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Bergsteigerdorf Ramsau sammelt Ideen für Entwicklung

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Fototermin vor bekannter Ramsauer Kulisse (v.l..) Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung beim Deutschen Alpenverein, Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann, die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf und Prof. Jens Badura, Leiter des BergKulturBüros in Ramsau. (Foto: Kastner)

Ramsau – Aus einer Ideenwerkstatt erhofft sich die Gemeinde Ramsau Vorschläge für die weitere Entwicklung als Bergsteigerdorf. Jetzt sind auch die Bürger gefragt.


»Das Mitmach-Projekt ist bestens geeignet, die Bürger zu sensibilisieren, sie mitzunehmen und gemeinsame Lösungen vor Ort zu entwickeln«, sagte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf heute im Ramsauer Berghotel »Rehlegg«. Dort übergab die Ministerin im Rahmen einer Feierstunde einen Förderscheck über 79000 Euro für das Projekt an Bürgermeister Herbert Gschoßmann.

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Der Ort für die Feierstunde, zu der zahlreiche Ehrengäste erschienen waren, passte optimal zum Thema. Schließlich hatte das Hotel »Rehlegg« erst kürzlich das Zertifikat zum »klimapositiven Hotel« erhalten. Dazu gratulierten Bürgermeister Gschoßmann und Ministerin Scharf dem Hotelchef Hannes Lichtmannegger. Gschoßmann erinnerte daran, dass die Ramsauer Bevölkerung die Charakteristika eines Bergsteigerdorfes schon immer gelebt habe. »Es geht um den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen. Diesen Aufgaben werden wir uns stellen.« Das Siegel »Bergsteigerdorf«, das man vor genau zwei Jahren erhalten hatte, sei nicht nur eine Marketingstrategie, sondern eine Philosophie.

Bürgermeister Gschoßmann ist überzeugt, dass ein Meinungsaustausch auf breiter Ebene Akzeptanz bringe. Mit dem Programm für eine Ideenwerkstatt, die bis ins Jahr 2020 dauern soll, werde man etwas in Bewegung setzen, das über das Jahr 2020 hinaus wirkt. »Daraus wird sich eine Strahlkraft im Sinne der Alpenkonvention entwickeln«, prognostizierte der Rathauschef.

So sah es auch die Umweltministerin. »Die Entwicklung nachhaltiger Strategien ist wichtig für den ganzen Alpenraum. Die hier entwickelten Ideen müssen über den Ort hinausstrahlen.« Da kann es um die technische Erschließung des Gebirgsraumes, um die bauliche Anpassung der Gebäude, um die Entwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs oder um eine touristisch stimmige Kulturlandschaft gehen. »Bergsteigerdörfer sind Musterbeispiele für einen nachhaltigen Tourismus«, sagte die Ministerin.

Insgesamt werden drei Ideenwettbewerbe für konkrete Modellprojekte durchgeführt. Aus der lokalen Bevölkerung können dazu Vorschläge für die Projekte in den Themenfeldern Erhaltung von Kultur- und Naturlandschaft sowie Grüne Infrastrukturen, Regionale Wertschöpfung und Grünes Wirtschaften, Klimawandel als lokale Herausforderung sowie Identitätsbildung und Heimatentwicklung eingereicht werden.

Über die hohe Wertschätzung, die die Politik der Bergsteigerdorf-Idee entgegenbringt, freute sich auch Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung beim Deutschen Alpenverein. Der DAV-Vertreter zitierte Augustinus von Hippo mit dem Satz »In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.« Nach diesem Motto sei die Idee der Bergsteigerdörfer vom Österreichischen auf den Deutschen Alpenverein und schließlich auf die Gemeinde Ramsau übergesprungen. Bergsteigerdörfer gebe es mittlerweile auch in Südtirol und Slowenien und mit den Gemeinden Sachrang und Schleching stünden zwei weitere bayerische Gemeinden in der Warteschleife. Mit der Ideenwerkstatt sollen nun konkrete Entwicklungsideen für das Bergsteigerdorf entstehen. »Vielleicht wird man schon mit den Ramsauer Gesprächen, die im Oktober 2018 geplant sind, ein Feuer der Begeisterung anfachen«, sagte Mair.

»Wir brauchen Ideen, die aus der Bevölkerung kommen, die eingebunden sind in den nationalen und internationalen Diskurs«, erklärte Prof. Jens Badura, Leiter des BergKulturBüros. Es gehe darum, neue Bilder im Kopf zu entwickeln und damit Zukunftsperspektiven zu schaffen. Zum Thema »Identitätsbildung und Heimatentwicklung« könnte man sich beispielsweise die Frage stellen: Wie wollen wir einmal leben? Beim Themenblock »Kultur- und Naturlandschaft« könnte man sich die Frage stellen, wie man die Almwirtschaft auf Dauer erhalten könne oder wie man vielleicht sogar einmal von ihr leben könne. Auch der Klimawandel auf lokaler Ebene gibt nach Ansicht Baduras Raum für Überlegungen: »Man braucht nur sehen, was Extremwetterereignisse schon mit dem Klausbachtal gemacht haben.« Ulli Kastner