Euro getätigt werden, um das Schulhaus auf einen modernen Standard zu bekommen. Zuschüsse für diese Maßnahmen? Fehlanzeige. In Bischofswiesen hingegen hatte man aus Fördertöpfen profitiert. Mehrere Millionen Euro waren dort in das Gebäude investiert worden.

Um mittelfristig auch die Schüler aus Berchtesgaden aufnehmen zu können, bedarf es aber weiterer Baumaßnahmen, die jedoch noch nicht konkretisiert wurden. Eine Kostenaufstellung liegt bis dato ebenfalls nicht vor. Geplant ist der Ausbau zusätzlicher Klassenzimmer sowie die Schaffung einer eigenen Schulmensa auf dem Campus. Die Busverbindungen sollen auch künftig nicht zum Nachteil der Kinder sein, »die Schultage der Kinder werden nicht länger«, hatte Verbandsvorsitzender Franz Rasp erst kürzlich gesagt. Gegen öffentliche Kritik verwehrte sich Franz Rasp während der Sitzung: »Die Kostenfrage ist im Internet über die Gemeindeseite einsehbar«, so Rasp. Dass im Vorfeld »gemauschelt und getäuscht wurde, ist ein starkes Stück.« Die Kritik an der nun getroffenen Entscheidung sei oft in »nicht akzeptabler Form« passiert. Nicht zu akzeptieren sei auch die Unterstellung, »dass die Belange der Eltern nicht berücksichtigt wurden«, sagte der Vorsitzende. »So, wie es aussieht, wird auch mein Sohn in die Mittelschule gehen – nach Bischofswiesen.« Natürlich hätten die Elternbelange hohe Priorität.

»Wir waren gut informiert«

Beschwerden über eine »nicht transparente Entscheidungsfindung« hatte es im Vorfeld von den Freien Wählern in Berchtesgaden gegeben, die sich für Berchtesgaden als Mittelschulstandort ausgesprochen hatten. Denn wie es mit dem Gebäude in Zukunft weitergehen soll, ist nicht abschließend geklärt. Der Plan, dort 40 Wohneinheiten zu integrieren, wurde von Franz Rasp zwar bereits öffentlich gemacht, bei den Freien Wählern befürchtet man aber, dass das langfristig auch den Standort der Berchtesgadener Grundschule, direkt neben der Mittelschule, gefährden könnte.

Im Mittelschulverband versichert man, dass die Schulausbildung auch in Bischofswiesen auf höchstem Niveau weitergeführt werden könne. Arbeitsplätze auf seiten der Lehrerschaft seien nicht in Gefahr. Alle Stellen in Berchtesgaden würden auch in Bischofswiesen bestehen bleiben.

Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann, ebenfalls Mitglied des Mittelschulverbands, ist der Überzeugung, dass das »Thema jetzt ausreichend und intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert worden ist.« Gemeinde- und Verbandsräte hätten nochmals die Möglichkeit gehabt, beide Schulstandorte zu besichtigen. »Wir sind gut informiert in die Diskussion um den Schulstandort eingestiegen«, sagte er. Auch Hannes Rasp, Schönau am Königssees Bürgermeister, lobte die Vorgehensweise des Verbandsvorsitzenden, der in den letzten Wochen öffentlich harter Kritik ausgesetzt war.

Wenig Freude verspürt man aktuell hingegen in der Mittelschule von Berchtesgaden. Dort waren Eltern und Lehrer immer wieder auf die Barrikaden gegangen und hatten gefordert, »unsere Schule« zu erhalten. Ohne Erfolg. Annette Ritter, die während der Mittelschulverbandssitzung anwesend war, war die Betrübtheit am Mittwochnachmittag ins Gesicht geschrieben. Mit der Erlaubnis der Verbandsmitglieder durfte sie eine Stellungnahme vortragen, die den Beschluss des Schulforums zum Inhalt hatte.

Schüler wollen Fassade gestalten

Etwa fünf Jahre wird es die Mittelschule in Berchtesgaden noch geben, einige Renovierungsarbeiten stünden noch an, sagte sie. Bis Ende des Jahres werden etwa die Sonnensegel der Schule ausgetauscht, ebenfalls wird derzeit das Pflaster im Eingangsbereich des Gebäudes erneuert. In diesem Zusammenhang wies Annette Ritter auf die »sicherheitsrelevanten Aspekte hin, auf die dringend notwendige Instandsetzung der losen Pflastersteine im Pausenhof.« Außerdem wiederholte sie nochmals Rasps Zusage, die sanitären Anlagen der Mittelschule renovieren zu lassen. Aus Kostengründen hatte das Schulforum vorgeschlagen, nur jene sanitären Anlagen des ersten und dritten Stockwerks zu renovieren und den zweiten Stock außen vor zu lassen. Im Folgenden trug Rektorin Ritter die Bitte des Schulforums vor, »die Außenfassade in Eigenregie verschönern zu dürfen.« Damit wollten die Schülervertreter aufzeigen, dass ihnen »ihre Mittelschule nicht egal ist.« Rasp sagte, dass der Antrag überprüft werde. Kilian Pfeiffer