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»Berglöwe«-Übung endet mit intensiven Gefechten auf der Reiteralpe

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Gebirgsjäger aus Bischofswiesen befinden sich im Feuerkampf. (Foto: Bundeswehr/Norman Möller)
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Gefechtsfahrzeuge der »Mittenwalder Jager« überqueren den Inn mit Hilfe einer Faltschwimmbrücke. (Foto: Bundeswehr/Thomas Vigh)

Bad Reichenhall – Die Gebirgsjägerbrigade 23 »Bayern« hat vom 11. bis zum 21. Mai die Brigadegefechtsübung »Berglöwe« in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land absolviert. Das Manöver diente dazu, die Einsatzbereitschaft der Brigade zur Landes- und Bündnisverteidigung sicherzustellen. Die Höhepunkte der Übung bildeten das Überwinden des Inns mit Pionierunterstützung bei Rosenheim sowie der Angriff der Gebirgsjäger auf die Reiteralpe unter extremen Gelände- und Wetterbedingungen.


Fokus auf Bündnis- und Landesverteidigung

Eine Besonderheit der Übung lag darin, dass sie freilaufend durchgeführt wurde. Daher übten bis zu 1 500 Soldaten mit fast 250 Fahrzeugen auch im öffentlichen Raum. Am 11. Mai begann die Übung mit einer Bahnentladung von Gefechtsfahrzeugen des Gebirgsjägerbataillons 233 in Rohrdorf. Danach nutzten die »Mittenwalder Jager« bis zum 19. Mai öffentliche Straßen im Übungsgebiet zwischen Rosenheim und der Reiteralpe. Das Szenario der Übung sah vor, dass die Gebirgsjägerbrigade 23 einem fiktiven Bündnispartner, der durch ein benachbartes Land bedroht wird, zu Hilfe kommt. Zusätzlich mussten die Soldaten mit Hinterhalten und Sprengstoffanschlägen durch Milizen rechnen. Am 14. und 15. Mai überquerte der Gefechtsverband den Inn, nachdem die Brücken »zerstört« worden waren.

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Das Gebirgspionierbataillon acht aus Ingolstadt sowie österreichische Pioniere hatten zunächst die ersten Infanteriekräfte mit Sturmbooten und einer Behelfsfähre auf die andere Seite des Inns gebracht. Nachdem die Gebirgsjäger das Ufer gegen Milizen freigekämpft hatten, bauten Soldaten des schweren Pionierbataillons 901 aus Havelberg in Brandenburg zuerst eine Fähre, die sie danach zu einer Faltschwimmbrücke erweiterten. Diese Gewässerüberwindung stellte für die meisten Soldaten den ersten Höhepunkt der Übung dar.

Rund 100 Fahrzeuge rollten über die Brücke in den nächsten Übungsraum bei Traunreut. Von dort starteten Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 aus Füssen zu ihren Aufklärungsaufträgen, nachdem der Feind den Krieg erklärt und die Reiteralpe mit Truppen besetzt hatte. Hochgebirgsaufklärern und Hochgebirgssoldaten des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall glückte dabei eine Premiere: Sie landeten im Zuge eines taktischen Fallschirmsprungs auf dem noch winterlichen Hochplateau der Reiteralpe, um Informationen für einen Angriff zu sammeln. Nach diesem erfolgreichen Aufklärungsauftrag setzte das Gebirgsjägerbataillon 233 zum Angriff auf die Reiteralpe an. Nach mehreren nasskalten Tagen begannen die »Mittenwalder Jager« am 19. Mai mit dem Aufstieg auf die Reiteralpe über den Wachterlsteig bei 20 Grad Celsius und Sonnenschein. Auf der Reiteralpe erwartete die Gebirgsjäger zwei Meter hoher Schnee, Starkregen und kräftige Windböen. Als weiteren Höhepunkt der Übung entwickelten sich bis zum 21. Mai intensive Gefechte zwischen den Mittenwalder Soldaten und dem Gegner, dargestellt durch Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen. Die Gebirgsjäger mussten sich dabei stundenlang durch schwieriges Gelände durch Schnee und Regen bergauf kämpfen, um letztlich erfolgreich zu sein.

Die Rettungskette steht

Während der gesamten Übung stellten die Bergrettungstrupps der Gebirgsjägerbrigade 23 und die Soldaten des Sanitätsunterstützungszentrums München zusammen mit dem Rettungshubschrauber des SAR-Kommandos (Search and Rescue) aus Niederstetten eine durchgängige Rettungskette sicher. In mehreren Fällen musste der Hubschrauber trotz schlechten Wetters ausrücken, um leicht verletzten Soldaten zu Hilfe zu kommen. Insgesamt war die Anzahl verletzter Soldaten angesichts des Umfangs der Übung in schwierigem Gelände und unter den extremen Wetterbedingungen sehr gering.

Versorgung von Rosenheim bis zur Reiteralpe

Die reale Versorgung der Truppe stellte aufgrund des freilaufenden Charakters des Manövers sowie der Größe des Übungsgebiets von Rosenheim bis zur Reiteralpe eine enorme Herausforderung dar. Rund 600 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 mussten während der letzten Phase der Übung noch im Gebirge versorgt werden. Die gut 200 Soldaten des Gebirgsversorgungsbataillons 8 aus Füssen transportierten mit rund 100 Fahrzeugen 60 000 Liter Kraftstoff, mehrere zehntausend Liter Getränke, 3 000 Einmannpackungen Verpflegung sowie Munition, Ersatzteile und weitere Verbrauchsgüter. Dabei mussten sie auch mit einer permanenten Bedrohung durch gegnerische Milizen und feindliche reguläre Kräfte rechnen und ihre Kolonnen selbst verteidigen. Ein Hubschrauber führte Versorgungsflüge zur Reiteralpe durch. Die Truppenküchen und Feldköche stellten einige Zehntausend Mahlzeiten bereit.

»Übungsende«, lautete kurz der Funkspruch an alle beteiligten Verbände am Abend des 21. Mai, nachdem das Gebirgsjägerbataillon 233 nach schnellem Vorgehen und intensiven Gefechten die Bergstation der Seilbahn auf der Reiteralpe zurückerobert hatte. Am nächsten Morgen zeigte sich der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Jared Sembritzki, beim Antreten der Übungstruppe auf der Reiteralpe zufrieden und lobte die Soldaten. Der Brigadekommandeur betonte auch, dass vor allem die Erfahrungen hinsichtlich des infanteristischen Kampfes im Hochgebirge, des gefechtsmäßigen Verhaltens sowie des Durchhaltens unter solch schwierigen Bedingungen in die Ausbildung einfließen müssen, ohne Anforderungen der Auslandseinsätze zu vergessen.

Obwohl es durchaus Verkehrsbehinderungen gab, stand die Bevölkerung den Soldaten und dem Geschehen positiv gegenüber. Viele Soldaten berichteten von angenehmen Begegnungen mit Bürgern während der Übung im öffentlichen Raum. fb