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Bis Weihnachten will das IfZ einen Lösungsvorschlag unterbreiten

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Fehlanzeige: Aktuell keine Rundgangsleiter-Führungen gibt es in der Dokumentation Obersalzberg – mangels Personal. Foto: Dokumentation Obersalzberg
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Der Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching, kam zum Gütetermin nach Bad Reichenhall. Persönliche Gespräche mit den gekündigten Doku-Mitarbeitern gab es dort aber keine. Foto: IfZ

Berchtesgaden – Das Institut für Zeitgeschichte hat wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit das Arbeitsverhältnis mit allen 22 Rundgangsleitern in der Dokumentation Obersalzberg beendet. Nun fand am Mittwoch ein Gütetermin des Arbeitsgerichtes in Bad Reichenhall statt. Mit dabei: die zwölf klagenden Rundgangsleiter sowie der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching. Eine Einigung konnte bislang aber noch nicht erzielt werden.


»Der Gütetermin ist fehlgeschlagen« – das berichtet eine ehemalige Rundgangsleiterin in der Dokumentation auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Keine Blickkontakte, keine persönlichen Gespräche zwischen Institutsleitung und Rundgangsführern. Man ist sich fremd geworden, das Verhältnis ist kühl. Obwohl Direktor Wirsching im Vorfeld angekündigt hatte, die Gelegenheit seines Besuchs könne zum Gespräch genutzt werden.

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»Beide Seiten arbeiten an einer Lösung«, sagt hingegen Simone Paulmichl, Pressesprecherin des Instituts für Zeitgeschichte. Denn alle Rundgangsleiter seien gewillt, weiterzuarbeiten, allerdings gebe es derzeit einige »rechtliche Fallstricke«, für die zunächst eine Lösung gefunden werden müsse.

Von Seiten des IfZ soll die Angelegenheit noch vor Weihnachten geklärt werden: »Ziel ist eine Infoveranstaltung, um alle Betroffenen aufzuklären«, so Paulmichl. Entgegen mehrerer Medienberichte verabschiedet sich das IfZ nicht vom Obersalzberg, wird dort also auch weiterhin die wissenschaftliche Betreuung innehaben. »Die Dokumentation Obersalzberg wird für 17 Millionen Euro ausgebaut, und wir sind und bleiben auch weiterhin für die wissenschaftliche Konzeption und die Betreuung zuständig.« Immerhin hat das Institut für Zeitgeschichte alle Rundgangsleiter in langwierigen Ausbildungsprozessen geschult.

Überlegungen gebe es aber dennoch, die Rundgangsleiter in eine andere Trägerschaft zu überführen, um in Zukunft rechtlichen Problemstellungen erst überhaupt nicht mehr begegnen zu können. Die gekündigten Dokumentationsmitarbeiter hoffen in der Mehrzahl auf eine Wiederbeschäftigung. Allerdings unter anderen Bedingungen.

Der Richter beim Arbeitsgerichtstermin in Bad Reichenhall beanstandete, dass das IfZ bei der vor wenigen Wochen versandten Kündigung weder fristgerecht gehandelt, noch einen Kündigungsgrund genannt habe. Ein weiterer Termin beim Arbeitsgericht ist für Februar anberaumt.

Unverständnis äußern die Rundgangsleiter hinsichtlich des Gesprächstermins, der gestern in der Dokumentation Obersalzburg stattfinden hätte sollen. Dieser wurde vom IfZ abgesagt. Zumindest für all jene, die gegen das Institut geklagt hatten. Wie der »Berchtesgadener Anzeiger« erfuhr, soll es weiterhin ein Gesprächsangebot für jene ehemaligen Mitarbeiter geben, die von einer Klage abgesehen hatten. Pressesprecherin Simone Paulmichl bestätigt, dass es »Gesprächstermine mit Rundgangsleitern gibt«, die vom Klageweg abgesehen hatten. »Wir sind jederzeit gesprächsbereit, allerdings muss es auch Sinn machen.«

Das Institut für Zeitgeschichte sieht sich aktuell in einer »Zwangslage«, aus der man sich so schnell wie möglich wieder befreien möchte. Deshalb klagt das Institut derzeit gegen die Deutsche Rentenversicherung, die eine andere Rechtsauffassung vertritt. »Wir sind der Meinung, dass unsere Rundgangsleiter freiberuflich beschäftigt waren.« Einer Scheinselbstständigkeit widerspricht das Institut.

Wenig Verständnis »für das Verhalten des Institutsdirektors« beim Gütetermin in Bad Reichenhall äußert eine Rundgangsleiterin gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«. »Wir fühlen uns nicht gut behandelt und werden ignoriert – ich begreife es einfach nicht, wie man so mit seinen ehemaligen Mitarbeitern umgeht.« Kilian Pfeiffer