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BGLT soll künftig alle touristischen Aufgaben bündeln

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Präsentierten die Ergebnisse des sogenannten Markenprozesses (v.l.): TRBK-Vorsitzender Franz Rasp, Silvester Enzinger von der Erlebnisregion Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel, Landrat Georg Grabner und Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner als Vertreter der Kur GmbH Bad Reichenhall-Bayerisch Gmain. (Foto: Kastner)

Berchtesgadener Land – Ein Wirrwarr an Broschüren, Faltblättern, Logos und Internetauftritten gab es bislang bei der Tourismuswerbung im Landkreis Berchtesgadener Land. Künftig sollen alle touristischen Aufgaben aber strikt bei der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) gebündelt werden. Darüber hinaus wird die Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain mit dem eigenen Markennamen »Bad Reichenhall« werben können. Diese Empfehlung gab zumindest jetzt das Lenkungsgremium zur künftigen Organisationsstruktur des Tourismus- und Wirtschaftsstandorts Berchtesgadener Land, die gestern im Rahmen einer Pressekonferenz im Landratsamt vorgestellt wurde. Damit geht der sogenannte Markenprozess in die nächste Runde, denn entscheiden müssen jetzt die Stadt- und Gemeinderäte sowie die Gesellschafter-Gremien im Landkreis.


Seit fast drei Jahren kämpft man im Landkreis mit dem sogenannten Markenprozess. Es ging dabei auch darum, die mittleren und nördlichen Landkreisgemeinden, die sich innerhalb der BGLT benachteiligt fühlten, wieder ins Boot zu holen. Die Gemeinde Ainring ist mittlerweile ausgetreten, die anderen Gemeinden scheinen dem Vernehmen nach mit dem vom Lenkungsgremium einstimmig verabschiedeten Vorschlag einverstanden zu sein. Herausstellen wird sich das aber erst in den nächsten Monaten, wenn die Stadt- und Gemeinderäte über den künftigen Weg beraten werden.

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Nach der Empfehlung des Lenkungsgremiums wird es innerhalb der BGLT künftig zwei weitgehend selbstständige Geschäftsbereiche geben: in den Bereichen »Bergerlebnis« (Markenname »Berchtesgaden«) und »Alpenstadt« (Markenname »Bad Reichenhall«) wird künftig das gesamte operative Geschäft abgewickelt. Der nördliche Landkreis (Erlebnisregion Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel) wird als Wirtschaftsraum weiterhin die Marke »Berchtesgadener Land« verwenden können, wird sich als Positionierung aber an das »Bergerlebnis« anhängen. Jeder Geschäftsbereich wird künftig einen eigenen Leiter und einen eigenen Beirat bekommen.

Kooperation mit der Wirtschaftsförderungs GmbH

Besser in die Arbeit der BGLT einbinden will man künftig die Wirtschaftsförderungs GmbH. Das soll über eigene Kooperationsvereinbarungen geschehen. »Wir werden verbindlich regeln, was wir miteinander machen«, erklärte Landrat Georg Grabner, der beispielsweise an gemeinsame Messeauftritte denkt. Die Wirtschaftsförderung soll auch die Positionierung »Lebenswertester Wirtschaftsraum« nach außen tragen. »Das ist eine gemeinsame Lösung für den ganzen Landkreis. Wir beweisen damit, dass wir uns nicht auseinander dividieren lassen«, sagte Landrat Georg Grabner.

Die drei Gesellschafter der BGLT – die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, die Kur GmbH Bad Reichenhall-Bayerisch Gmain und die Erlebnisregion Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel – werden künftig alle operativen Aufgaben an die BGLT abgeben, darunter fällt beispielsweise auch der Betrieb der Touristinfos. Die Gesellschafter sollen sich dann auf ihre Kernaufgaben besinnen können. Bei der TRBK wäre das beispielsweise die Watzmann Therme oder das Kongresshaus. Allerdings weiß TRBK-Vorsitzender Franz Rasp auch, dass viele Touristinfos auch gemeindliche Aufgaben übernehmen, eine komplette Übernahme durch die BGLT also schwierig sein könnte. »Dann werden wir konkrete Kooperationsvereinbarungen abschließen, in denen die Aufgaben genau geregelt sind«, sagte Franz Rasp.

Enorme Synergien erhofft sich TRBK-Chef Franz Rasp von der Zusammenführung der touristischen Aufgaben bei der BGLT. »Dann wird es in Sachen Tourismuswerbung nur noch einen Ansprechpartner geben«, sagte Rasp und wurde deutlicher: »Bislang gab es ein Wirrwarr an Faltblättern, Logos und Internetauftritten. Das alles soll künftig einheitlicher werden. Wir schenken im Moment noch zu viel her«.

Bad Reichenhall ist zufrieden

»Äußerst erfreulich«, lautete die Stellungnahme von Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner. Der war insbesondere froh darüber, dass die Stadt Bad Reichenhall nun wieder mit einer eigenen Marke und der Positionierung »Alpenstadt« nach außen hin auftreten kann. Immerhin könne die Stadt Bad Reichenhall ja urbanes Flair in Verbindung mit der Alpenwelt präsentieren. Außerdem werde man künftig als Geschäftsbereichsleiter einen eigenen Ansprechpartner der BGLT vor Ort haben, sagte Lackner.

Auch Silvester Enzinger, Bürgermeister von Anger und Vertreter der Erlebnisregion Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel, scheint mit dem Zwischenergebnis zufrieden. »Der Tourismus spielt in unserer Gegend keine so große Rolle, eher die Wirtschaft. Wir finden uns in der Positionierung 'Bergerlebnis' wieder und hängen uns mit einer Submarke an 'Berchtesgaden' an. Die Verantwortlichen sehen auch nicht die Möglichkeit, eine Hauptmarke »Rupertiwnkel« auf dem deutschen Tourismusmarkt zu etablieren.

Synergien sollen frei werden

Die Synergien, die sich die Verantwortlichen durch die Neustruktur erhoffen, fassen sie so zusammen: Die Gesamtleistung soll größer werden als die Summe der Einzelleistungen; der Sachaufwand im Bereich von Print- und Onlineprodukten könnte deutlich reduziert werden; die Spezialisierung der Mitarbeiter soll gefördert und die Organisation insgesamt schlagkräftiger werden; der Personaleinsatz (Urlaubsvertretung, Krankheit...) in den Touristinformationen könnte optimiert werden; der werbliche Auftritt der Gesamtregion könne aus einem Guss erfolgen, ohne die Spezifik der Teilregionen aufzugeben.

Die Stadt- und Gemeinderäte sowie die Gesellschaftergremien werden sich jetzt mit den Vorschlägen des Lenkungsgremiums befassen. Landrat Grabner ist zuversichtlich, dass man auf große Zustimmung stoßen wird. Und Bürgermeister Franz Rasp geht davon aus, dass eine Umsetzung im Jahr 2017 erfolgen könnte. Der Name »Berchtesgadener Land« wird dann in der Tourismuswerbung des Landkreises keine Rolle mehr spielen. Ulli Kastner