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Bischofswieser Eltern ergreifen Initiative

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Ein Bürgerbegehren mit anschließendem Entscheid soll es nun richten: Zahlreiche Eltern, die ihre Kinder in die Tagesstätte nach Winkl schicken, wollen, dass die Einrichtung unter kommunaler Aufsicht bleibt. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Bischofswiesen – Die Enttäuschung ist groß. »Wir Eltern haben vom Vorhaben der Gemeinde, für die Kindertagesstätte einen neuen Träger zu finden, erst aus dem 'Berchtesgadener Anzeiger' erfahren«, sagt Wolfgang Pusch, Mitinitiator des Bürgerbegehrens »Kindertagesstätte Winkl«. Er und zahlreiche Mitstreiter machen nun mobil. In der Gemeindeverwaltung schweigt man noch immer.


Noch am Montagabend, zwei Tage nach der Veröffentlichung des Berichts in der Heimatzeitung, herrscht helle Aufregung unter den Kindergarten-Eltern. Rund 50 haben sich im Gasthaus »Schönfeldspitze« versammelt, um zu besprechen, wie es weitergeht. Thema des Abends: das Aufsetzen eines Bürgerbegehrens. Nicht nur Eltern sind dabei, auch zahlreiche Kinderpflegerinnen und Erzieher, die sich fragen, warum Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer so handelt, wie er handelt. Und über die Köpfe aller hinweg entscheidet.

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»Die Stimmung bei uns Eltern ist getrübt«, sagt Wolfgang Pusch. Verärgert und enttäuscht zugleich sei man. Die Kindertagesstätte Winkl sei bei Eltern und Mitarbeitern beliebt, wohl auch, vernimmt man aus Elternkreisen, weil sie keiner konfessionellen Ausrichtung untersteht, »es gibt keinen plausiblen Grund, dies zu ändern.«

»Wir haben uns ganz bewusst für diese Kindertagesstätte entschieden, weil hier der Umwelt- und Naturgedanke im Mittelpunkt steht und die Einrichtung ökumenisch ausgerichtet ist. Das dürfte wohl bei einer kirchlichen Trägerschaft anders sein«, befürchtet Melanie Hoffmann, eine betroffene Mutter, die gemeinsam mit Wolfgang Pusch und Alexandra Picker-Rußwurm den Kopf der Initiative bilden. Die kommunale Einrichtung soll künftig der kirchlichen Trägerschaft des Evang.-Luth. Diakoniewerks Hohenbrunn, zu dem die Insula gehört, übertragen werden.

»Wir waren völlig ahnungslos von dem, was in der Gemeinde passiert«, sagt eine Mutter. Und Alexandra Picker-Rußwurm fügt hinzu: »Erziehung zum Nulltarif gibt es nicht. Es kann doch nicht angehen, dass die Kommune eine ihrer zentralen Aufgaben, nämlich die der Kinderbetreuung, abgibt, noch dazu, wenn die Kosten für die Gemeinde im Großen und Ganzen gleich bleiben.«

Nach Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« sind die Verträge zwischen Gemeinde und Diakoniewerk weitestgehend ausgearbeitet. Stellungnahmen aus der Gemeindeverwaltung und von Seiten des künftigen Trägers gibt es nicht.

»Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, den Träger zu wechseln«, sagt eine Mutter. Mitinitiator Wolfgang Pusch fordert, die Entscheidung zu revidieren, um zunächst öffentlich darüber zu diskutieren. Denn immerhin gehe die Kindertagesstätte alle Bischofswieser Bürger an. Über ein Bürgerbegehren und einen späteren Bürgerentscheid wolle man die Richtung vorgeben und Klarheit schaffen.

Ab sofort sind Bischofswieser Bürger unterwegs, um Unterschriften für das Bürgerbegehren zu sammeln. Mit der Unterschrift beantragen die Bürger bei der Gemeinde die Durchführung eines Bürgerentscheids zur Frage »Sind Sie dafür, dass die gemeindliche Kindertagesstätte Winkl, so wie bisher, als kommunale Einrichtung weitergeführt wird?« Eine Unterschriftenliste liegt zudem im Reisebüro »Reisefieber« in Bischofswiesen aus. Kilian Pfeiffer