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Bergretter trainieren Notfallmedizin im Schnee

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Verschiedene Rettungseinheiten übten kürzlich die Rettung von vermeintlichen Lawinenopfern am Jenner. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Das Lehrteam Notfallmedizin der Bergwachtregion Chiemgau hat an der Berchtesgadener Bergrettungswache und in Vorderbrand einen Praxis-Fortbildungstag für 36 Ärzte, Sanitäter, Ausbilder und Hubschrauber-Besatzungsmitglieder durchgeführt, bei dem in gemischten Teams die Rettung und Versorgung von Lawinenopfern und verunfallten Wintersportlern geübt wurde. Die Regionalärzte und Organisatoren Dr. Christian Freund, Ralf Kaukewitsch und Dr. Marco Tusl hatten die Veranstaltung bewusst offen gestaltet und neben weiteren Partnern auch die Besatzungen des Traunsteiner Rettungshubschraubers »Christoph 14« und des Salzburger Notarzthubschraubers »Christophorus 6« eingeladen, um sich besser kennenzulernen und auszutauschen.


Gemäß der Idee, dass die zusammen trainieren sollen, die auch im Einsatz immer wieder zusammenarbeiten, brachte der Netzwerker Dr. Freund die Notfallmediziner der Bergwachtregion Chiemgau, des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD) und der Hubschrauberstationen aus Traunstein und Salzburg zusammen. Zu Beginn stellt der ÖBRD-Bundesarzt Dr. Matthias Haselbacher die Struktur und Ausbildung der österreichischen Bergretter vor. Wesentlicher Unterschied zu Bayern ist das dichte Netz an Luftrettungsstationen, weshalb in Österreich die Bergrettung in der Regel nur nachts oder bei fehlenden Sichtflugbedingungen ausrückt.

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Unfallszenarien auf Berchtesgaden umgelegt

Im Verhältnis zu Bayern stehen in Österreich aktuell nur relativ wenige alpin ausgebildete Notfallmediziner für bodengebundene Einsätze zur Verfügung; der Notarzt kommt in der Regel mit dem Hubschrauber. Dr. Johannes Schiffer, der als Vertreter der Bergwacht Bayern in der Medizinischen Kommission der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen (IKAR) sitzt, berichtete von der letzten Tagung, die im Oktober in Nevada stattfand. Schwerpunkte waren Großschadensereignisse und Großeinsätze, wobei unter anderem der Ausbruch des Vulkans Ontake in Japan, größere Lawinenunglücke und die Höhlenrettung im Untersberg besprochen wurden. Mit den ebenfalls anwesenden Ärztlichen Leitern Rettungsdienst (ÄLRD) des Rettungszweckverbandes Traunstein wurden anschließend Szenarien auf die Chiemgauer und Berchtesgadener Berge umgelegt und diskutiert. Die Ärzte und Sanitäter befassten sich intensiv mit der richtigen Erstversorgung auf der Lawine, mechanischen Reanimationshilfen und der Entscheidung für die richtige Zielklinik.

Im Anschluss ging es ins Gelände: Intensiv-Fachkrankenpfleger und Bergwachtmann Florian Kronawitter hatte im frischen Neuschneehang drei funkgesteuerte Simulationspuppen der Kliniken Südostbayern AG platziert, an denen sehr realitätsnah Einsatzszenarien mit allen notfallmedizinischen Maßnahmen durchgespielt und geübt wurden: Zwei schwer verletzte, unterkühlte Skifahrer liegen im Hang, ein weiterer ist verschüttet und muss erst geortet und ausgegraben werden. Ralf Kaukewitsch und seine Lawinenhündin Lilly zeigten den weniger Erfahrenen, wie die Suche und Ortung mit dem LVS-Gerät funktioniert.

Parallel übten die Bergwachtmänner Chris Steube, Stephan Bauhofer und Barthi Wurm mit den gemischten Teams aus Bergwacht und Hubschrauberbesatzungen die Rettung eines abgestürzten Schlittenfahrers mit Seilzug und Akja aus dem Weidbachgraben zwischen Göllhäusl und Jenner-Mittelstation.

Ziel: Überall notärztliche Versorgung sicherstellen

Extreme klimatische Verhältnisse, Absturzgelände, zum Teil lange Transportwege und der große Aufwand, bis überhaupt einmal die Einsatzstelle erreicht ist, führen zu spezifischen Rettungsszenarien. Ziel der Bergwacht Bayern ist es, an fast allen Stellen im Berg- und Wandertourismusland Bayern eine notärztliche Versorgung sicherstellen zu können. Dafür wurde eine kompakte Ausbildungsreihe konzipiert, die die Notarztausbildung mit der Bergwachtausbildung ergänzt. Der Bergwacht-Notarzt ist zu allen Jahreszeiten geländegängig und mit den Bergrettungstechniken sowie den speziellen medizinischen Notfallszenarien der Bergrettung vertraut. Er ist auch unter schwierigsten Bedingungen für die medizinische Versorgung des Notfallpatienten verantwortlich. Bereits ausgebildete Notärzte durchlaufen bei der Bergwacht Bayern eine umfassende Basisausbildung im Bergsteigen und eine Grundausbildung Bergrettung. Im Anschluss nehmen sie an schweren Bergrettungseinsätzen teil.

Medizinisches Fachpersonal im Lehrteam

Der Veranstalter des Fortbildungstags, das Lehrteam Notfallmedizin der Bergwachtregion Chiemgau, besteht aus medizinischem Fachpersonal mit zusätzlicher Bergrettungsausbildung. Die erfahrenen Einsatzkräfte, darunter Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Fachkrankenpfleger und Notärzte, führen die Grundausbildung Notfallmedizin für alle Anwärter der Bergwacht Bayern in der Region Chiemgau durch. Darüber hinaus organisieren die Mitglieder die fachspezifische Fortbildung in den jeweiligen Bergwachtbereitschaften, kümmern sich um die medizinische Ausrüstung in den Bergrettungswachen und übernehmen im Einsatzfall meist die führende Rolle in der Patientenversorgung. fb