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Berchtesgadener muss zehn Monate hinter Gitter

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Berchtesgaden/Laufen – In Anbetracht dessen, was gegen den 26-jährigen Berchtesgadener noch an Ermittlungen laufe, sei das heute eigentlich »Pipifax«, meinte Richter Thomas Hippler in der Verhandlung am Laufener Amtsgericht. Wegen Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis muss der Vater von vier Kindern für zehn Monate hinter Gitter.


Am 31. Oktober 2013 war es vor einem Berchtesgadener Anwesen zum Streit über die Belegung von Parkplätzen gekommen. »Auf meinem Stellplatz standen dauernd Autos anderer Leute«, berichtete ein 23-jähriger Zeitsoldat, der damals in Bischofswiesen stationiert war und in Berchtesgaden wohnte. »Ich habe darauf seine Ex angesprochen«, sagte der Zeuge in Richtung des Angeklagten, »worauf der zweimal mit der Faust auf mich eingeschlagen hat.« Der 23-Jährige war dabei unverletzt geblieben.

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»Ein Wort gab das andere«, gestand der 26-Jährige die Faustschläge, zudem sei er alkoholisiert gewesen. »Sie wissen, wenn Sie trinken, setzt es im Oberstübchen aus«, erinnerte ihn Vorsitzender Richter Thomas Hippler an frühere Ausraster. Körperverletzungen, Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Betrug findet sich im Bundeszentralregister. Unter anderem hatte der Berchtesgadener per Internet Waren angeboten, sich bezahlen lassen, jedoch nie geliefert. Bewährungsstrafen waren widerrufen worden. Zuletzt war der Berchtesgadener im Juli 2013 wegen eines gefälschten belgischen Führerscheins zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Auch hier wurde die dreijährige Bewährung widerrufen.

Nach den Faustschlägen hatte der Angeklagte das Auto weggefahren, war dann zum Bahnhof gegangen, wo er weiter trank. »Er kam zu Fuß zurück«, berichtete ein 42-jähriger Beamter der Berchtesgadener Polizeiinspektion. Mit 1,3 Promille im Blut.

Am 27. Juni 2014 war der Mann wieder ohne Führerschein gefahren und war nahe des Aschauer Weihers von der Straße abgekommen. »Absichtlich«, wie er beteuerte, »nicht angeschnallt an einen Baum zu fahren, da können Sie sich zusammen zählen, was ich wollte.«

Zu einem Verhandlungstermin am 14. April 2015 war der Mann nicht im Gerichtssaal erschienen. »Stattdessen haben sie Ihre Koffer gepackt«, konfrontierte ihn Hippler mit einem weiteren Aspekt seiner Vorgeschichte. »Sie wursteln so dahin, haben vier Kinder, arbeiten nichts und begehen Straftaten« hielt ihm der Richter vor und fragte: »Wie soll das weitergehen?« Er bemühe sich, sich zu ändern, versicherte der 26-Jährige, und er wolle seine Familie unterstützen. »Ach ja«, so Hippler, »in dem sie ihre Frau schlagen?«. Irgendwann sei halt das Fass voll, versuchte der Mann dafür eine Erklärung.

»Eine extrem hohe Rückfallgeschwindigkeit« attestierte Staatsanwältin Christina Kühnhauser dem Angeklagten, den auch seine Kinder nicht vor weiteren Straftaten abgehalten hätten. Sie plädierte auf zehn Monate; eine neuerliche Bewährung kam für Kühnhauser nicht mehr in Frage.

Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer wollte die »persönlich schwierige Situation zwischen zwei Frauen« und ein »schweres Aufwachsen« strafmildernd gewertet wissen. Auch der Verteidiger mochte bei seinem Mandanten »keine günstige Sozialprognose« erkennen, Voraussetzung für eine Bewährung, hielt jedoch die von der Staatsanwältin geforderten zehn Monate für zu hoch.

Gleichwohl folgten die drei Richter Kühnhausers Antrag und attestierten dem Mann »ein hohes Maß an Unbelehrbarkeit«. Die angeklagte Trunkenheitsfahrt nach den Faustschlägen war nicht nachzuweisen, da ein »Nachtrunk« am Bahnhof möglicherweise erst den Alkoholpegel verursacht hatte. Blieb also die vorsätzliche Körperverletzung und das Fahren ohne Fahrerlaubnis. »Wir werden uns bald wiedersehen«, kündigte Hippler an, »sobald die Ermittlungen bei anderen Betrugstaten abgeschlossen sind.« Hannes Höfer